In Solitude - Sister

Artikel-Bild
VÖ: 27.09.2013
Bandinfo: In Solitude
Genre: New Wave
Label: Metal Blade Records
Hören & Kaufen: Amazon | Ebay
Lineup  |  Trackliste  |  Credits

Was war das doch ein Gedöns in den letzten Jahren um die schwedische Puristen-Mannschaft IN SOLITUDE. Vor gut fünf Jahren mit dem selbstbetitelten, aber noch nicht vollends überzeugenden Debütalbum in die Szene gekracht, haben sich die Åhman-Brothers und Konsorten schnell gesteigert und mit „The World. The Flesh. The Devil“ ein wirklich schönes Zusammenspiel aus dem wieder hochpopulären Okkult-Rock und traditionellem 80s-Heavy-Metal erschaffen. Was läge also näher als die bisherige Erfolgsformel möglichst gut auszureizen? Genau. Nichts. Doch IN SOLITUDE wären nicht IN SOLITUDE, würden sie sich ständig wiederholen und so wird das Drittwerk „Sister“ den bisherigen Anhang doch ärger spalten als es anfangs wohl zu erwarten war.

Diese Andersartigkeit lässt sich bereits beim ruhig dahinplätschernden Intro „He Comes“ herausfiltern, auf dem Bandboss Niklas Lindström mit akustischen Gitarren arbeitet und somit die bandtypisch-furchterregende Atmosphäre heraufbeschwört. „Death Knows Where“ geht dann bereits eindeutig in die „neue“ Richtung der Band. IN SOLITUDE gehen wesentlich rockiger, puristischer, 70s-lastiger vor und fahren den Heavy Metal zugunsten einer horriblen Rock-Atmosphäre auf ein Minimum zurück. Weiter im Takt geht es mit dem gemächlich-ruhigen Doom-Rocker „Pallid Hands“, bei dem vor allem die eindringlich-näselnde Stimme von Sänger Pelle Åhman für Aufsehen sorgt. Das etwas flotter galoppierende, fast schon an ein Western-Movie erinnernde „A Buried Sun“ fasziniert und verwirrt den Hörer schlussendlich vollends – schon kurz vor Album-Halbzeit haben IN SOLITUDE Einflüsse von MERCYFUL FATE, SWANS, GHOST und HAWKWIND verbraten, ohne sich dabei aber dem qualitativen Abgrund zu nähern.

Es ist bezeichnend, dass die IN-SOLITUDE-Member von bisher „echtesten Album“ der eigenen Bandgeschichte reden, denn die Liebe zu Dark Wave/Gothic-angehauchten Combos wie ALIEN SEX FIEND, JOY DIVISION und eben die SWANS hört man deutlich heraus. Am klarsten vielleicht bei der astreinen Früh-80er-Jahre-Verbeugung „Lavender“ oder auch beim punkigen Titeltrack. Vom traditionellen 80s-Metal hingegen ist nicht mehr viel übrig. Besonders interessant schlängelt sich auch der epische 8-Minuten-Closer „Inmost Nigredo“ durch die Gehörgänge, zu dem auch WATAIN-Gitarrist Pelle Forsberg seinen Teil beigetragen hat. Verstörend, psychotisch und völlig stildurchmischt gibt es am Ende des Albums dann endgültig nur mehr die Frage: Ist „Sister“ jetzt das ultimative IN-SOLITUDE-Masterpiece, oder haben sich die Schweden damit ihr eigenes Grab geschaufelt? Die Meinungen werden sich unterscheiden. Bei kaum einem Album zuvor war es in diesem Jahr so nötig, sich selbst ein Bild zu machen.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (19.09.2013)

WERBUNG: Hard
ANZEIGE