THE FLOWER KINGS - Desolation Rose

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VÖ: 25.10.2013
Bandinfo: THE FLOWER KINGS
Genre: Progressive Rock
Label: Inside Out Music
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Lineup  |  Trackliste

Die meisten haben die FLOWER KINGS erst entdeckt, nachdem Bandchef Roine Stolt mit TANSATLANTIC zu musikalischen Ehren gekommen war, und dadurch stand die schwedische Combo auch immer ein Stückchen im Schatten jener "Supergroup". Insider wissen, dass man den Blumenkönigen damit aber auch den Weg zu einem breiteren Publikum geebnet hat, wenn gleich sie immer noch sowas wie ein Underdog-Dasein führen. Das klingt komplex, paradox, und vielleicht ist es das auch. "Desolation Rose" ist das zwölfte Album der Band, und wenn man bedenkt dass die FLOWER KINGS effektiv vierzehn Jahre musikalisch aktiv sind (die fünfjährige Pause von 2007 bis 2012 mit eingerechnet), dann ist das eine ganz schöne Menge Musik.

Stilistisch haben sich die Fünf, von denen außer Stolt noch Hasse Fröberg und Tomas Bodin aus den Anfangstagen übrig sind, über die Jahre zwar kontinuierlich gesteigert, aber nicht wirklich viel verändert. Einzig der Hintergrund, die Lyrics und Konzepte sind mit fortgeschrittenem Alter etwas ernster und düsterer geworden. Das setzt sich auch auf diesem Album weiter fort, das sich konzeptionell mit dem Wahnsinn der Neuzeit auseinandersetzt, erzählt durch einen Engel als externen Beobachter. Herzstück ist das eröffnende, knapp 14-minütige "Tower ONE", das eigentlich alles vorwegnimmt, was noch folgt, und gleichzeitig als eine Art "Was bisher geschah..." betrachtet werden kann. Für jemanden, der die FLOWER KINGS bislang nicht kannte eigentlich der perfekte Einstieg in deren Welt.

Diese Welt ist so vielschichtig, dass "Desolation Rose" wieder mal so ein Album ist, das man mit einem Durchlauf weder erfassen kann noch soll, aber diese Erfahrung haben Kenner auch schon mit dem "Stardust We Are"-Doppelalbum (1997) gemacht. Zwar sind die Songs eigentlich sehr zugänglich, erinnern mal an die BEATLES ("Silent Masses"), an ältere GENESIS ("The Resurrected Judas", "Sleeping Bones") oder ein bisschen an JETHRO TULL ("Dark Fascist Skies"), der symphonische Unterbau und die vielen Verästelungen abseits des gängigen Strophe-Refrain-Schemata stellen aber wie immer eine immense Herausforderung dar. Das macht das Album erst so richtig interessant, obwohl Roine Stolt hier weder das Rad neu erfindet und auch immer ein wenig bei sich selbst respektive TRANSATLANTIC klaut.

Herausstechen können die Vietnam-Abhandlung "White Tuxedos" und "Dark Fascist Skies", wo man sich im Studio fast ein wenig TRANS-SIBERIAN ORCHESTRA zum eingrooven angetan haben könnte. Hier betreten die FLOWER KINGS fast schon Neuland und beweisen, dass sie trotz Eigenständigkeit noch immer ausbaufähig sind. Das herausragende "Blood Of Eden" zitiert dann noch YES zu "Relayer"-Zeiten und beendet gemeinsam mit dem etwas zurückgenommenen "Silent Graveyards" dieses großartige Album - wahrscheinlich das rundeste und reifste der Bandgeschichte. Für Freunde der Band sollte dieses Teil demnach eine kleine Offenbarung sein, für Newbies ist es wahrscheinlich ein guter Zutrittspunkt zum umfangreichen Backkatalog der Blumenkinder. Die Bonus-Disc kann übrigens mit satten acht weiteren Tracks aufwarten, leider liegt sie mir aber nicht vor.



Bewertung: 4.0 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (11.11.2013)

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