Necrophobic - Womb Of Lilithu

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VÖ: 25.10.2013
Bandinfo: NECROPHOBIC
Genre: Black / Death Metal
Label: Season of Mist
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Lineup  |  Trackliste

Schlechte Nachrichten sind meist die beste Promotion. Natürlich ist die Kombination geschmacklos, aber hätte NECROPHOBIC-Langzeitsänger Tobias Sidegård nicht unlängst sechs Monate Haft (nach dem Ersturteil waren es sogar 18 Monate) nach beschuldigtem Gewaltmissbrauch an Frau und Familie (so der Letztstand per 20. Oktober 2013) ausgefasst, würde man wohl auch von der neuen Langrille „Womb Of Lilithu“ nicht so viel mitbekommen. Auf dem hier vorliegenden, mittlerweile siebenten Studioalbum der einzig legitimen DISSECTION-Nachfolger aus Stockholm ist Sidegård zwar noch zu hören, doch erst vor wenigen Tagen haben die drei verbliebenen Bandmember den endgültigen Rauswurf des langjährigen Frontmanns verkündet.

Schluss mit den nervigen Bad News – ab zur Musik. „Womb Of Lilithu“ hat schon rein vom Vorwissen her gesehen keinen leichten Stand. „Hrimthursum“ war 2006 das absolute Opus Magnum NECROPHOBICs und braucht sich auch vor den DISSECTION-Kultalben nicht verstecken, auf „Death To All“ (2009) haben sich die Jungs gottseidank nicht selbst kopiert, sondern einen wirklich würdigen Nachfolger eingezimmert. Die vier langen Jahre Wartezeit bis zur heiß ersehnten Veröffentlichung von „Womb Of Lilithu“ lassen also bereits darauf hindeuten, dass es Joakim Sterner und Co. mittlerweile schwer fällt, die eigenen hohen Ansprüche zu handeln. So ist der neue Soundkoloss ein ungewohnter heftiger Brocken mit fintenreichen Wendungen, rekordverdächtigen 68 Minuten Spielzeit und einer akribischen Detailverliebtheit im Sound, die ihresgleichen sucht.

Zudem haben die Burschen den Terminus „Abwechslung“ groß geschrieben. Nach dem obligatorischen Intro holzen NECROPHOBIC mit „Splendour Nigri Solis“ gleich in die Vollen und galoppieren mit unwiderstehlichen Black/Death-Riffs durch die kühle Waldlandschaft. Mit Fortdauer des Albums stellen die Schweden aber immer stärker ihre Vielseitigkeit zur Schau und überraschen damit ein ums andere Mal. Da reiht sich ein Black’n’Roll-Stampfer („Furfur“) an kühle Nord-Melodik („Astaroth“), rollt die Mid-Tempo-Walze („The Necromancer“) mit AMON AMARTH-Gedenkatmosphäre („Marquis Phenex“) und ergießen sich sperrig-progressive Gitarrenelegien („Marchosias“) über old-schoolige Blastbeat-Gewitter-Ausritte („Paimon“).

Dazu gibt es für den gewohnten NECROPHOBIC-Maniac auch noch erschreckend Überraschendes (die quälenden Clean-Vocals in „Opium Black“), bandtypisch Traumtanzendes (das herrliche, sich in wilde Sphären steigernde Piano-Outro „Amdusias“) und stilvoll Durchgezogenes (nahezu jeder Song mit einem markanten Mini-Intro) zu bestaunen. Woran es dem guten Teil aber doch fehlt ist erstens eine nicht vollzogene Maßregelung der exorbitanten Spielzeit (sorry Jungs, aber eine Viertelstunde weniger hätte die Qualität auch nicht zerstört) und die Einschränkung, in ein passend zusammengefügtes Soundfragment.

NECROPHOBIC stolpern nämlich genau über den einzigen Baustein den es noch gibt, wenn man an gefährlichen Hindernissen wie Langeweile, Selbstwiederholung oder Sicherheitsdenken vorbeigekurvt ist – den zu-viel-Wollens. Wo die beiden direkten Vorgänger sich mit einem kongruenten Soundkonzept zu wahren Kultalben mausern konnten, wird man hier von Eindrücken, Abwechslungen und bemühten Strukturwechseln förmlich erschlagen. Rein qualitativ kann man den Vorzweigen Schwarztötern natürlich gar nichts vormachen und „Womb Of Lilithu“ ist auch ein Mörderbrett von einem Album – wer aber die Trauben in seiner Karriere schon so hoch gehängt hat, muss auch mal mit Rückschlagen leben können. Der hier ist zwar nur leicht und minimal, aber trotzdem hörbar vorhanden. Der Genrekonkurrenz stecken die Jungs natürlich trotzdem den Auspuff ins Gesicht.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Robert Fröwein (22.10.2013)

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