RAMMING SPEED - Doomed To Destroy, Destined To Die

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VÖ: 05.07.2013
Bandinfo: RAMMING SPEED
Genre: Grind Core
Label: Prosthetic Records
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Lineup  |  Trackliste

Als in den achtziger Jahren die Thrash-Klassiker "Reign In Blood" von SLAYER und "Master Of Puppets" von METALLICA das Licht der Welt erblickten, war dem Verfasser dieser Zeilen der Terminus "Metal" aus alterstechnischen Gründen noch kein Begriff. Wie es damals also sein musste, als man zum ersten Mal der ungestümen Aggression, dem ausgeklügelten Songwriting und den subtil eingesetzten Melodien dieser epochalen Meisterwerke ausgesetzt war, hätte meine Wenigkeit nur zu gerne selbst erfahren. In der heutigen Zeit, in der scheinbar alle Extreme ausgelotet sind, passiert es selten, dass ein Album eine ähnlich überfahrende und flashende Wirkung erzielt. Vielleicht hätte ich mich gefühlt wie nach dem ersten Hören von "Doomed To Destroy, Destined To Kill" von RAMMING SPEED.

Denn was in der knappen halben Stunde dieser Ballerscheibe passiert lässt den ungläubigen Metalfan erstmal mit meterhoch geöffneter Klappe zurück. Mit welcher Perfektion die fünf aus Boston stammenden Amis das Beste aus Thrash Metal, Death Metal, Grindcore, Hardcore und Heavy Metal zu einem ungemein stimmigen Ganzen kombinieren kann man kaum in Worte fassen. Dennoch soll es an dieser Stelle versucht werden:

Nach kurzem melodischen Intro rast man mit einem Thrash-Riff in das Titelstück hinein, auf das sämtliche Großmeister der Szene kollektiv neidisch sein können, bevor man mit halsbrecherischen Leads auf einen hardcorelastigen Quasi-Refrain zudonnert, um nach einem kurzen Frickelsolo in einem blastigen Death Metal Finale zu landen. Quasi-Refrain, da dieser Part deutlich als Zentrum des Songs arrangiert ist und genug Widerhaken besitzt, jedoch nicht wiederholt wird. Dies ist auch bei allen weiteren Stücken der Fall, weshalb ab hier der Lesbarkeit halber einfach "Refrain" verwendet wird. Sind die verschiedenen Stilistika im Opener noch alle miteinander vermischt, so wird im Fortlauf der Scheibe häufiger ein Fokus auf eine Spielart gerichtet, ohne den Rest allerdings gänzlich zu vernachlässigen. So sind "Anticipating Failure" und die grandiose Hymne "Anthems Of Despair" (mit einem Refrain, der einem bei aller Härte ne riesen Entenpelle verpasst) eher dem Hardcore zuzuordnen, während beispielsweise "Gorgon's Eye" für den Thrasher und Todesbleifanatiker ein Hochgefühl darstellt. Auch frühe NAPALM DEATH Reminiszenzen aufweisende Grindperlen wie "Ashes" fehlen nicht. Dabei klingt alles homogen, aus einem Guss, nichts klingt irgendwie falsch am Platz. Spätestens wenn im glorreichen Finale die mit akkustischen Gitarren eingeleitete und hochmelodische...nennen wir sie mal Ballade "Hollow Giants" erklingt und im Rauschmeißer "Dead Flags" waschechte (nur deutlich beschleunigte) MAIDEN-Gitarren thronen, weiß man, das man grade eben eines der besten Alben dieses Jahres gehört hat. Das alles wird als Bonus von Producer Kurt Ballou (u.a. CONVERGE, KVELERTAK) mit einem wahrhaft natürlichen und doch dynamisch-druckvollen Sound veredelt.

Der einzige Kritikpunkt, der das Zücken der Höchstnote verhindert, ist, dass den süchtig machenden Riffs und Melodien gerne noch die eine oder andere Wiederholung hätte verpasst werden können. Die Spielzeit des Albums ist mit einer knappen halben Stunde dann doch eher knapp bemessen. Gerade ein Refrain wie die "Anthem Of Despair" hat nämlich vor allem live einen Mitbrüllfaktor, den man nicht nur gefühlte zehn Sekunden erleben möchte.

Fazit: Extremmetaller dieser Welt, hört euch diese Scheibe an. Selten hört man heutzutage so eine arschtretende Dampfwalze, die mit solcher Spielfreude und gewitzem Songwriting wirklich JEDEM etwas bietet. Wenn dann noch die hypnotisierenden Melodien erklingen ist klar, dass es dieses Jahr im extremen Sektor eigentlich kaum noch eine bessere Platte geben kann. Punkt aus.



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (03.07.2013)

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