Queensrÿche - Frequency Unknown

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VÖ: 26.04.2013
Bandinfo: QUEENSRÿCHE
Genre: Progressive Metal
Label: Cleopatra Records
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Lineup  |  Trackliste

"Operation: Mindcrime; We're an underground revolution; Working overtime; Operation: Mindcrime; There's a job for you in; The system boy, with nothing to sign"... So könnte man beispielsweise jedes Review eines erscheinenden QUEENSRYCHE-Albums seit 1988 beginnen. Vor allem, wenn man bedenkt, dass der qualitativ wohl unerreichte Geniestreich "Operation: Mindcrime" der US-amerikanischen Prog-Rocker heuer mittlerweile sein 25-jähriges Jubiläum feiern darf. Umso schlimmer ist auch der Umstand, dass sich diese ungemein talentierte Band rund um Ausnahmefronter Geoff Tate in den letzten beiden Jahrzehnten so schwer getan hat, neue, bessere und vor allem innovative Musikakzente zu setzen, was bei so manchem Experiment gehörig nach hinten gegangen ist. Doch Stillstand ist des Musikers Tod und genau deshalb hat die große QUEENSRYCHE-Fanschar ihren Helden auch immer die Stange gehalten und das ist gut so, denn wenn es eine Metalband verdient hat, über Dekaden im Gespräch zu bleiben, dann sind es diese Jungs.

Den göttlichen Status haben sie in den 90er- und 00er-Jahren nur in ganz seltenen Momenten erreicht, genial und soundtechnisch irgendwie auch konkurrenzlos umso öfter und konzeptionell natürlich immer überragend und auf dem neuesten Stand der Dinge. Die letzten Alben wie "American Soldier" oder "Dedicated To Chaos" waren starke Lebenszeichen einer tollen Band, die sich mittlerweile in einem mehr als zerrütteten Zustand befindet. Nach internen Differenzen haben sich die "ursprünglichen" QUEENSRYCHE nämlich aufgelöst und - Achtung, jetzt wird's kompliziert! - in zwei gleichnamige Bands aufgesplittet. Da hätten wir zum einen quasi die alte Besatzung mit neuem Frontmann, die höchstwahrscheinlich im Juni via Century Media Records ihr "Debüt" releasen werden und zum anderen Geoff Tate, der mit neuer Combo im Rücken nun eben "Frequency Unknown" eingespielt hat. Dass beide Gruppierungen unter dem selben Namen firmieren dürfen, wurde derzeit durch einen rechtlichen Beschluss durchgesetzt.

Jetzt aber genug der Komplikationen, reden wir lieber über "Frequency Unknown", eine Platte, die schon von Beginn an unter keinem guten Licht stand. Um auch ja vor den anderen QUEENSRYCHE auf den Markt zu kommen, wurde die Scheibe halbfertig veröffentlicht und stand mit unglaublich schlechter Produktion und Abmischung bereits in den Läden, was verständliche Empörungsstürme der Fans veranlasste. Die zweite Pressung wurde nun zwar qualitativ aufgepeppt, der schwarze Mann lauert dieser Scheibe aber scheinbar jederzeit auf. Für QUEENSRYCHE-Liebhaber der ersten Stunde, die "Operation: Mindcrime" oder "Empire" akustisch verschlungen haben, hat dieses Album leider nicht viel zu bieten. Wie schon Tate's Soloausflug auf "Kings & Thieves" setzt "Frequency Unknown" auf Midtempo-Hard Rock, der wenig progressive Elemente aufweist und stark auf Melodieführung und Tate's Stimme setzt. Und wie schon "Kings & Thieves" bei den Die Hard-Fans nur bedingt gut ankam, wird auch dieses Album die Gemüter spalten. Hierzu sei gesagt, dass man diese Platte vielleicht differenzierter sehen muss: Nach der "Auflösung" der ursprünglichen Besatzung, versucht Tate nun neue Pfade zu betreten, was man ihm einerseits wieder zu Gute halten muss, andererseits aber auch bei einem hartnäckigen Tate-Fan wie mir, manchmal erstauntes Kopfschütteln bewirkt.

Songs wie "Cold", "Give It To You" oder "Fall" schaffen es zum Beispiel nach wie vor, das bekannte QUEENSRYCHE-Ambiente zu erschaffen - die Riffs sitzen, Tate trällert wie eine Eins, der Rhythmus sitzt sofort in den Knochen. Auch beim rund sechsminütigen "The Weight Of The World" ist man versucht, an progressive Großtaten zu denken und "Everything" funktioniert als, wenn auch sehr kitschig-eingängige, Ballade noch ganz gut. Über songwriterische Sünden wie "Dare", "Slave" oder "Running Backwards" sei an dieser Stelle der Mantel des Schweigens gelegt - monoton, uninspiriert und einfach nur unnötig, das braucht wirklich niemand. Da ist man dann ganz froh, wenn "In The Hands Of God" und "Life Without You" als Durchschnittsrocker durchfaden und Re-Recordings von alten Taten wie "Empire" und "Jet City Woman" auftauchen, die man zwar auch nicht wirklich nötig hat, aber einfach zeigen, dass diese Band trotz allem zum Besten gehört, was die Prog-Welt jemals hervor gebracht hat!

Umso trauriger ist es natürlich, wenn das "Erbe" mittlerweile etwas langatmig und nicht wirklich überzeugend daher kommt. Wie aber bereits zuvor erwähnt: diese QUEENSRYCHE sind anders und deshalb muss man sie auch anders bewerten. Denn Geoff Tate alleine macht noch keine QUEENSRYCHE, sondern das Ganze wird dadurch zu GEOFF TATE'S QUEENSRYCHE. Und das deren Musik vermehrt auf sich verändernde Stilistikelemente setzt, muss man nunmal zur Kenntnis nehmen. Dass "Frequency Unknown" trotz allem aber kein richtiger Gassenhauer ist, muss auch die neu formierte Band sich zu Herzen nehmen und vielleicht klappt es ja das nächste Mal mit einem richtigen "Comeback". Oder zumindest mit verändertem Stil und durchwegs hervorragendem Material...

Es lebe QUEENSRYCHE...



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: mat (07.05.2013)

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