PERISHING MANKIND - Time To Say Good Bye

Text: Reini
Veröffentlicht am 20.12.2012

PERISHING MANKIND, die Band hat auch den Verfasser dieser Zeilen über Jahre hinweg begleitet. Nicht nur, dass ich die Ehre hatte alle drei Alben der Truppe zu rezensieren, ich durfte auch als einer der ersten das fix fertige dritte Album „The Heritage“ probehören (nachzulesen hier…), ja und auch bei dem von mir mitorganisierten STP METAL WEEKEND waren PERHING MANKIND zweimal zu Gast und zerlegten jeder Mal den St. Pöltner Frei.Raum aufs Neue. Unvergessen der letzte Auftritt von ex-Schlagwerkerin Beate, bei dem während der letzten Nummer von den Stagehands einfach das Schlagzeug abgebaut wurde und die gute Beat in Klopapier eingewickelt kaum noch spielfähig war…

Gernot, jetzt isses vorbei, over and out! Was war jetzt der ausschlaggebende Grund PERISHING MANKIND zu den Akten zu legen wie man so schön sagt.

Der ausschlaggebende Grund war, dass Georg (Gitarre) uns im Februar eröffnet hat, dass er einen Job in Italien angenommen hat und im August samt Familie nach Milano umzieht. Wir haben dann länger überlegt und diskutiert, was dann mit der Band passiert. Georg hat von sich aus vorgeschlagen, dass er nichts dagegen hat, wenn wir uns einen neuen Gitarristen suchen und weitermachen. Er hätte uns sogar all seine neuen Songideen zur Verfügung gestellt, immerhin war er unser Hauptsongwriter.

Wir waren uns dann aber schnell einig, dass wir das nicht wollten. Denn in den letzten Jahren ist es für uns immer schwieriger geworden, Konzerte zu spielen, vornehmlich aus beruflichen oder familiären Gründen. Holger z.B., unser Sänger, ist Koch in einem Sternerestaurant in Wien und arbeitet jeden Freitag und das halbe Jahr über auch samstags. Und mit der Zeit ist es ziemlich frustrierend geworden, dass wir von fünf Anfragen höchstens einen Gig auch wirklich spielen konnten. Da gibt es Leute, die haben wirklich vier oder fünf Mal innerhalb der letzten Jahre angefragt, und kein einziges Mal hat es gepasst. Und das hätte sich mit einem neuen Gitarristen auch nicht geändert. Außerdem, als persönlicher Grund kam hinzu, dass Georg mein Cousin ist, und mit ihm zusammen habe ich alles gestartet. Und eine Band ohne ihn konnte ich mir nicht vorstellen.

Darum haben wir uns für einen Schlussstrich entschieden. Mit einem würdigem Abschiedskonzert, so wie es unsere Freunde von AUTUMN CLAN ein paar Jahre vorher gemacht habe.

Bevor ihr aber einen Schlussstrich gezogen habt, seid ihr noch ein paar Mal live in Erscheinung getreten, Höhepunkt sicher das Abschiedskonzert in der Heimat in Graz – wie viel Wehmut kommt bei so einem Event dann schlussendlich auf?

Also, beim Event selbst war eigentlich keine Wehmut dabei. Die ist bei mir erst am Montag drauf gekommen, wie ich im Proberaum war, um aufzuräumen. Da war dann der Flash da, dass es jetzt, nach elf Jahren, vorbei ist mit der Band. In meinem Fall immerhin ein Drittel meines Lebens, und für ein paar Jahre der bestimmende Faktor in meinem bzw. unserem Leben. War ein komisches Gefühl. Vor und während der Abschiedsshow überwiegte eigentlich die Vorfreude, außerdem war viel zu organisieren.

Jetzt könnte der böse Zeitgeist ja sagen, ihr habt die Geschichte deshalb so in die Länge gezogen, weil ihr unbedingt das 10-jährige feiern wolltet *he he he*

Stimmt. Schon ca. seit 2001 oder so…

Pünktlich zu den Abschiedskonzerten gibt bzw. gab es von Euch sogar noch eine neue Veröffentlichung. Die 4-Song EP „Perished At Last“ (was für ein passender Titel!), die zwei Überbleibsel der „The Heritage“ Session, sowie zwei komplett neu eingespielte Tracks enthält. Erzähl mal ein bisschen was darüber, ist das Ding noch erhältlich, wie hoch war die Auflage, die Idee dahinter und vor allem die beiden neu eingespielten Tracks („Draw The Curtain“ und „Perishable Gods“)….

Ja, der Titel gefällt uns auch super. Wir haben da lange überlegt, und der Holger hat dann diese Idee gehabt. Angekündigt haben wir unser Ende eigentlich schon auf der letzten Scheibe, als „The Heritage of Perishing Mankind“. Dass da noch eine EP nachkommt, das hätten wir uns nicht gedacht. Die Idee dahinter war etwas Besonderes für unseren Abschiedsgig zu machen. Neben einer ausführlichen Playlist, speziellen Songs und jeder Menge Gästen ist uns dann die Idee einer EP gekommen. Außerdem wollten wir unsere Bandkassa nicht nur einfach so auflösen und durch fünf dividieren. Wir hatten ja noch die zwei fertig aufgenommenen Songs von der letzten CD, die damals einfach nicht mehr raufgepasst haben. Wir haben uns dann im Frühjahr hingesetzt und eben die zwei neuen Songs geschrieben. Die Aufnahmen passierten dann wieder zusammen mit Norbert Leiter in seinen neuen UDIO-Media Studios. Und ich hab es endlich einmal geschafft dabei zu sein, wenn Holger einsingt. Da habe ich auch die Lyrics zum ersten Mal gehört, und speziell bei „Draw The Curtain“ Tränen gelacht. Singt er doch einfach drüber, dass wir aufhören. Sprichwörtlich. Aber das war dann ein passender letzter Song unseres Abschiedskonzerts.

Insgesamt haben wir dann 300 Stück pressen lassen, und den Großteil haben wir am Requiem verteilt. Aber ein paar Stück haben wir noch, also wenn wer Interesse hat einfach bei mir melden (gernot@p-mankind.com).

Ich hätte noch gerne eine Analyse Deinerseits zu Euren drei off. Veröffentlichungen, vielleicht gibt es ja auch da und dort noch ein paar Schmankerl, welche ihr bis dato noch nicht preisgegeben habt o.ä….

Fall of Men (CD, 2005)

Tja, das Erstwerk. Da haben wir unseren Weg noch nicht ganz gefunden gehabt, da sind zum Teil sehr wirre Sachen drauf, die wir jetzt nie mehr so machen würden. Aber trotzdem sind wir nach wie vor zufrieden mit dem Ergebnis. Ich meine, wir spielen da im Februar einen Bandwettbewerb mit und scheiden aus. Aber dem Veranstalter, Mario von Noiseheadrecords, gefällt unser Auftritt so, dass er uns gleich nachher fragt ob wir eine CD aufnehmen wollen. 2 Monate später stehen wir dann zum ersten Mal im Studio und spielen in 7 Tagen die CD ein. Wenn ich daran denke, dass wir erst am Wochenende vor dem Studiotermin zum ersten Mal mit Metronom gespielt haben….haha. Aber es war eine coole Zeit. Die Ironie der Geschichte ist, dass wir dann im April 2006 als Headliner beim Bandwettbewerb-Finale gespielt haben, bei dem wir eigentlich in der Vorrunde ausgeschieden sind.

Wonderland (CD, 2007)

Tja, unser ungeliebtes Kind. Rückblickend kam die CD zu früh. Wir waren mit dem Songwriting einfach noch nicht fertig, da mussten wir schon ins Studio. Songs wie „Haunted“, „Chaos“ oder „Lost within“ wirken einfach unfertig. Auch die Umsetzung von Work it Out oder „False gods“ passte nicht, obwohl ich die Songs eigentlich klasse finde. Zusätzlich ist bei der Produktion auch einiges schief gegangen. Wir waren einfach schlecht vorbereitet, das Einspielen lief nicht optimal. Der Sound passte nicht. Und dann dauerte das Mischen und Mastern ewig. Dadurch kamen die CDs zu spät und wir spielten unsere zwei CD Release Shows ohne neue CD.

Ein paar Monate mehr hätten da sicher geholfen, um an den Schwächen im Songwriting zu arbeiten und sich besser vorzubereiten. Wir haben uns halt auch drängen lassen. Aber was soll´s. Die CD ist trotzdem gut angekommen, und wir waren im Anschluss für mehr als ein Jahr fast jedes Wochenende on the road. Das war sicher die beste Zeit die wir hatten. Und mit „Wonderland“, „Sad Day“ oder „Mortality“ sind auch Songs oben, die wir bis zum Schluss bei jeder Show gespielt haben.

The Heritage (CD, 2010)

Unser reifstes Album. Im Vorfeld hat es ja ordentlich gekriselt, was dann auch zum Schlagzeugwechsel führte. Mal abgesehen, dass Beate damals für ein halbes Jahr nach Ungarn ging, waren wir uns einfach in der zukünftigen Ausrichtung der Band nicht mehr einig. Vorher sind wir immer den Weg des geringsten Widerstandes gegangen. Wenn irgendwer mit einem coolen Riff oder Song dahergekommen ist, der zwar lässig aber schwer zu spielen war, dann haben wir die Idee oft verworfen oder solange geändert bis es alle spielen konnten. Und das wollten wir ändern. Darum haben wir begonnen wie die Wahnsinnigen zu üben, um alle Ideen auch verwirklichen zu können. Und ich denke, dass uns das auch sehr gut gelungen ist. Zusätzlich boten sich mit dem Einstieg von Vid neue Möglichkeiten. So gibt es auf „The Heritage“ die allerersten Blasts von uns zu hören. Zwar nur dezent eingesetzt, aber immerhin.

Wie sieht deine musikalische Zukunft aus? Werden wir von Gernot Oreski noch was hören, oder gehst du jetzt Musik-technisch in Pension?

Keine Ahnung, das werden wir sehen. Wirklich geplant hab ich nichts, außer dass ich weiter musizieren will. Bei den anderen ist es nicht anders.

Die berühmten "letzten Worte": Willst Du den Lesern von Stormbringer.at noch etwas mit auf den Weg geben?

Danke an alle die Leute, die uns während der letzten 11 Jahre begleitet und unterstützt haben. Es war eine großartige Zeit, wir haben viel erlebt und tolle Leute kennengelernt. Meine Frau zum Beispiel. Vielleicht erzähle ich in Jahren einmal meinen Kindern darüber, wie in „How i met your mother“.

Noch mal Danke, dass Du Dir die Zeit für dieses Interview genommen hast!

Bitte gerne!

Abschließend noch ein Statement vno Mario Jezik, NOISEHEADRECORDS, der PERISHING MANKIND die Möglichkeit gab drei Alben auf seinem Label zu veröffentlichen:

Wir schreiben das Jahr 2005 als die jungen und hochmotivierten Steirer in der Sargfabrik in Wien bei einem von uns veranstalteten Bandcontest aufgeigen. Nach wenigen Minuten war klar: Die wollen wir haben! Damals noch unter dem Namen Black Lagoon Records signeten wir mit Perishing Mankind unsere erste Band und haben damit auch den Grundstein für unser Label Noiseheadrecords gelegt.

Wenige Monate später trafen wir uns dann im Studio und begannen die erste CD "Fall of Men" aufzunehmen. Was mich damals besonders beeindruckt hat, war die Intensität der Band und der einzelnen Members. Beate zum Beispiel hat sich während der Schlagzeugaufnahmen am Zeigefinger verletzt, den Song aber unbeirrt zu Ende gespielt und dabei das komplette Drumset mit Blut bespritzt......das ist Metal :-) Aber auch nach einer Pause, in der der Finger auf Gurkengrösse angeschwollen war und schwarz wurde, wollte sie keinesfalls unterbrechen und hat einfach weitergespielt.

Live hat mich diese Band vom ersten Konzert das ich gesehen habe, bis zum leider letzten im Explosiv immer überzeugt.

Wir von Noiseheadrecords wünschen "unseren" PM's alles Gute und sagen Danke für alles was war!


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