Fading Bliss - From Illusion To Despair

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VÖ: 28.06.2013
Bandinfo: Fading Bliss
Genre: Gothic Metal
Label: Target Records
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Lineup  |  Trackliste

Bei FADING BLISS haben wir es mit einer recht jungen Gothic-Doom-Metal-Band aus Belgien zu tun. 2009 gegründet, konnte man mit dem selbstbetitelten Demo im französichen "Metallian Magazine" gleich die Pole Position in der Kategorie "Demo des Monats" für sich entscheiden, bevor man durch einiges Touren einen Plattenvertrag bei Target Records ergatterte. Nun steht uns mit "From Illusion To Despair" das erste abendfüllende Werk der mit sechs Männern und einer Frau nicht zu kleinen Band ins Hause, zu dem man mit NOVEMBERS-DOOM-Fronter Paul Kuhr auch noch gleich einen prominenten Gast einladen durfte. Viele Vorschusslorbeeren, die eigentlich ein sehr interessantes Album vermuten lassen.

Mit dem das Rahmenkonzept einleitenden "Illusion" startet man zugleich sehr melancholisch in die folgenden grob 50 Minuten Musik. Zu Donnergrollen und Regenprasseln gesellt sich langsam eine einsam klingende MY-DYING-BRIDE-Geige, bevor der Rest der Band im schleppenden Doom-Takt einsteigt. Sänger Dahls Growlparts begleiten in die Nacht. Doch mit dem Einsatz von Sängerin Mélanie, die auffällig nach Genrekollegin LIV KRISTINE klingt, nehmen auf einmal die melodischen Parts überhand, Sonnenstrahlen durchdringen die dunklen Wolken. Zu der seichten und melodischen Bandhymne "Fading Bliss", welche mit ordentlich treibenden Doublebass-Triolen unterlegt ist, ist die Nacht schon wieder vorbei und der Morgen erwacht. Dies dürfte die Doom- und Goth-Fraktion nicht gerade erfreuen, fühlt sich die Anhängerschaft doch im unheilvollen Dunkel eher aufgehoben als im buten Hell des Tages.

So pendelt man während der restlichen Spielzeit ständig zwischen lockerem Goth Metal Marke LEAVE'S EYES oder den Finnen CRIMFALL sowie düsterer Melancholie à la MY DYING BRIDE hin und her. Pure Traurigkeit, wie sie bei der eisigen Klaviermelodie im Ausklang von "Chant De Ruines" zu hören ist, trifft auf flottere Headbanger wie "She Evil", welche auch zuweilen Eigenschaften ganz früher WITHIN TEMPTATION aufweisen (exklusive dem pompösen Orchester). Dies ist Fluch und Segen zugleich. So kann man dem gelieferten Material einerseits ein gesundes Maß an Abwechslungsreichtum zusprechen, auf der anderen Seite leidet die Ausgewogenheit des Albums. Für die Doomer zu happy, für die Female-Fronted-Fraktion zu düster. Auch auf songwriterischem Niveau bewegt man sich zwischen zwei Extremen. Thematische Gemeinsamkeiten, wie sie sich durch beide Parts des Epos "1462" ziehen, zeigen, welch geschicktes Gespür die Belgier beim Aufbau von Spannung beweisen. Beim abschließenden 16-Minüter "A Walk Through Despair" jedoch setzt man nach emotionalem Beginn auf einen zehnminütigen Spoken-Word-Part, bei dem sich alle zuvor aufgebaute Atmosphäre in Eintönigkeit verliert.

Fazit: Es ist nicht leicht, eine abschließende Beurteilung über das Debütwerk von FADING BLISS zu fällen. Am besten sind die Belgier, wenn sie mit leise klirrenden Geigen- und Klaviermelodien und tiefen, dissonanten Doom-Riffs eine kalte Atmosphäre schaffen. Diese Kälte wird jedoch zuhauf durch die seichten melodischen Elemente von Sängerin Mélanie durchbrochen, welche für sich alleine stehend gar nicht schlecht gemacht sind, das Gesamtbild jedoch eher verfälschen als bereichern. Fans der oben genannten Bands dürfen gerne mal reinhören und sich selbst ein Urteil bilden.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (21.06.2013)

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