HELL - Curse And Chapter

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VÖ: 22.11.2013
Bandinfo: HELL
Genre: Metal
Label: Nuclear Blast GmbH
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Lineup  |  Trackliste

Kapitel zwei der wiederauferstandenen NWoBHM-Legende HELL, und Andy Sneap sei es tausendfach gedankt, dass diese begnadete Band unter seiner Ägide weiter existieren darf und kann. Insgesamt kann man gleich mal attestieren: "Curse And Chapter" ist eine deutliche, wenn auch nicht gleich für Jedermann offensichtliche Weiterentwicklung zu "Human Remains". Oder sollte man im Falle dieser Eruption geilen Metals in Reinkultur nicht eher von Rückentwicklung sprechen? Egal, die schnoddrigen Briten rund um Schauspieler David Bower liefern hier ab, aber gewaltig. Wer dachte, MERCYFUL FATE wäre in dieser Hinsicht schon das Maß aller Dinge gewesen sollte sich vor dem Konsum von "Curse & Chapter" erst mal im heimatlichen Ohrensessel festschnallen und die Standards mal etwas höher ansetzen als sonst..

Mit brilliantem Sound (wo Andy Sneap draufsteht...) knallen einem da elf Großtaten zeitlosen Schwermetalls entgegen, die bereits nach dem Opener "The Age Of Nefarious" den Rest der Genre-Kollegen ziemlich alt aussehen lassen. Der Vorgänger war noch eher zu progressiv verästelt und von Hörspielcharakter durchsetzt, ja teilweise ziemlich unzugänglich, und trotz der Wiederhörensfreude nach all den Jahren hat man sich an dem verqueren Teil schnell sattgehört oder ist anderweitig daran gescheitert. Nicht hier: mit einer Hingabe, die man sonst nur von Newcomern kennt, feuern HELL ihr immer noch deutlich vom Musiktheater geprägtes Liedgut in die unvorbereitete Menge, und Full Metal-Attacken wie "Harbinger Of Death" oder "Deliver Us From Evil" verfehlen ihre Wirkung nicht.

Die instrumentale IRON MAIDEN-Verneigung "Deathsquad" ist einfach nur unglaublich und bereitet das folgende "Something Wicked..." perfekt vor, das mit seiner herrlichen Gitarrenarbeit nur einer von etwa elf Ohr-gasmen ist und wo David Bower seine geschätzten vier bis fünf Oktaven Stimmumfang voll ausleben kann. Irgendwie scheint es fast ein wenig dreist, hier auf einzelne Songs einzugehen, die Platte handelt von Anfang bis Ende auf einem derart hohen Niveau, dass Tiefpunkte nicht nur ausgeschlossen sondern bereits undenkbar sind. Im klassisch geprägten Metal mit Power-Schlagseite sind HELL mit dieser Platte zum Maß der Dinge avanciert, und sollte KING DIAMOND doch mal wieder studiotechnisch von sich hören lassen, dann muss er sich schon ganz schön ins Zeug legen.

Einige der Songgerüste sind - wie auch schon beim Vorgänger - steinalt und lagen bislang nur als Demo-Tracks vor: "The Disposer Supreme" oder "Deliver Us From Evil" klingen in den Neufassungen unheimlich spannend und zeitgemäß, lassen trotzdem den Charme der Achtziger (und somit der Band-Anfänge) nicht missen. HELL bescheren uns spät in diesem Jahr doch glatt noch einen Anwärter auf's "Album des Jahres", und die Shows mit CARCASS und AMON AMARTH werden ein genreübergreifendes Gesamterlebnis werden. Zur Einstimmung sei dem geneigten Metaller schon mal der heimliche Superhit "Faith Will Fall", der siebenminütige Hochkaräter "Darkhangel" oder das hymnische Powermetal-Manifest "Land Of The Living Dead" ans Herz gelegt. Ich bin mir sicher das war noch längst nicht alles, was HELL aufzubieten haben, deshalb lasse ich mir bei der Benotung noch ein wenig Luft nach oben...



Bewertung: 4.5 / 5.0
Autor: Mike Seidinger (21.11.2013)

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