UNSHINE - Dark Half Rising

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VÖ: 26.08.2013
Bandinfo: Unshine
Genre: Gothic Metal
Label: Massacre Records
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Lineup  |  Trackliste

Wir Metaller betonen ja immer, ein offenes und tolerantes Völkchen zu sein. Das muss man nicht zwingend auf Toleranz gegenüber genrefremder Musik beziehen, allerdings kann man schon behaupten, dass wir beim Hören auf viele Details achten, die dem Otto-Normal-Musikkonsumenten entgehen würden. So stehen für uns niemals alleine die Fronter im Mittelpunkt, die gesamte Band zählt, das Songwriting, die Struktur, die Produktion, die Atmosphäre etc.. Wieso eine Einleitung über für uns obligatorische Tatsachen? Nun, eben diese Fähigkeit wird beim Majordebüt von UNSHINE Namens "Dark Half Rising" zwingend benötigt.

Fangen wir auch gleich mal mit dem Hauptproblem an. Dieses nennt sich Susanna Vesilahti, ihres Zeichens Sängerin und Frontdame dieser finnischen Kapelle. Ihre Gesangsdarbietung wird nämlich zweifellos die Gemüter spalten. Für die Einen süß und einprägsam, für die Anderen erschreckend schwach auf der Lunge und piepsig, dazu mit einer katastrophalen englischen Aussprache. Wer mit LIV KRISTINE schon seine Schwierigkeiten hat, brauch in UNSHINE gar nicht erst reinhören. Im Intro "Nadja's Wailing About Coming Of The Frost" mag das zu den folkigen Akustikgitarren noch passen und Lagerfeuerromantik erzeugen. Spätestens aber beim Einsetzen von Drums, Bass, Gitarre und Synthesizer geht Susanna regelmäßig unter. Würde man sich also nur auf ihre Performance konzentrieren, das Album könnte man als Totalflop bezeichnen.

Aber es gibt ja noch die Band hintendran, und die liefert zuweil grundsolide bis durchwachsene Kost, jedoch mit Ausrutschern nach oben. Die erste Albumhälfte zündet auch nach mehreren Durchläufen kaum, da die fast ausschließlich im Midtempo gehaltenen und sehr straighten Songs wenig bis gar keine Ohrwurmqualitäten besitzen und so kaum zu unterscheiden sind. Es wird in erster Linie NIGHTWISH zitiert, hin und wieder blitzt mal ein Melodiebogen der Landsmänner SONATA ARCTICA durch ("The Oath To Wildersness Of Unredeemed Nature"), auch frühere XANDRIA hört man des Öfteren heraus ("Defender Of His Faith"). Dazu haben die Gitarren einen sehr knarzigen Klang. Erst ab "Idyl" vermag es die Truppe songwriterische Akzente zu setzen. Besagter Song überrascht im blassen Einheitsbrei der Vorgänger mit einer fast doomigen Schwermut, die positiv an düsterere Momente der inzwischen aufgelösten BATTLELORE erinnert, jedoch ob der druckvollen Orchestrierung genug eigenes Wiedererkennungspotential besitzt. Die Hook von "The Blood Of Ardennes" erzeugt eine ähnliche Dramatik wie NICK GLENNIE SMITH's Filmscore zu "Der Mann in der eisernen Maske", falls diese wem vertraut ist und darf als gelungen bezeichnet werden. Unbestrittenes Albumhighlight ist aber das 13-Minütige, auf finnisch vorgetragene Epos "Ikuinen Taistelu", bei dem sämtliche Register des Bandsounds von schwermütig bis beschwingt melodisch gezogen werden. Hier fällt auf, dass sich Sängerin Susanna in ihrer Muttersprache deutlich wohler fühlt und dementsprechend emotionaler und mutiger performt. Sehr guter Song. Wieso man einer 40-Sekündigen Soundkollage einen eigenen Track spendiert ("Bone Fires") muss nicht verstanden werden, aber das getragene, leicht traurige Finale "Ategenos" stimmt auf alle Fälle noch einmal versöhnlich.

Fazit: Der Genuss von "Dark Half Rising" hängt enorm davon ab, wie viel Gewicht man der Gesangsleistung von Frontdame Susanna Vesilahti beimisst. Daher ist die eingangs erwähnte Toleranz mehr als nur gefordert. Wer den Gesang toleriert oder zumindest ausblenden kann, bekommt eine Anfangs recht zähe, zum Ende hin deutlich interessantere Gothic Metal Platte serviert, die sicherlich den einen oder anderen Fan dazugewinnen kann. Um in der Flut der Veröffentlichungen aber nicht unterzugehen fehlt noch ein ganzes Stück Arbeit.



Bewertung: 2.0 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (29.08.2013)

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