Vengeance - Piece Of Cake

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VÖ: 25.10.2013
Bandinfo: Vengeance
Genre: Hard Rock
Label: SPV / Steamhammer
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Lineup  |  Trackliste

Die Holländer VENGEANCE sind definitiv keine Musiker, die Trends folgen. Auch wenn seit "Arabia" 24 Jahre vergangen sind, bleibt sich die Band bis heute treu. Diese Loyalität zu sich selbst ging ja sogar soweit, dass Timo Somers, der Sohn des leider viel zu früh verstorbenen Jan Somers, den Job an der Gitarre übernahm. Und tatsächlich ehrt dieser junge Herr das Erbe seines Vaters. Die Gitarrenarbeit ist die einzige Komponente bei "Piece Of Cake", die im 21. Jahrhundert zu verweilen scheint. Sonst ist man oft sehr traditionell ausgerichtet, was vielen Hörern altbacken erscheinen wird, den Fans der Band wiederum aufgrund der Konstanz des Dargebotenen gefallen wird. Ich sehe die Sache zwiegespalten: Veröffentlichungen wie "Piece Of Cake" halten zu 100% was sie versprechen und inkludieren ein gewisses Maß an Qualität, sind aber großteils so vorhersehbar, dass die großen Begeisterungsstürme ausbleiben.

Mir persönlich gefallen VENGEANCE immer dann am besten, wenn sie etwas rasanter zu Werke gehen. Leon Goewie ist ein Sänger mit einem sehr markanten Organ, das eher an raue Vertreter der australischen Zunft als an einen Sammy Hagar oder David Coverdale erinnert. Zweifellos beherrscht der Mann sein Handwerk, doch scheint seine Stimme besser zu den schnelleren Stücken zu passen, da die weichen Gesangslinien der ruhigeren Stücke mitunter etwas erzwungen klingen. Wenn er weder in den Schmalztopf greift, noch sich zu sehr in sphärische Höhen emporschwingt, verfügt Mr. Goewie aber über eine gute Stimme. Beim überraschend metallisch angehauchten "Raintime" und bei "Headquake" funktioniert eben jene gut, aber nicht auf allen Stücken ist der Sänger so überzeugend. Das Songwriting ist so originell wie es die Band zulässt. Meist verlässt man sich eher auf die eigenen Stärken, anstatt zu experimentieren. Eine wohltuende Ausnahme ist der Rausschmeisser „Goodbye Mother Sky“, der trotz der ungewohnt epischen Ausrichtung interessant bleibt und geschickt arrangiert wurde. “Mirrors“ ist ebenfalls ein absoluter Anspieltipp, da Leon auf diesem Song seine prinzipiell vorhandene Vielseitigkeit unter Beweis stellt und der Song geschickt arrangiert wurde. Doch es gibt eben leider nicht nur Highlights: So ist mir z.B. “Sandman“ zu aufgesetzt und “Back To Square One“ übertreibt es mit den Blues-Referenzen, bleibt zu brav und bieder, auch wenn die Leistung der Gitarristen (nicht nur) auf diesem Track beachtlich ist.

Ein Rezensent steht immer vor der schwierigen Aufgabe, eine Bewertung abzugeben, die in manchen Fällen alles andere als leicht ist. Die Punktezahl versteht sich als persönliches Urteil, denn mir ist dieses Album in manchen Aspekten etwas zu durchschnittlich. Manchmal setzt man so sehr auf die Sicherheitsvariante, dass der Hörgenuss darunter leidet. Man hat das Gefühl, dass die Band alle möglichen Facetten ihres bisherigen Schaffens inkludieren möchte, sich dabei aber oft schamlos selbst kopiert. Doch diese Kritik soll auch nicht als Verriss zu verstehen sein. Ganz im Gegenteil, denn die Fans der Band werden diese Veröffentlichung abermals als zumindest zufriedenstellend erachten, da die Trademarks der Band allesamt zu hören sind. Handwerklich ist das gut gemacht, es fehlt mir allerdings das gewisse Etwas um aus der Masse der Veröffentlichungen herauszustechen. Fans der Band addieren einen halben Punkt, Freunde von modernerem Rock und Metal werden hiermit aber wohl keine Freude haben.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: El Greco (22.10.2013)

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