Mythery - The Awakening Of The Beast

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VÖ: 06.08.2013
Bandinfo: Mythery
Genre: Progressive Metal
Label: Target Records
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Lineup  |  Trackliste

Ui, großes wird da dem Rezensenten versprochen, wenn man sich im Promo Sheet mit absoluten Größen wie DREAM THEATER und NIGHTWISH vergleicht. Bei "The Awakening Of The Beast" von MYTHERY handelt es schließlich um ein Debut. Und wenn man sich direkt von Anfang an in einen Topf mit solchen Nummern schmeißt, dann präsentiert man dem Hörer entweder wahrlich ein Meisterwerk oder schneidet einfach ganz dick auf. In 90% der Fälle liegt letzteres vor, MYTHERY hingegen liefern hingegen tatsächlich einen Einstand ab, der es faustdick hinter den Ohren hat.

Dabei beginnt alles eigentlich recht harmlos. Das Eröffnungsdoppel aus "Another Universe" und "Epoch Of Destruction" präsentiert zwar bereits clevere und ausgeklügelte Breitwandmelodien abseits gängiger Melodic oder Symphonic Metal Klischees, jedoch ist man von orchestralen Megaarrangements à la NIGHTWISH meilenweit entfernt. Vielmehr wähnt man sich durch die prominente Platzierung der Violinistin Michala Hoj in leicht angeproggten Folk-Metal Gefilden Marke ELVENKING oder NORTHLAND. An DREAM THEATER erinntert bis hier hin wenn überhaupt Laurits Emanuels Gesang, der tatsächlich ein wenig bei James LaBrie abschaut. Mit "The Crusade" wird sogar noch ein astreiner, übereingängiger Hit nachgeschmissen. Bis hierhin zwar ein guter Einstieg, jedoch thematisch und musikalisch auf einem komplett anderem Terrain als angedeutet.

Mit einem fiesen Riff steigt man dann aber in "Godforsaken" ein, und tatsächlich werden dank Off-Beat und Melodieführung Nähen zu den New Yorker Großmeistern zu "Systematic Chaos" Zeiten erreicht. Dafür sorgt auch der komplett abspackende Mittelteil, welchem Dank der Violine zusätzlich ein ganz eigener Anstrich verpasst wird. Perfekt, wie hier musikalischer Anspruch mit wunderschönen Melodien zu einem wahrhaft originären Song kombiniert werden.

Und dann folgt mit "The Awakening Of The Beast" ein 30-minütiges Megaepos, welches den ungläubigen Hörer atemlos zurücklässt. Zur einfacheren Orientierung in fünf Einzelparts aufgeteilt, beginnt man in der "Overture" mit sanften Akustikgitarrenklängen, welche durch Querflöte und Piano abgelöst werden. Plötzlich setzt dann die Band ein, überlässt erneut der Geige die melodische Führung und erzeugt im weiteren Verlauf eine Breitwandstimmung, auf die RHAPSODY neidisch sein kann, ohne dabei aber überladen zu klingen. Der DREAM THEATER Vergleich ist hier nicht mehr nur reines Namedropping, nein, er MUSS als Referenz angeführt werden. "Octavarium" springt einem entgegen, sollte es überhaupt einen adäquaten Vergleich geben. Die etablierten Themen werden bei Teil zwei, "A Dark Epiphany" logisch fortgeführt. Ja, man hört die Versiertheit der studierten Musiker heraus, die zum Teil wie ihre Vorbilder ihre Wurzeln im Jazz haben. Teil drei schlägt dann in die aggressivere Kerbe, der man aber einen absolut süchtig machenden Refrain entgegensetzt. Wahnsinn!! Und als ob das noch nicht reicht, so toppen das große Finale aus Teil vier und fünf emotional nochmal alles davor dagewesene.

Fazit: Die Worte fehlen. Tatsächlich begeistert dieses Debut ähnlich wie es anno 1989 ein Album Namens "When Dream And Day Unite" getan hat. Wenn der Name "The Awakening Of The Beast" Programm sein sollte, dann kann sich die Metalwelt auf diesen neu erweckten Dämon mehr als nur freuen! Für die Ausgewogenheit aus Hits und komplexem Material, aus hunderten WTF?!?-Momenten und ergreifenden Melodien, für das ausgelöste Kopfkino, für die Emotionen, für den einzigartigen Gesamtsound...für all das kann man nichts anderes zücken als die Höchstnote! Gratulation!



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (28.08.2013)

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