BIG BIG TRAIN - English Electric (Part Two)

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VÖ: 04.03.2013
Bandinfo: BIG BIG TRAIN
Genre: Progressive Rock
Label: Giant Electric Pea
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Lineup  |  Trackliste

BIG BIG TRAIN aus Bournemouth waren immer so etwas wie die Stiefkinder gehobenen britischen Rocks. Während Bands wie MARILLION, IQ oder OCEANSIZE teils beachtliche Karrieren hinlegten, waren die sanften Brit-Proggies (bereits 1981 als Punk-Band gestartet!) immer irgendwo unter "ferner liefen" zu finden. Und das, obwohl Sänger David Longdon sogar um ein Haar für GENESIS gecastet worden wäre! 2013 bekommen die reifen Herren nun endlich auch den Applaus, der ihnen schon lange gebührt: mit Nick D'Virgilio hat man mittlerweile ja auch einen nicht ganz unbekannten Drummer fix an Bord, die Gründungsmitglieder Andy Poole und Greg Spawton haben für ihr insgesamt bereits achtes Langspielwerk somit eine ziemlich gut eingespielte Combo am Start.

"English Electric (Part Two)" ist - ähnlich dem ersten Teil - ein eher ruhiges Rock-Album ganz im Sinne alter Helden wie MARILLION oder GENESIS, mit mehrstimmigen Gesangsparts a la TRANSATLANTIC, Streichern, Flöten und diesem typisch britischen Folk-Touch. Das fast sechzehnminütige "East Coast Racer" bildet Beginn und gleichzeitig Mittelpunkt des Albums, um das herum sich sechs nicht minder interessante Songs gruppieren: das ruhig dahinplätschernde "Swan Hunter" erinnert an kommerzielleres GENESIS-Geplänkel der Collins-Ära. Auch "Worked Out" schlägt in diese Kerbe, nur etwas melancholischer: die thematische Linie beschäftigt sich wie sooft mit sozialen Facetten der britischen Working Class. "Leopards" beginnt mit Klassik im Soundtrack-Format und könnte insgesamt aus einer Hollywood-Schnulze stammen, so lieblich-süß und unbedarft wie die fast klebrigen Melodien sich hier aufdrängen.

Ein wenig aus dem (insgesamt doch recht einförmigen) Song-Stream heraus ragt das schunkelige "Keeper Of Abbeys", das mit versöhnlicher Melodie und proggigen Folk-Stakkatos begeistert - der Mittelteil mit Geigen/Sitar-Doppelsolo ist einfach nur wunderschön! "The Permanent Way" schaukelt wieder ruhiger dahin, spielt in acht Minuten gekonnt mit GENESIS-Vibes, und David Longdon klingt echt verblüffend nach Phil Collins! Das finale "Curator Of Butterflies" birgt dann auch keine großen Überraschungen mehr, ruhig und melancholisch geht die Scheibe zu Ende - wie der Flug eines Schmetterlings.

BIG BIG TRAIN brechen keine Rekorde, bieten nicht wirklich Überraschungen, sondern erfüllen die Erwartungen der (langjährigen) Fans mit großartigem Zusammenspiel einer hervorragenden Band. Würde man nicht so vehement auf die GENESIS-Karte setzen wäre es vielleicht besser, aber "English Electric Part Two" ist immerhin ein perfekter Soundtrack für den entspannten Feierabend bei einem guten Glaserl Wein, den ich Hauptsächlich AOR und Soft-Prog-Freunden und Kennern der Band ans Herz legen würde. Vielleicht ist die Scheibe ab und an etwas monoton und zu strikt am ausgetretenen Pfad, aber das ist hier nicht wirklich als Manko zu betrachten. Man darf auf das nächste Lebenszeichen gespannt sein, das für nächstes Jahr angekündigt wurde...



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (26.08.2013)

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