PARADISE LOST - Tragic Illusion 25 (The Rarities)

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VÖ: 18.10.2013
Bandinfo: PARADISE LOST
Genre: Dark Metal
Label: Century Media Records
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Lineup  |  Trackliste

Mannmannmann, ist das wirklich schon 25 Jahre her? Wenn man, wie ich, "Lost Paradise" damals noch auf Vinyl erworben hat, und "Gothic" eine der ersten selbstgekauften CDs war, schwelgt man hier wieder mal ein wenig in Erinnerungen. Erinnerungen an eine Zeit, wo man noch ohne Download und Networking klar kam und wo beim Metal einfach nur der Metal zählte, und sonst gar nüsch. Aber ich schweife ab. Mit "Tragic Illusion 25" kredenzen uns die Düsterkollegen aus dem britischen Halifax ein gar fettes Präsent, das gottlob nicht aus den üblichen Abfall-Songs besteht, die zurecht auf keiner regulären Platte mehr Platz gefunden haben.

Mit den Überbleibseln der Sessions zu "Faith Divides Us - Death Unites Us", "In Requiem" und "Tragic Idol" hätten PARADISE LOST spielend noch mal eine ganze, sehr feine LP vollbekommen. Die acht Tracks, die jeweils in die zweite Wahl gekommen sind, sind den Album-Tracks mindestens ebenbürtig. Im Fall von "Ending Through Changes" mit seinem grandiosen Refrain, dem für PL-Verhältnisse brettharten "The Last Fallen Saviour" und dem mit massig Oldschool-Vibes gespickten "Silent In Heart" würde ich sogar von drei Volltreffer-Songs sprechen, deren Veröffentlichung man uns nicht länger vorenthalten hätte dürfen. Gut, veröffentlicht wurden fast alle Nummern hier bereits irgendwann irgendwo mal. Da aber nicht jedem von uns das Jäger-und-Sammler-Gen zueigen ist, ist diese Scheiblette eine durchaus willkommene Raritäten-Anhäufung.

Nick Holmes brilliert durch die Bank einmal mehr - wie auch schon auf "Faith Divides Us - Death Unites Us" - mit einigen seiner besten Gesangsleistungen und spannt den Bogen von Death-Gegrowle ("Our Saviour") bis zum poppigen Schmalzgesäusel ("Never Take Me Alive"). Und ein Riff von Herrn Macintosh oder Herrn Aedy erkennt man mittlerweile auch ohne geschultes Metaller-Gehör. Die zwei Neubearbeitungen von "Gothic" und "Our Saviour" wurden bis auf den ziemlich druckvollen Sound nicht weiter verändert, was auch gut so ist, denn an den Songs an sich gibt es auch heute nichts zu rütteln - schön, dass die ganz alten Sachen auch 25 Jahre danach noch knackfrisch klingen können! Ziemlich beeindruckend finde ich persönlich die zwei Orchester-Versionen von "Faith Divides Us..." und "Last Regret", das schreit fast nach mehr, eignen sich die Songs scheinbar bestens, um klassisch um-arrangiert zu werden. Als Sahnehäubchen hat man dann nicht nur zwei geniale Coverversionen drauf gepackt (eine Gänsehaut-Umsetzung des Hits "Missing" von EVERYTHING BUT THE GIRL und "Never Take Me Alive" der Wave-Legende SPEAR OF DESTINY), sondern mit "Loneliness Remains" gleich auch noch einen nagelneuen Track .

Der geht eher in die "Shades Of God"/"Icon"-Richtung, und wenn PARADISE LOST am nächsten Album weiter so in der eigenen Vergangenheit wühlen, hat sicher keiner ein Problem damit. Solange uns eine neuerliche DEPECHE MODE-Phase erspart bleibt, die ich übrigens rückblickend als Midlife Crisis einer Band betrachte, die uns nicht nur den Terminus "Gothic Metal" beschert hat, sondern nebenbei auch noch ein Vierteljahrhundert wunderbare, zeitlose und unverwechselbare Musik. Also: auf die nächsten 25 Jahre!



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (16.10.2013)

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