Cardiant - Verge

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VÖ: 31.05.2013
Bandinfo: CARDIANT
Genre: Power Metal
Label: Inverse Records
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Lineup  |  Trackliste

Ewig und drei Tage habe ich gewartet, ehe die Finnen von CARDIANT endlich wieder mit einem neuen Album daher kommen. "Tomorrow's Daylight" hat mir vor dreieinhalb Jahren durch eine schwere Zeit geholfen und ich verbinde daher sehr viel mit der Truppe. Umso größer war die Vorfreude, als die neue Platte "Verge" angekündigt wurde. Auch an der Besetzung hat sich was geändert, so ist nun Outi Jokinen Vollzeitmitglied und steuert zum ersten mal weibliche Vocals zu einem CARDIANT-Album bei. In einem Interview erzählte mit Drummer Lauri, dass er "Verge" als Konzeptalbum sieht, obgleich sich nicht direkt ein roter Faden durch die Platte zieht und es quasi mehrere alternative Enden geben würde. Grundsätzlich beschäftigt sich "Verge" mit Menschen und deren Emotionen und die Lyrics sind deutlich tiefgründiger und zeigen auf, wie CARDIANT als Band in den letzten Jahren gewachsen sind.

"Justice Turns Into Revenge" verlangt dem Hörer für einen Opener enorm viel ab, so ist es fast schon ein progressives Feuerwerk, was die Finnen hier abbrennen. Die Grundatmosphäre ist düsterer als es noch auf dem vorangegangenen Album der Fall war, die Vocals sind vielfältiger und allgemein haben sich CARDIANT sehr stark entwickelt. Ehe man sich versieht, prasselt auch schon der "verwirrende" Refrain auf den Hörer ein... oder doch nicht? Doch! Das Ganze hat sich mir am Anfang auch nicht erschlossen, aber am Ende kristallisiert sich dann doch eine Struktur heraus und man beginnt, den Song zu verstehen. Allein aufgrund der progressiven Elemente habe ich mich sofort in den Track verliebt und auch wenn "Thought's Inception" strukturell etwas geradliniger agiert, packt mich der Song mindestens genauso sehr. Die ersten zwei Songs wirken schlicht und sind gleichzeitig extrem spannend, diese Mischung sorgt dafür, dass man ganz genau hinhört.

"Heaven's Calling" ist der schnellste Track des Albums, bindet zum ersten mal Sängerin Outi richtig ein, was sich in der wunderschön seichten emotionalen Bridge zeigt, die auch deutlich das Tempo drosselt, um dann den wahnsinnig energischen Refrain auf den Hörer loszulassen. "Verge" klingt ÜBERHAUPT nicht wie "Tomorrrow's Daylight" und doch haben es CARDIANT geschafft, dass man zu jeder Zeit merkt, welche Band hier gerade hier Unwesen treibt. "Ever Since" ist dann wohl der spannendste Song auf "Verge", beginnt erstmal sehr balladesk und behält diese Richtung auch vorerst bei. Das Piano bestimmt das Geschehen und auch Outi hat ein paar sehr schöne Lead-Vocals übernommen, die aufzeigen, dass CARDIANT mit ihr alles richtig gemacht haben. Im Chorus kochen die Emotionen dann über und Erik wächst über sich hinaus, absoluter Wahnsinn, was der Mann in den vergangenen Jahren alles gelernt hat in Bezug auf seine Stimme! Der lange Mittelpart überrascht dann erstmal mit QUEEN-lastigen Pianoklängen, die gleichzeitig auch irgendwie was von ABBA haben.

Und auch die folgenden Songs "Believe", das düstere "Beat Of Heart" und "Love's Not On My Way" halten die Spannung hoch, wo insbesondere letzterer mein absoluter Favorit auf dem Album ist. Ähnlich wie "Ever Since" schlägt man erst ruhige Töne an, stellt das Piano in den Vordergrund, haut den Hörer dann allerdings mit einem wahnsinnig emotionalen Refrain aus dem Stuhl, der wirklich sehr hörenswert ist! "Stranger In Me" stellt dann eher den Power-Metal-Teil in den Vordergrund, obgleich alles erneut sehr modern gestaltet wird. "Break Your Mind" wirkt ähnlich wie "Believe" sehr schlicht, fesselt mich trotzdem irgendwie, es ist kaum in Worte zu fassen. "Magie" trifft es hier wohl wirklich sehr gut! Der Rausschmeißer gehört Outi Jokinen, die ihren Einstieg hiermit perfekt macht und ihre ganze Bandbreite zeigt. Eine schöne Ballade, die sehr kraftvoll daher kommt und gegen Ende nochmal die Emotionen hochkochen lässt.

Das Warten hat sich also gelohnt! Nach dreieinhalb Jahren liefern die Finnen ihr bis dato stärkstes Album ab und zeigen auf, was für eine wahnsinnig tolle Entwicklung sie durchgemacht haben. Die Songs sind allesamt intelligent komponiert, schaffen es durchwegs, den Spannungsbogen nicht zu verlieren. Die Lyrics sind sehr erwachsen, wecken was im Hörer und kehren besondere Emotionen hervor. Outi ist ein großer Gewinn für die Band, veredelt die Tracks mit ihrer emotionalen Stimme und drückt ihnen teils auch ihren eigenen Stempel auf. Erik ist über die Jahre hinweg zu Höchstform aufgelaufen und zeigt auf "Verge" seine beste Performance. Alles in allem glaube ich, dass da noch Luft nach oben ist für CARDIANT, auch wenn "Verge" der Perfektion sehr nahe kommt. Da ist noch was, was die Finnen uns zeigen möchten und ich bin sicher, dass sie das in der Zukunft auch noch tun werden!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Sonata (10.05.2013)

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