SALTATIO MORTIS - Wachstum über alles

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VÖ: 12.07.2013
Bandinfo: SALTATIO MORTIS
Genre: Mittelalter Rock
Label: Napalm Records
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Lineup  |  Trackliste

Im Zeitalter von Spotify, Youtube und Co. verliert die physische EP, die im Vorfeld eines Albumreleases die Werbetrommel rühren soll, eigentlich immer mehr an Bedeutung. Wieso sieben Euronen für ein Scheibchen ausgeben, welches bis auf ein, zwei Albumhäppchen nur verschlimmbesserte Remixes oder qualitätsarme B-Seiten enthält, wenn man die gepushte Single dank Smartphone immer und überall hören kann?

Die Mittelalter-Metaller SALTATIO MORTIS haben sich offensichtlich auch mit dieser Frage beschäftigt und kommen mit einem recht interessanten Lösungsansatz um die Ecke. Den ursprünglichen Gedanken der Remixes (das Neuarrangieren eines vorgegebenen Songs) führen die Barden um Frontmann "Alea den Bescheidenen" weiter und lassen den Song "Wachstum über alles" von diversen Künstlern gleich mehrfach komplett neu interpretieren. Und dank des Freiraumes, den man den beauftragten Artisten bei ihrer eigenen Ausarbeitung lässt, fühlt man sich beim Hören eher an einen kurzen Sampler mit fünf komplett verschiedenen, eigenständigen Songs denn an eine EP mit lediglich verschiedenen Versionen von ein und demselben erinnert. So weit die klassische, englischsprachige Version von OMINA von der riffbetonten Attacke von SUBWAY TO SALLY entfernt liegt, kann eigentlich gar keine Langeweile aufkommen. Wenn sich die Folk-Comedians von DAS NIVEAU dann noch an einer total bescheuerten Drogenvariante versuchen und auch die instrumentale Eigeninterpretation auf dem Piano genug Raum zum Entfalten lässt, so liefert man dem musikalisch aufgeschlossenen Käufer einen richtig gehaltvollen Batzen fürs kleine Geld.

Das alles funktioniert natürlich nur dann, wenn der gepushte Song auch was taugt. Da kann aber schnell Entwarnung gegeben werden. "Wachstum über alles" gehört mit seiner kapitalismuskritischen Abart der Deutschen Nationalhymne zum frechesten und spannendsten, was bis jetzt unter dem Banner SALTATIO MORTIS veröffentlicht wurde. Das liegt nicht nur am gewagten Text oder der offensichtlich gewaltig zündenden Hook, sondern ebenfalls am musikalischen Grundgerüst, welches mehr in Richtung Metal schielt, als es im Hause SALTATIO je der Fall war. Sollte der Rest des kommenden Albums "Das schwarze Einmaleins" ähnlich druckvoll, gewitzt und ausgefallen werden, dann steht uns ein richtiges Meisterwerk im Mittelalter-Metal bevor. Man darf gespannt sein. Ach ja, der Non-Album-Track "Lebensweg" hat es auch noch drauf geschafft, fällt gegen den Hauptsong aber so gar nicht ins Gewicht.



Ohne Bewertung
Autor: Christian Wilsberg (08.07.2013)

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