Rainbow - Black Masquerade

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VÖ: 23.08.2013
Bandinfo: RAINBOW
Genre: (nicht klassifizierbar)
Label: Eagle Rock Entertainment
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"Unverhofft kommt oft". Manchmal muß man so richtig tief in der Phrasenkiste wühlen und eine alte, staubige Lebensweisheit zutage fördern, damit so exakt beschrieben werden kann, was auf "Black Masquerade" wie die Faust aufs Auge zutrifft. Oder mal ernsthaft: hat wirklich irgendjemand noch damit gerechnet, daß es von den leider bereits viel zu lange im Koma liegenden RAINBOW noch etwas "Neues" zu sehen gibt? Okay, nicht ganz neu - immerhin dürfte das von der WDR für die "Rockpalast-Reihe" aufgezeichnete Konzert irgendwann schon mal im Fernsehen gelaufen sein. Doch das dürfte schon einige Jährchen zurückliegen und - abgesehen von einigen Bootleg-Sammlern - nur mehr einem Bruchteil der RAINBOW Fans in Erinnerung sein. So kommt ein musikalisches Kleinod zu späten Ehren.

Das Konzert wurde am 9. Oktober 1995 in der Düsseldorfer Philipshalle aufgenommen. RAINBOW befanden sich zu der Zeit auf der Welttour zu ihrem (bislang?) letzten Album "Stranger In Us All" und waren in bestechender Verfassung. Bis auf John O'Reilly, welcher verletzungsbedingt auf der Tour von Chuck Burgi (seines Zeichens Drummer am 1983er Album "Bent out of Shape") ersetzt wurde, rekrutierte Blackmore die gesamte Besetzung des damals aktuellen Albums. Eigentlich unnötig zu erwähnen, daß Blackmore, White, Morris und Smith daher bereits bestens aufeinander eingespielt waren. Die ganz entschieden schwierigste Aufgabe bekam dabei der damals noch weitgehend unbekannte Doogie White aufgebrummt. Die Herausforderung, Abend für Abend in die übergroßen Fußstapfen von Ronnie James Dio, Graham Bonnet, Joe Lynn Turner, Ian Gillan und David Coverdale zu steigen, dürfte so manchen Stimmbandakrobaten heillos überfordern. White nahm diese Herausforderung nicht nur an, er meisterte sie auch dermaßen perfekt, daß er sich scheinbar mühelos in die Riege dieser großen Namen einreihte indem er den Klassikern (und derer gibt es auf der CD/DVD trotz "Stranger In Us All"-Schwerpunkt zuhauf) seinen eigenen Stempel aufdrückte. Maestro Ritchie selbst präsentierte sich zumindest an jenem Abend erstaunlich gut gelaunt. Keine vernichtenden Blicke zum Kameramann, keine zerstörten Gitarren, brennende Verstärker oder demolierte Fernsehkameras - im Gegenteil: einen Einsatzfehler seines Sängers quittierte Blackmore gar gutgelaunt mit einem Grinser. Auch fallweise Unsauberkeiten im eigenen Gitarrenspiel konnten den guten Ritchie nicht aus dem Sonnyboy-Konzept bringen. Vielleicht lag es an der Anwesenheit seiner zukünftigen Angetrauten Candice Night, welche sich bereits als Co-Songwriterin ins "Stranger In Us All"-Booklet eintrug und bei "Ariel" sogar kurz die Bühne als Fee und Backgroundsängerin betreten (oder doch eher beschweben) durfte. Keine zwei Minuten dauerte ihr Auftritt - immerhin lang genug, um in den Credits neben Doogie White als "Vocals" angeführt zu werden.

"Black Masquerade" ist nicht nur optisch und klanglich eine überdurchschnittlich starke RAINBOW-Veröffentlichung. Speziell die ruhige Kameraführung, die mit einigen Close-Ups erlaubt, Blackmore genau auf die berühmten Finger zu schauen, ist ein Highlight für sich. Die Setlist macht die DVD (fast) zu einem "Best of Blackmore" und ist - in Ermangelung einer vermutlich niemals stattfindenden Reunion - die perfekte posthume Werkschau einer der wichtigsten Heavy Metal Bands, die es jemals gegeben hat.



Bewertung: 5.0 / 5.0
Autor: adl (24.09.2013)

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