Onslaught - VI

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VÖ: 20.09.2013
Bandinfo: ONSLAUGHT
Genre: Thrash Metal
Label: AFM Records
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Lineup  |  Trackliste

Bei vielen neuen Thrash Metal Alben hat man momentan das Gefühl, dass die Protagonisten trotz vieler 80ger Referenzen gerne auf das "Höher, Schneller, Weiter"-Prinzip setzen. Hier noch ein Break, da noch ein frickeliges Gitarrenlead mehr, der Sänger bellt noch zu verständlich und generell ist das viel zu langsam. Das alles trifft auf das plump "VI" betitelte neue Album von ONSLAUGHT überhaupt nicht zu. Sy Keeler und seine Mannen zelebrieren den Thrash in seiner ursprünglichsten Form und so nah am Punk, wie es nur Briten authentisch hinbekommen. Und dass das Gesamtpaket trotz massiver Déjà-Vu-Elemente zeitgemäß klingt, darin liegt die Kunst.

Auf "VI" regieren ebenfalls hauptsächlich zackig schnelle Uptempo-Granaten, jedoch agiert das Schlagzeugspiel von Neu-Drummer Michael Hourihan nicht durchweg im High-End-Geballer, sondern weiß durch geschickte Wechsel zwischen Blasts, flotten Doublebass-Passagen und groovebetonten Momenten stets an den richtigen Momenten anzutreiben und auch mal durchzuschnaufen. Das Gitarrenduo Nige Rockett und Andy Rosser-Davies verwendet in erster Linie typische ANNIHILATOR-Stakkato-Riffs und melodische KREATOR-Leads, alles auf handweklich spannendem, aber nicht überforderndem Niveau. Hier und da schimmert in gemäßigteren Momenten mal ein "...And Justice For All"-Riff durch, beispielsweise beim Quasi-Title-Track "66 Fucking 6", welches darüberhinaus mit einem wahnsinnig starken Hymnenrefrain aufwartet, bei dem live im Moshpit Krieg herrschen dürfte. Auf Refrains und Eingängigkeit wird generell massiv Wert gelegt, egal ob bei der KREATOR-Reminiszenz "Chaos Is King", beim ebenfalls KREATORigen "Slaughterize" oder...naja, sagen wir, wer grade die Melodiedichte und Eingängigkeit der letzten zwei KREATOR Scheiben geschätzt hat, der wird auch mit "VI" glücklich werden. Gesondertes Lob geht an Sänger Sy Keeler: Ob angepisstes Gekeife, Punkige Shouts, kräftige Growls und sporadisch eingesetzten Klargesang, der Mann kann alles par excellence. Positiv aus der Reihe tanzt das überaus melodische und atmosphärische "Children Of The Sand", welches dank etwas zurückgefahrenem Tempo und subtil eingesetzten Keyboards als harter Power Metal durchgehen würde, wären da nicht erneut die beschwörerischen Vocals von Sy Keeler. Lyrisch allerdings muss man allerlei Plattitüden über sich ergehen lassen. "The Enemy Of My Enemy Is My Friend", "Killing Is What I Aim For, Killing Is What I Live For" und die totgenudelte Allerweltsfloskel "United We Stand, Divided We Fall" sind nun wahrlich keine Glanztaten. Auch auf progressive Breaks und ähnliche Spirenzien verzichtet man und konzentriert sich lieber auf Durchschlagskraft, Energie und Dynamik, was aber fast schon wieder erfrischend einfach klingt. Dank Jacob Hansen an den Reglern klingt das ganze nie antiquiert, sondern knallt zeitgemäß druckvoll durch die PA.

Fazit: "VI" ist Popcorn-Thrash-Metal, keine Frage, aber absolut spaßig in Szene gesetzt, so dass man über häufig gehörte Klischees und das eine oder andere recycelte Riff gerne hinwegsieht. Bleibt abschließend nur der Wunsch, das Paket so schnell es geht auf der Bühne zu sehen, denn live zündet das neue Material vermutlich alles an!



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (24.09.2013)

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