GEHENNA - Unravel

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VÖ: 11.10.2013
Bandinfo: GEHENNA
Genre: Black Metal
Label: Indie Recordings
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Lineup  |  Trackliste

Irgendwann kommen sie wieder. Alle. Es ist nur eine Frage der Zeit. In einem ohnehin intensiven und veröffentlichungsträchtigen Jahr des Norwegian Black Metal gibt es neben mehr (ISVIND) oder weniger (THRONE OF KATARSIS) erwarteten neuen Silberlingen auch die Rückkehr einer echten Legende der zweiten Genrewelle zu bestaunen – die legendären Provokationskünstler von GEHENNA haben rechtzeitig zum 20-Jahre-Bandjubiläum Lust, ein siebentes Studioalbum zu präsentieren. Ja, ihr habt richtig gehört. Das offensive und nicht überall gut geheißene „WW“ ist bereits geschlagene acht Jahre alt und seither hat man von der Band rund um Bandboss Sanrabb (THRONE OF KATARSIS – ehemals BLOOD RED THRONE) nichts mehr gehört.

Hauptgrund für die ewig lange (Zwangs)pause war das sich ständige Besetzungskarussell. Mit Skinndød an der Gitarre (THRONE OF KATARSIS), Slátrarinn an den Drums (ex-THURS) und Byting am Viersaiter soll jetzt also erneut zum Angriff geblasen werden – die Vocals übernahm Sanrabb hier erstmals zur Gänze. „Unravel“ setzt im Prinzip die Rückkehr zu den bitterkalten Black-Metal-Roots fort, ist im Gegensatz zum wesentlich offensiveren „WW“ aber auch deutlich zurückhaltender und vor allem depressiver geraten. Für Highspeed-Eruptionen haben GEHENNA anno 2013 nicht mehr so viel übrig, viel eher kommt einem – bei der Besetzung auch kein Wunder – eine von THRONE OF KATARSIS hergeleitete Kante Melancholie in den Sinn, wenn man sich anfangs durch die durchwegs atmosphärischen, aber auch in sich ruhenden Tracks „The Decision“, „Unravel“ und „Nothing Deserves Worship“ kämpft.

So richtig in Fahrt will das Quartett aus Stavanger nicht kommen und irgendwie beschleicht einem schon beim allerersten Durchlauf das Gefühl, dass ein gehäuftes Treten des Gaspedals („Nine Circles Of Torture“, „Lead To The Pyre“) ob der verstärkenden Variabilität so falsch nicht gewesen wäre. Trotz allem wissen Sanrabb und Co. nach der langen Abwesenheit auch mit langsameren Sounds zu punkten. Das siebenminütige „Grave Of Thoughts“ ist gerade durch sein zähflüssige Doom-Ausrichtung das unbestrittene Highlight des Albums, auch das abschließende „Dead Enters“ kann – so man das einschläfernd lange Intro übersteht – mit peinvollen Vocals und stampfenden Saiteninstrumentierungen überzeugen. Besonders die Gitarrenspuren befördern das akustische Leid der Songs schnittig in eure Magengegend.

An echten, überragenden Highlights fehlt es beim Indie-Recordings-Debüt trotzdem – nach acht Jahren Pause kann da ruhig etwas mehr klingen. Gerade in Zeiten der steigenden Kreativität muss man hier leidvoll zugeben, dass mit dem altwurzeligen Norwegen-Sound auch nicht mehr viel zu holen ist, wenn nicht auf Abwechslung und mehr Spannungsmomente geachtet wird. Der Stammklientel wird „Unravel“ trotz der doomigen Querverweise wohlig durch die Ohren gleiten, Hit-Momente oder etwaige Auflockerungen aus dem eher depressiv-melancholischen Einheitsbrei sind Mangelware. Das Ganze geht noch besser und ich denke, Sanrabb ist sich dem durchaus bewusst. Die sauer verdienten Euronen würde ich in diesem Fall eher der Konkurrenz ins Körberl legen – GEHANNA sind wieder da, aber längst nicht so prunkvoll wie einst. Aber - zum Cover-Artwork gibt es auch nur eins zu sagen: Ehre, wem Ehre gebührt!



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (04.10.2013)

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