The Devil's Blood - III: Tabula Rasa Or Death And The Seven Pillars

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VÖ: 07.06.2013
Bandinfo: The Devil's Blood
Genre: Rock
Label: Van Records
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Lineup  |  Trackliste

Eine der wohl am meisten polarisierenden Combos unserer Zeit hat im Jänner 2013 beschlossen wieder in das musikalische Nirwana zurückzukehren aus dem man sechs Jahre zuvor emporgestiegen ist. Voraus gegangen sind dem Split großartige Alben (und EPs und Singles), intensive Live-Shows, aber auch ein paar (man darf nur spekulieren – drogenbedingte?) Entgleisungen von THE DEVIL’S BLOOD-Mastermind Selim Lemouchi! Dass es überhaupt noch ein Post-TDB-Album gibt, darf man nicht alleine an Selim L. festmachen. Auch VAN-RECORDS-Chef Sven Dinninghoff, der bereit war die als reine Demo-Versionen vorliegenden Songs nach einem Rohmix des Meisters himself, sowie einer Endverarbeitung durch Pieter G. Kloos zu veröffentlichen gebührt Respekt. Soundtechnisch darf man sich natürlich keine Wunderdinge erwarten, auch weil lediglich zwei Tracks mit humanem Schlagzeug versehen wurde, der Rest ist programmiert. Die Gitarren haben sound-technisch überhaupt nicht gelitten, lediglich beim Gesang (in den Selim diesmal mehr denn je eingebunden war!) erkennt man schlussendlich doch immenses Verbesserungspotential…

… sicher wäre es spannend gewesen die vorliegenden sieben Songs komplett arrangiert und produziert zu hören, aber hier ist nicht der Platz für derartige Spekulationen, darum tauchen wir ein in den doch leicht sperrigen Albumtitel „- III: Tabula Rasa Or Death And The Seven Pillars“:

Der Beginn verlangt dann gleich einmal alles ab was man sich Psycho-Rock-technisch nur so vorstellen kann: „I Was Promised A Hunt“ ist ein 22-Minuten dauerndes, in drei Teilen, sowie einen Prolog unterteiltes Mammut-Epos geworden, welches noch dazu in verkehrter Reihenfolge kredenzt wird. Das überraschende gleich zu Beginn: Selim Lemouchi hat deutlich mehr Vocal-Anteile und beschränkt sich nicht mehr ausschließlich auf Backing-Vocals; gerade im zweiten Teil („Wielding The Hammer Of The Dead“) schreit er sich mit tiefer Stimme richtig die Seele aus dem Leib. Sonst wird hier stimmungs-technisch nahezu alles aufgefahren was die Sparte Rock an sich so hergibt: Getragene, tieftraurige Momente ebenso wie ausufernde Instrumental-Exkursionen und gegen Ende des zweiten Teiles erreicht dieser musikalische Overkill gar Gänsehaut-Charakter.

Dann folgen drei eher kurze und knackige Songs, die alle eines gemeinsam haben: Sie sind deutlich flotter und auch leichter zugänglich als der „schwere“ Beginn und in allen Tracks glänzt Farida Lemouchi mit ihrer nach wie vor außergewöhnlichen Stimme. Gerade das beschwingte „...if Not A Vessel?“ gefällt mit Catchiness und offenbart schlussendlich gar leichten Hit-Appeal. Die restlichen 30 Minuten sind zwei Instrumental-Stücken und dem bereits vorab veröffentlichten „White Storm Of Teeth“ vorbehalten. Bei letzterem darf Selim L. wieder seine Sangeskünste unter Beweis stellen und obendrein ist WSOT das uneingeschränkte emotionale Highlight auf diesem Album. Tief unter die Haut gehende Grundstimmung, in Musik gegossene Hypnose wenn man so will, die durch das getragene Tempo und die beschwörende Stimme von Farida noch zusätzlich unterstrichen wird.

Das war es dann also mit THE DEVIL’S BLOOD – ich muss nicht extra erwähnen, dass der Verfasser dieser Zeilen seit jeher ein sehr enges, ja möglicherweise sogar emotionales Verhältnis zu TDB hatte. Unvergessen sind stundenlanger Hörgenuss, packende Live-Shows und auch persönliche Momente, welche ich mit Selim Lemouchi verbringen durfte. „III: Tabula Rasa Or Death And The Seven Pillars“ ist trotz seines Demo-Charakters ein würdiger Abgesang, der erneute Beweis welches kompositorische Genie in diesem Holländer steckt. Dass Selim dem Musik-Business verbunden bleibt hat er ja mit der ebenfalls außergewöhnlichen Veröffentlichung der 3-Track EP „Mens Animus Corpus“ seines SELIM LEMOUCHI AND HIS ENEMIES-Projektes bewiesen. Für THE DEVIL’S BLOOD gilt aber hier und jetzt: Es war sehr schön, es hat mich sehr gefreut…

Noch eines: Diese 65 Minuten an Musik-Genuss sind ausschließlich für Intensiv-Hörer geeignet, Fast-Food-Musikkonsumenten mögen bitte woanders fündig werden.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Reini (24.06.2013)

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