VOLTURE - On The Edge

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VÖ: 13.09.2013
Bandinfo: Volture
Genre: Heavy Metal
Label: High Roller Records
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Lineup  |  Trackliste

Die Retrowelle reißt nicht ab. Nachdem Jungspunde wie Altherren aus dem Thrash Metal seit gut fünf Jahren kontinuierlich gutklassige, nach 80ern riechende Werke veröffentlichen, erstarkt nach und nach auch die NWoBHM wieder zu neuem Glanz. Bands wie STEELWING, ALPHA TIGER oder ENFORCER, jüngst auch die Kanadier AXXION zeigen, wie gut neu verfasster, authentischer und klassischer Heavy Metal auch heute noch klingen kann. In diese Nische setzen sich auch VOLTURE und liefern genau das, was man zu erwarten hat.

Beim Blick auf das Line-Up fällt zunächst der Name Ryan Waste (MUNICIPAL WASTE) auf, der zusammen mit Nick Poulos (u.a. CANNABIS CORPSE) die kreativen Fäden in der Hand hält. Mit Dave Boyd von TWISTED TOWER DIRE hat man einen weiteren bekannten Namen an der Gitarre verpflichten können, die zusammen mit den beiden relativen Newcomern Jack Bauer (Vocals) und Barry Cover (Drums) das Line-Up komplettieren. Der Fokus liegt trotz Waste und Poulus nicht auf der Extreme, sondern auf melodischem Heavy Metal der NWoBHM mit Einflüssen aus der frühen Euro-Power-Ecke. Das liegt zum einen an der Stimme Jack Bauers, der hier und da ein wenig nach Kai Hansen (ex-HELLOWEEN, GAMMA RAY) zu "Walls Of Jericho" Zeiten klingt, zum anderen an der hohen Melodiedichte. Praktisch kein Song kommt ohne eine einprägsamme Hook daher, die sich beim ersten Hören schon wohlig festfrisst. Dabei gehen die Amerikaner nie zu arg auf Nummer Sicher und peppen jeden Song mit genügend Breaks und Tempowechseln auf, damit die Spannung nicht flöten geht. Das Gitarrenduo Poulos und Boyd spielt sich nie zu sehr in den Vordergrund und agiet in erster Linie songdienlich.
Einen oder mehrere Songs genauer in Betracht ziehen muss man allerdings nicht, denn obige Beschreibung lässt sich auf wirklich jeden der an sich guten neun Titel anwenden. Wenn man ehrlich ist, reichen sogar die erwähnten Bandnamen, um den Sound von VOLTURE vollends zu beschreiben. Das ist Fluch und Segen zugleich: Die Klientel lässt sich recht einfach abstecken und kann mit gutem Gewissen ein gutes Album in ihre Sammlung aufnehmen, zum anderen gibt es absolut gar nichts, was man als typisch VOLTURE bezeichnen kann. Vom hohen Gesang über die MAIDEN-Gitarren über den prominent in Szene gesetzten Bass bis hin zum Songwriting und der genretypischen Produktion: das ist NWoBHM in seiner reinsten Form, aber ohne jegliche Form von Eigenständigkeit.

Fazit: Qualitativ über der letzten ALPHA TIGER und der ersten STEELWING, aber hinter ENFORCER reiht sich "On The Edge" nahtlos in die Retrowelle der letzten Jahre ein. Damit ist auch schon alles gesagt, denn das Album hätte ohne Probleme auch in die Diskografie jener Bands gepasst, ohne dass es großartig aufgefallen wäre. Schade, denn damit geht einem handwerklich grundsolidem Album der eigene Charakter flöten.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Christian Wilsberg (26.09.2013)

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