Rock und Wrestling: Eine Geschichte

Veröffentlicht am 13.11.2013

Es überkommt mich immer ein gewisses Nostalgiegefühl, wenn im Fernsehen wieder mal Wrestling läuft - diese ur-amerikanische Unterhaltungsform, die mit mehr oder weniger choreografierten Kämpfen mit vorherbestimmtem Ausgang, schillernden Charakteren und ebenso infantilen wie spektakulären Storylines bereits in den Achtzigern im großen Stil Einzug auch in europäische Wohnzimmer gefunden hat. Durch den rasanten internationalen Aufstieg von WORLD WRESTLING ENTERTAINMENT (ehemals WORLD WRESTLING FEDERATION) und deren saisonalen Highlight "Wrestlemania" wurde die ursprüngliche Jahrmarktattraktion "Professional Wrestling", hierzulande auch gerne "Catchen" genannt, plötzlich Mainstream-Entertainment.

Charaktere wie THE UNDERTAKER, der "HEARTBREAK KID" SHAWN MICHAELS, BRET "HITMAN" HART und natürlich HULK HOGAN waren nur einige der bekanntesten Wrestler, die Ende der Achtziger und Anfang der Neunziger zu Popkultur-Ikonen avancierten - und das trotz (oder vielleicht wegen) der vermeintlich "harmlosen" Kämpfe, bei denen ja eh "alles abgesprochen" ist.

Ganz so einfach ist es natürlich nicht - denn freilich tun die zahlreichen "Bumps" (kalkulierte Stürze) weh, und auch ein Stahl-Klappstuhl über den Kopf ist nicht gerade angenehm und hinterlässt Spuren. Wrestling verlangt seinen Protagonisten also sicherlich einiges an Athletik und Durchhaltevermögen ab. Dennoch vor allem von Europäern belächelt, und hierzulande gerade mal durch das Heumarkt-Catchen von Ringlegende Otto Wanz einer gewissen Popularität zugeführt, hat das Phänomen Wrestling aber in den letzten Jahren wieder eine gewisse Renaissance auch auf dem alten Kontinent erfahren, und ist nun wieder wie Anfang der Neunziger vor allem bei Kindern und Jugendlichen wieder populärer.

Was aber stets in der Geschichte des Pro Wrestling abseits sämtlicher Höhen und Tiefen des Sports an sich interessant zu beobachten war, das war die immer wiederkehrende Kombination aus Rock-Musik und Wrestling: Zwei in ihrer ursprünglichen Konzeption "rohe" Unterhaltungsformen, die in bombastischen Spektakeln nebeneinander und teilweise auch miteinander aufgeführt wurden. Die bereits genannte "Wrestlemania"-Großveranstaltung der WWE bot dafür erstmals die perfekte Plattform, und so verwundert es nicht weiter, dass Mitte der Achtziger dann HULK HOGAN, der größte Wrestling-Star seiner Zeit, und die Sängerin CYNDI LAUPER, die "Rock'n'Wrestling Connection" begründeten, und so ein Crossover-Phänomen schufen, dass Fans des jeweils einen Künstlers und Genres auch zum Tätigkeitsfeld des anderen locken sollte. Ein Rezept, das aufging - wie viele spätere ähnliche Projekte beweisen sollten.



Denn abgesehen von zahlreichen "Gimmicks" (den Rollen, die die jeweils einzelnen Wrestler verkörpern), die sich um Rock und Metal-Musik drehten, wie jenes des Tag Teams ROCK'N'ROLL EXPRESS, dem HONKY TONK MAN und den ROCKERS (Shawn Michaels und Marty Jeanetty) in den Achtzigern über Charaktere wie den vermeintlichen Metal-Gitarristen VAN HAMMER in der damals noch existierenden WWE-Konkurrenz-Promotion WORLD CHAMPIONSHIP WRESTLING, bis heute zum Team der 3MB (THREE MAN BAND), war es gerade auch immer die Auftrittsmusik der Wrestler, die maßgeblich zu deren Erfolg beigetragen hat.

So komponierten neben namhaften Künstlern wie RICK DERRINGER (verantwortlich für das Entrance-Theme von HULK HOGAN, "Real American") oder auch Wrestling-Personalitäten selbst wie Manager JIMMY HART, der etwa den Song "Sexy Boy" für SHAWN MICHAELS schrieb, oder HULK HOGANS Auftrittsmusik "American Made" in der WCW (und hatte übrigens mit einer Band THE GENTRYS im Jahre 1965 mit "Keep On Dancing" auch einen Top 5-Hit in den Billboard Charts) auch namhafte Rock-Acts eigens Songs für Wrestling-Persönlichkeiten: Am bekanntesten dürften hierbei die Songs "Time To Play The Game" und "King Of Kings" von MOTÖRHEAD sein, die die Band dem mehrfachen WWE-Champion TRIPLE H zur Verfügung stellte, der auch selbst bekennender Fan der Band ist.

Das ging sogar soweit, dass MOTÖRHEAD bei Großveranstaltungen auch schon mal diese Songs live für den Einzug von TRIPLE H performten:



Doch nicht nur eigens komponierte Songs wurden für Wrestler verwendet; immer wieder wurden auch Songs von Rock- und Metalacts als Einzugsmusiken lizenziert. So nutzten etwa die WCW-Stars BILL GOLDBERG kurzzeitig "Crush 'Em" von MEGADETH und STING das unsterbliche "Seek & Destroy" von METALLICA; WWE-Legende EDGE machte hingegen "Metalingus" von ALTER BRIDGE noch populärer, als es ohnehin schon war, und Superstar CM PUNK nutzt aktuell den Hit "Cult of Personality" von LIVING COLOUR.

Kultfigur THE UNDERTAKER, im privaten Leben selbst großer Rock- und Metalfan und auch begeisterter Biker, nutzte Anfang der 2000er-Jahre auch kurzzeitig "Rollin'" von LIMP BIZKIT und "American Badass" von KID ROCK als Auftrittsmusik, und wirkte Mitte der Neunziger auch selbst bei einem Wrestling-Song mit: bei der Nummer "We're All Together Now", lange Zeit die Erkennungsmusik der RAW-Veranstaltung der WWE, sang er nebst einigen anderen Wrestling-Stars gemeinsam mit SAVATAGE-Frontman JON OLIVA.



WWE-Superstar EDGE mit seinem Einzug bei Wrestlemania 26:



Die prominenteste Verbindung zwischen Wrestling und Metal stellt aber zweifelsfrei WWE-Superstar CHRIS JERICHO (mit bürgerlichem Namen Chris Irvine) dar: Einer der erfolgreichsten und populärsten Wrestler seiner Generation, hat er mittlerweile die Wrestling-Matten mit den Bühnen dieser Welt getauscht, und tourt bereits seit über zehn Jahren sehr erfolgreich mit seiner Band FOZZY, die er gemeinsam mit STUCK MOJO-Gitarrist Rich Ward bereits 1999 gründete. Mittlerweile sind seine Wrestling-Auftritte sporadischer Natur geworden, stattdessen sieht man ihn immer häufiger mit FOZZY, und auch in anderen prominenten Rollen wie etwa als mehrfacher Gastgeber der Metal Hammer Awards, oder als Gastgeber seiner eigenen Radio-Show "Rock Of Jericho". Zwischenzeitlich schrieb er auch schon mal für ein Metal-Magazin, nämlich "Metal Edge".

CHRIS JERICHO ist also die definitive Verbindung zwischen Rock und Wrestling - jemand, der "unsere" Musik wirklich liebt und Millionengagen bei Wrestlemania nun gegen kleine Club-Gigs (und mittlerweile auch größere Festival-Gigs) eingetauscht hat, und da wie dort weiterhin Erfolge feiert.

CHRIS JERICHO mit FOZZY beim Bloodstock Festival 2013:



Musik und Wrestling; Rock und Wrestling - es ist und bleibt eine fruchtbare Zusammenarbeit beider Unterhaltungssparten, die kaum wie zwei andere wunderbar miteinander harmonieren.

Und das auch in Österreich: Die WRESTLING SCHOOL AUSTRIA organisierte etwa bereits mit den heimischen Metallern von FREUND HEIN eine "Metal Fight Night", über die Kollege Mike Seidinger bereits berichtet hat:

STORMBRINGER-Special zur "Metal Fight Night"

Dieser Tage, genauer gesagt am Samstag, 16.11., gastiert auch die WWE wieder mit ihrer großen Show in der Wiener Stadthalle - und wird auch diesmal wieder Wrestling- und Rock-Fans gleichermaßen unterhalten.


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