KING'S X & KLONE (Holland 30.04.-01.05.2011)

Text: Stoffi
Veröffentlicht am 12.05.2011

Der letzte Abstecher nach Österreich ist mittlerweile über 10 Jahre her, da bleibt dem Süchtigen nichts anderes übrig, als einen Road Trip zu planen und dafür „etwas weitere“ Strecken in Kauf zu nehmen. Immerhin sind Auftritte des texanischen Kult-Trios zwar rar, aber ein ganz spezielles Erlebnis.

Frühmorgens am 29. April geht‘s los - 1100 km vor uns, der USB-Stick bestückt mit Unmengen an Musik, die wohl auch für eine ganze Weltreise gereicht hätte. Nach einer gut 12-stündigen Fahrt, die mich aufgrund der Dauer immer wieder an die früheren Wacken-Reisen erinnert hat, erreichen wir schließlich ziemlich gerädert Zoetermeer. Ein wirklich nettes Städtchen begrüßt uns hier, eingebettet in unzählige Radwege und Grün an allen Ecken und Enden. Die Trabantenstadt von Den Haag ist voll und ganz auf Freizeit getrimmt.

Am nächsten Tag ist „Koninginnedag“ angesagt - der letzte Apriltag ist dem Geburtstag der Königin gewidmet. Kein Mensch in Holland interessiert sich noch für die gestrige Hochzeit im englischen Königshaus. Landesweit wird mit Paraden, Volksfesten und Konzerten gefeiert, kaum ein Niederländer ist zu sehen, der nicht zum Großteil in Orange gekleidet ist. Dasselbe Bild begleitet uns sowohl im nahegelegenen Rotterdam, das wir am Vormittag besichtigen, als auch in der Innenstadt von Zoetermeer. Geduldig lassen wir uns durch die weitläufige Fußgängerzone schieben, in der alle paar Meter eine andere Blasmusikkapelle trötet.

Die Feierlichkeiten verkürzen auf jeden Fall gehörig die Wartezeit, so machen wir uns am späten Nachmittag auf zum Cultuurpodium Boerderij, wo uns Tourmanager Bobo vorm KING’S X-Tourbus begrüßt. Pünktlich wie die Sonnenuhr stapft Sänger und Bassist dUg Pinnick wenige Minuten später aus dem schwarzen Gefährt und bittet uns zum Interview. Etwas müde, aber höchst sympathisch und äußerst freundlich beantwortet er alle Fragen zur aktuellen Tour mit KLONE und der dabei promoteten Live-DVD „Live Love in London“.

In der herrlichen Frühlingssonne unterhalten wir uns noch mit einem aus Frankreich angereisten Fan, der seiner Erzählung nach das letzte Geld zusammengekratzt hat um KING’S X zu sehen. Offenbar ist es günstiger nach Holland zu kommen, als innerhalb Frankreichs mit dem Zug zu den Auftrittsorten zu fahren. Wenig später öffnet die Boerderij die Pforten und wir passieren die Security-Kontrolle, bei der man doch tatsächlich die Möglichkeit hat, in zwei separate Boxen Drogen bzw. Waffen einzuwerfen. Abgetastet werden wir nicht, also funktioniert das wohl auf freiwilliger Basis. Interessant auch, dass man für das Aufsuchen der Keramikabteilung entweder jedes Mal 30 Cent berappen, oder sich einen WC-Stempel für 3 Euro lösen kann – Pissen auf Flatrate sozusagen. Ob der geneigte Biertrinker jedoch auf 10 Klobesuche kommt, sei dahingestellt.

Um halb Neun starten KLONE ihren Auftritt. Einfach ist das nicht, womit uns die fünf Franzosen beschallen. Experimentell, groovig, modern und emotional könnte man den Sound am besten beschreiben, wobei auch eine gewisse Nähe zu TOOL auszumachen ist. Das Set besteht zum Großteil aus Songs des aktuellen Albums „Black Days“. Hätte ich die Band vorher schon gekannt, hätte ich mir mit ihrem Material bestimmt leichter getan, allerdings gibt es durchaus einige Riffs und Teile, die gleich beim ersten Mal zünden, allen voran „Immaculate Desire“. Die anfangs ca. 100 Zuhörer werden im Laufe der 40 Minuten immer mehr und KLONE hinterlassen einen recht guten Eindruck. Sie sind gut aufeinander eingespielt und nutzen den spärlichen Platz auf der Bühne bestmöglich aus.

Nach ungefähr einer halben Stunde Umbaupause starten KING’S X mit dem obligatorischen „Groove Machine“. Mittlerweile befinden sich zwischen 200-250 Fans im Saal, der somit eher locker gefüllt ist. So ganz mag der Funke nicht überspringen. Das mag daran liegen, dass die Holländer nicht richtig aus sich raus gehen, weil sie noch die Feierlichkeiten zum Königinnentag in den Knochen spüren, oder dass der Sound nicht optimal ist. Von meinem Standort aus kann man hauptsächlich dUg’s Bass hören, die Backgroundstimmen gehen fast völlig unter. Das ist insofern sehr schade, weil gerade die Beatles-artigen Chöre eines der KING’S X Trademarks schlechthin sind. Vielleicht hat sich am vorletzten Tag der Tour auch einfach schon eine gewisse Müdigkeit eingeschlichen, schließlich sind die drei auch nicht mehr die Jüngsten – Gitarrist Ty Tabor wird heuer Fünfzig und hat mit einer Verletzung am Zeigefinger seiner rechten Hand zu kämpfen, Jerry Gaskill ist Mitte 50 und dUg hat bereits den Sechziger hinter sich gebracht. Nichtsdestotrotz ist der Gig absolut hochklassig, KING’S X harmonieren nach über 30 Jahren absolut perfekt.

Die Setlist ist weitgehend ähnlich mit der Tracklist von „Live Love In London“, wobei ich mich besonders über „Train“ und „In The New Age“ freue, die auf der letzten Tour nicht zu hören waren. Ein von Jerry gesungener Titel fehlt diesmal leider. Natürlich ist auch für ausufernde Jam-Sessions Platz, nur auf Goldilox verzichtet die „First Church Of Rock’n’Roll“ heute. Wie immer stehen die drei gleich im Anschluss an den Auftritt für alle Fans für Fotos, Autogramme und Plaudereien zur Verfügung. Wenn auch das letzte Bisschen gefehlt hat, um den Abend unvergesslich zu machen, gehen wir äußerst zufrieden nach Hause.

Zum Start in den 1. Mai haben wir uns für einen Abstecher nach Amsterdam entschieden. Ein bisschen Zeit für Sightseeing muss sein, wobei der Weg vom Bahnhof Amsterdam Centraal zum Rijksmuseum hauptsächlich von Müll und oranger Verwüstung geprägt ist. Offenbar haben die Feierlichkeiten für den Koninginnedag recht lange gedauert. Ein paar Grachten und Rembrandts später machen wir uns auf den Weg nach Eindhoven.

Als Tourabschluss haben KING’S X das „Effenaar“ gewählt. Die lange Schlange vorm Eingang gehört allerdings zu FUNERAL FOR A FRIEND, die im großen Saal spielen. Trotzdem ist heute viel mehr Publikum da als in Zoetermeer. Schon bei KLONE hören über 200 Leute zu. Der französische Fünfer kann sogar die Setlist um einen Song verlängern und genießt den letzten Abend auf Tour sichtlich. Beim zweiten Mal Hören gefällt mir das anspruchsvolle Material um einiges besser als gestern, die Jungs spielen arschtight und überzeugen auf voller Linie. Außerdem sind einige Fans extra wegen KLONE gekommen, dementsprechend ist auch die Resonanz im Saal. Als Scherz zum letzten Abend schüttet ein Roadie massenhaft bunte Luftballons auf die Bühne, dUg, Ty und Jerry beobachten das Ganze vom Bühnenrand und amüsieren sich köstlich. Zufrieden verlassen KLONE nach 45 Minuten zum letzten Mal auf dieser Reise die Bretter, die die Welt bedeuten.

Mittlerweile ist der „Kleine Zaal“ mit knapp 400 Leuten ordentlich gefüllt. Spätestens nach „What Is This?“ ist klar, der Sound in Eindhoven ist optimal, die Lichtshow wesentlich spannender als in Zoetermeer. Die Schmerzen in Ty’s Finger sind auch erträglich und behindern ihn weit weniger beim Spielen, beste Voraussetzungen also für einen denkwürdigen Abend. Die Chemie zwischen Band und Publikum stimmt – dUg kann sein ganzes Charisma ausspielen, Ty bewegt sich um einiges mehr als gestern und Jerry ist am Schlagzeug ohnehin eine Klasse für sich. KING’S X lassen sich von uns durch fast zwei Stunden „Ear Candy“ tragen. „Pillow“ wird begeistert von allen mitgesungen, „Summerland“ wird mit einer noch längeren Jam-Session als am Vorabend gefeiert. Bei „We Were Born To Be Loved“ stellen die drei völlig klar, dass es kaum eine tightere Live-Band gibt.

Nachdem dUg schon im Laufe des regulären Sets seine Vodkaflasche freudig mit den Anwesenden geteilt hat, kommt er vor der lautstark geforderten Zugabe mit einer frisch gedrehten Tüte zurück, die nach einem Zug auch sofort im Auditorium landet. „Goldilox“ fehlt heute nicht und wird vollständig vom Publikum gesungen - Gänsehautfeeling pur. „Over My Head“ fällt besonders ausladend aus, ehe die Band ankündigt, einen letzten Song zu spielen. Bevor aber die geplante letzte Zugabe starten kann, fordern die Fans lautstark „Mission“. Ty startet grinsend das markante Anfangsriff und zur Überraschung aller setzen die anderen mit ein und die Nummer wird – spontan und unvorbereitet – fast zur Gänze gespielt. Damit haben KING’S X nicht nur mich überglücklich gemacht. dUg weist nochmal alle darauf hin, dass die Band nach dem Gig für die Fans zur Verfügung stehen wird. Mit „Visions“ endet ein grenzgenialer Auftritt.

Diesmal sind auch KLONE vollzählig beim Merchandise-Stand zu finden und unterhalten sich -zufrieden mit der Tour – mit allen Interessierten. KING’S X beweisen einmal mehr uneingeschränkte Fanfreundlichkeit und nehmen sich geduldig über eine Stunde Zeit, damit wirklich jeder alle Booklets signiert bekommt und ein Foto mit seinen Helden mit nach Hause nehmen kann.

Auch wenn die nächste Tour wieder nicht in Österreich Halt machen sollte, irgendwie hab ich das Gefühl, ich werde einfach dabei sein müssen!

Setlist KLONE
-Rite Of Passage
-Promises
-Rain Bird
-Empire Of Shame
-Immaculate Desire
-Closed Season
-The Spell Is Cast
-Spiral Down (nur Eindhoven)
-Give Up The Rest

Setlist KING’S X
-Groove Machine
-Train
-What Is This?
-Complain
-Black Flag
-Alright
-In The New Age
-Pillow
-Pray
-Dogman
-Go Tell Somebody
-Summerland
-We Were Born To Be Loved
---------------
-Goldilox (nur Eindhoven)
-Over My Head
-Mission (angespielt - nur Eindhoven)
-Visions


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