AXXION - Wild Racer

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VÖ: 19.07.2013
Bandinfo: AXXION
Genre: Heavy Metal
Label: High Roller Records
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Lineup  |  Trackliste

Wer die Musikszene in Toronto, Kanada mal persönlich kennengelernt hat, der weiß, welcher Zusammenhalt grade in der Metalszene herrscht. In der Anonymität einer Stadt dieser Größenordnung teilt man sich kleine Locations, unterstützt sich untereinander und geht vor allem einen Fankontakt ein, der nirgendwo auf der Welt eine ähnliche Intensität erreicht. Man fühlt sich selbst als Tourist wie ein willkommener Gast in einer großen Familie. Da ist es immer schön zu Hören, wenn eine der Bands einen Majordeal ergattert und international bekannt wird, wie es beispielsweise THE BIRTHDAY MASSACRE geschafft haben. Als Kenner der Szene ist es mir daher ein inneres Blumengießen, das Debüt von AXXION (ausgesprochen: Action) rezensieren zu dürfen. Dies soll der Objektivität allerdings keinen Abbruch tun.

Die drei Jungs plus Drummerin Alison Thunderland zelebrieren auf "Wild Racer" ausführlich die NWoBHM, Parallelen zu IRON MAIDEN und JUDAS PRIEST sind daher so selbstverständlich und akzeptabel wie Hitze beim Kochen. So erinnert der Ohrwurm "Nightstalker" schon mal gleich vom instrumentalen Aufbau an den PRIEST-Evergreen "Breaking The Law", während das Intro von "Stallion" locker auf ein Album Namens "Killers" gepasst hätte. Die Ohrwurmdichte hält man mit ähnlich gelagerten, größtenteils im flotteren Midtempo gehaltenen Nummern wie "Sill Hungry" (TWISTED SISTER pun intended?), "Tonight" oder dem Stadionknaller "Hard Rocking" auf einem konstant hohen Niveau. Auch auf instrumentalem Level liefern das Gitarrenduo um Sir Shred und Dirty D Kerr grundsolide Genrekost aus MAIDEN-Harmonien und ausführlichen Soloeinlagen. Besagter Mr. Dirty zeichnet auch für den extrem hohen, auf Dauer enervierenden Gesang verantwortlich. Basser Chris Riley huldigt in erster Linie seinem offensichtlichen Vorbild Steve Harris, was auch durch die an MAIDEN erinnernde Produktion unterstrichen wird. Drummerin Thunderland kann mit dem instrumentalen Niveau ihrer Kollegen leider nicht ganz mithalten und rockt sich im Vergleich eher simpel durch die zehn Titel.
So weit, so gut, sollte man meinen. Leider nutzen sich die extrem geradlinigen Songs aber auch sehr schnell ab. Ein paar Ecken und Kanten im Songwriting, ein paar Breaks hier und da, eine dynamischere Wahl der Tempi oder einfach mal ein Ausbrechen aus dem typischen Strophe-Refrain-Strophe-Refrain-Solo-Schema hätte dem Songmaterial gut gestanden. Wenn die Hooks nämlich mal nicht zünden kommen Langweiler wie "High Bars" oder "Fireheart" dabei rum. Damit agiert man letztendlich deutlich unter der Klasse von Genrekollegen wie STEELWING oder ENFORCER, die das 80ger Revival mit mehr Ideenreichtum und Power in den Backen transportieren. Dass man es eigentlich drauf hat beweist das Albumhighlight "On The Edge": hier trifft Dynamik und Härte auf Eingängigkeit, wie es sein soll. Ganz klarer Anspieltip!

Fazit: Für ein Debut liefert "Wild Racer" passable NWoBHM-Kost und bietet dank ausreichender Ohrwurmdichte genügend Futter für die nächste Old-School-Party. Um im internationalen Vergleich standhaft bleiben zu können agiert man dennoch einfach noch zu brav. Hooks schön und gut, es funktioniert nur nicht ohne den entsprechenden, spannungsgeladenen Song drumherum. Ein schlechtes Album klingt aber definitiv anders.



Bewertung: 3.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (12.07.2013)

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