ARTILLERY - Legions

Artikel-Bild
VÖ: 22.11.2013
Bandinfo: ARTILLERY
Genre: Thrash Metal
Label: Metal Blade Records
Hören & Kaufen: Amazon
Lineup  |  Trackliste

Neues Album, neuer Drummer, neuer Sänger. Mit „Legions“ legen ARTILLERY ihr siebtes Studioalbum vor. Der geneigte Fan weiß, dass die Euro-Thrash-Legende mit dem Zweitling „Terror Squad“ und vor allem dem folgenden „By Inheritance“ brilliante Werke kontinentaleuropäischen Thrash Metals ablieferte. Nach der Auflösung folgte 1999 (mit „B.A.C.K.“) ein Comebackversuch, doch erst mit dem starken „When Death Comes“ (2007) tauchten die Dänen wieder in voller Pracht auf dem Thrash-Radar auf. Von der ehemaligen Besetzung sind heute allerdings nur mehr die beiden Stützer-Brüder übrig, an den anderen Positionen haben sich Wechsel ergeben.

Auf einem der Infusionsbeutel stand der Name Michael Bastholm Dahl geschrieben, der Jungspund konnte seine facettenreichen Sangeskünste bereits im gleißenden Sonnenlicht des heurigen Bang Your Head-Festivals vorstellen, von seiner Agilität auf der Bühne haben ARTILLERY ebenfalls profitiert. Ich war nicht zuletzt aufgrund dieser Vorstellung, die schon einiges andeutete, sehr gespannt auf die Studioumsetzung. Und tatsächlich, die Thrasher gehen auf „Legions“ auch vermehrt in Richtung Power Metal. Hauptgrund dafür ist das Organ des Neo-Shouters, doch auch soundtechnisch schnuppert man vermehrt in diese Richtung („Doctor Evil“, etc.) und schraubt den Gitarrengewitter-Sound ein wenig zurück.

Wo beim Knaller-Opener „Chill My Bones (Burn My Flesh)“, dem das lässige „God Feather“ folgt, noch das kernig-flotte Riff regiert, wird es in der Folge trotz crunchiger Gitarrenarbeit verhaltener. Der Fünfer erweitert den brettharten, ureigenen Thrash-Sound um eine gewichtige Portion Kraftmetall und schraubt ein wenig die Dynamik zu Gunsten der Atmosphäre zurück. Titel wie „Legions Of Artillery“ und das mit einem vergleichsweise happy Refrain ausgestattete „Wardrum Heartbeat“ (geht teils in Richtung HAMMERFALL & Co.) sind recht melodisch ausgefallen. Noch deutlicher wird das Ganze bei den ruhigeren „Global Flatline“ und „Enslaved To The Neither“, wohingegen „Anno Requiem“ oder der gute Closer „Ethos Of Wrath“ wieder flotter und thrashiger sind.

Wo andere Bands sich wirklich von ewiggleichen Routinen befreien sollten, beschreiten ARTILLERY neue Wege und fügen ihrem Sound neue Facetten hinzu, was wohl nicht jedem schmecken wird, insgesamt aber stimmig und kompakt klingt. „Legions“ ist viel stärker als etwa der Vorgänger „My Blood“ ausgefallen, der Mut zur stilistischen Öffnung sollte belohnt werden, wenngleich nicht jeder der neuen Songs zwingend geraten ist. Dennoch fällt die Umgewöhnung bei aller gezeigten Klasse nicht leicht, man trauert trotz der sehr guten und abwechslungsreichen gesanglichen Leistung der Ur-Sirene Flemming Rønsdorf und den fetzigen Thrash-Brettern vergangener Tage (von "Terror Squad" bis "10.000 Devils") nach.



Bewertung: 3.5 / 5.0
Autor: Thomas Patsch (21.11.2013)

WERBUNG: Uzziel
ANZEIGE
WERBUNG: Escape
ANZEIGE