HIBRIA - Silent Revenge

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VÖ: 26.07.2013
Bandinfo: HIBRIA
Genre: Power Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Beim Stichwort "brasilianischer Powermetal" fällt den meisten wohl auf Anhieb der Name ANGRA ein, darauf darf gewettet werden. Mal sehen, wie lange das nach so bleibt. Denn während die Altmeister und Exportschlager dieses Sektors seit längerem eine Auszeit fahren, haben die Jungs von HIBRIA einen Deal mit AFM-Records unterzeichnet, um auf dem europäischen Markt groß durchzustarten. Und bei einer Scheibe wie "Silent Revenge" muss es schon mit größeren Mächten zugehen, wenn das schiefgehen sollte.

Eine stilistische Einordnung der Band als Einleitung macht keinen Sinn, da man mit Album Nummer vier eine Kurskorrektur und einem leichten Bruch mit dem bisherigen Werk begeht. Statt auf melodischen achtziger Metal à la frühe HELLOWEEN zu setzen überraschen beim Opener und Titelstück direkt moderne, tief gestimmte Gitarren, die in ein treibendes Thrash Riff übergehen. Aggresive Shouts leiten daraufhin in den ebenfalls recht harten Refrain, während lose Namen wie MYSTIC PROPHECY, ICED EARTH oder BRAINSTORM durch den Raum gleiten. An melodischen Powermetal im eigentlichen Sinne erinnern nur Iuri Sansons hohe Vocals, ansonsten setzt man vollends auf Härte. Stücke wie "Deadly Vengeance" oder "Silence Will Make You Suffer" führen dieses Klangbild fort: tiefe, groovige und thrashende Riffs, treibendes Drumming, kitschfreie Melodien. Das war so nicht zu erwarten, macht aber gewaltig Spaß! Mit "Lonely Fight", "The Scream Of An Angel" und "The Place That You Belong" gibts zwar schon noch Reminiszenzen an frühere melodische Tage, jedoch klingen die eher nach DUNGEON oder BLOODBOUND zu "Tabula Rasa"-Zeiten (welche nichts mit dem HAMMERFALLigen True Krams der restlichen Alben zu tun haben) als nach HELLOWEEN oder eben ANGRA. Und dann sind da noch die Gitarren: ob harsche Brachialriffs oder gefühlvolle, mehrstimmige Leads, überraschende und tighte Interludes zusammen mit Basser Benhur Lima, das dürfte den Instrumentalisten unter euch vor die ein oder andere Herausforderung stellen. Bei allem Anspruch verzettelt man sich glücklicherweise beim Songwriting nicht zu arg in progressiven Breaks, das wäre für die Energie der einzelnen Stücke auch tödlich. Die Songs sind einfach strukturiert, dafür anspruchsvoll arrangiert, bei neun regulären Stücken präsentiert man sich generell ziemlich kompakt. Ausnahme bleibt der Rausschmeißer "The Way It Is", bei dem auf fast neun Minuten Spielzeit ausreichend Zeit für einige Experimente bleibt. Hätte man hier noch einen packenderen Refrain als den Diesen draufgepackt, man hätte von einem Meisterwerk sprechen können.

Fazit: Ja, genau so schreibt man eine interessante Powermetal Platte. Eingängigkeit, Aggression, Melodien, Wut, Gefühl...alles findet sich in hier in einer wohldosierten und ausbalancierten, musikalisch hoch anspruchvollen Form wieder. Mit dem Majordeal im Rücken darf man nur hoffen, dass die Brasilianer es schaffen, hierzulande und weltweit ab jetzt richtig Vollgas zu geben. Verdient hätten sie es.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (26.07.2013)

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