MASTERS OF ROCK 2015 - Tag 1 und 2

Veröffentlicht am 20.07.2015

DO, 09.07.2015

XANDRIA

Pünktlich zu XANDRIA enterte die Stormbringer-Crew das Masters Of Rock 2015. “Nightfall” vom 2014er Album “Sacrificium” eröffnete das kurzweilige Set der deutschen Band mit (neuerdings) niederländischer Frontfrau. Diese nennt sich Dianne van Giersbergen (nicht zu verwechseln mit Anneke van Giersbergen, auch eine Verwandtschaft besteht nicht) und ist nun bereits seit 2013 dabei. Sie passt ausgezeichnet zu XANDRIA; stimmsicher, sehr sympathisch und stets gut gelaunt präsentierte sie das Liedgut der Band.

Schwere und vergleichsweise langsame Nummern wie “Dreamkeeper” und “Ravenheart” wurden dankend vom tschechischen Publikum entgegengenommen, ebenso auch härtere Partykracher wie “Cursed” oder “Blood On My Hands”. Der Sound ließ anfangs noch sehr zu wünschen übrig, beruhigte sich aber nach ein paar Liedern. “Valentine” wurde als würdiges Finale gespielt, das Publikum dankte es der Band mit lautem und langem Jubel. Erwähnenswert ist noch Diannes passendes Outfit, welches schwarz-weiß und knapp gehalten wurde, mit sehr kurzem Cape und Totenkopf-Schulterpolstern.

So war der Auftritt zu schnell vorbei und bot einen guten Anfang für ein tolles Festival.
Ein kleiner Wermutstropfen blieb dann doch noch und so wartete die Stormbringer-Crew vergebens auf XANDRIAs Version von DAVID HASSELHOFFs “True Survivor”. [-Herb-]

MERCENARY

MERCENARY waren mal sowas wie die neue Hoffnung im Melo-Death – und sie zehren immer noch an ihrem Jahrhundertepos „11 Dreams“. Leider sind die Zeiten längst vergangen, sie haben zwar immer wieder gute, aber nicht außergewöhnliche Scheiben veröffentlicht. Die letzte Langrille „Through Our Darkest Days“ hab ich mir überhaupt nur einmal schnell so nebenbei über YouTube angehört. Trotzdem, den Festivalbesuchern ist das vollkommen egal, MERCENARY werden abgefeiert ohne Ende. Ob neue oder alte Songs – interessiert keinen, hoch die Fäuste und bangen bis der Notarzt kommt. Die Band war sichtlich beeindruckt von dem Schauspiel (bis in die hinteren Ränge alles voll! Und das um 16 Uhr bei gefühlten 35 Grad!) und gab ihr Bestes. Was auch mich schwer beeindruckte. Ergo: Band wird weiterhin unterstützt! (wenn sie „True Survivor“ spielt…) [-Deimon-]

THE GENTLE STORM

Anneke van Giersbergen hat bereits vor zwei Jahren das Masters Of Rock-Festival beehrt und kehrte nun mit ihrer neuen Band THE GENTLE STORM zurück. Es war zwar von Anfang an klar, dass ihr Partner Arjen A. Lucassen für keinerlei Live-Aktivitäten zur Verfügung stehen werde, aber mit Drummer Ed Warby und Background-Sängerin Marcela Bovio (STREAM OF PASSION) hatte die Frau Giersbergen Hochkarätiges mit dabei.

Hochkarätig war auch das Songmaterial, wobei man schon anmerken muss, dass die gespielten Coverversionen den regulären GENTLE STORM-Tracks doch überlegen waren. Sei es jetzt die GATHERING-Klassiker „Eléanor” oder “Strange Machines”, der DEVIN TOWNSEND PROJECT-Beitrag „Fallout“ oder die gar fantastischen AYREON-Interpretationen von „Valley Of The Kings“ (Gänsehaut!) bzw. „Isis And Osiris“.

Gelungener Auftritt des hypersympathischen Rotschopfs aus den Niederlanden, die mit Dauergrinsen im Gesicht erneut eine wirklich atemberaubende Vocal-Performance ablieferte und sich gerade bei den Duellen mit Marcela Bovio zu einer alles überstrahlenden Herrscherin emporsteigerte. Da macht es dann auch nichts, dass die THE GENTLE STORM-Tracks im Endeffekt zwar nett, aber halt nicht herausragend sind. (Anm. d. Red.: Lag vielleicht auch an einem fehlenden „True Survivor“-Cover) [-reini-]

KAMELOT

Richtig gespenstisch wurde es dann mit KAMELOT, “Rule The World” bot einen kraftvollen Einstieg in eine mittelmäßige Setlist. Dies war der Präsentation des neuen eher durchwachsenen Albums “Haven” zu verdanken, dessen Songs zwar allesamt gut sind, aber nicht an die sonst gewohnten KAMELOT-Meisterstücke herankommen.

Die Band ist seit gefühlten Ewigkeiten auf Tour, man gönnt sich für Albumaufnahmen und -veröffentlichungen kaum eine Pause und trotzdem wirkte die Band an diesem Tag irgendwie nicht so ganz eingespielt. Der Sound war druckvoll, aber klar und so hörte man jeden einzelnen Spielfehler und jede ver- oder doppelt gesungene Textzeile deutlich heraus. Der Spielfreude der Band und dem Jubel des Publikums tat dies jedoch keinen Abbruch, alle feierten eine hübsche Power/Symphonic/Progressive-Metal-Party. Keyboarder Oliver ließ sich vertreten und als Background-Sängerin hatte man diesmal die von THERION bekannte Linnéa Vikström dabei, die einen ordentlichen Job hinlegte. Manche mögen den ehemaligen Sänger Roy Khan immer noch vermissen, dieser Schreiberling ist mit der Bühnenpräsenz, Ausstrahlung und Stimme eines Tommy Karevik aber höchst zufrieden.

Leider gab’s keine KAMELOT-Interpretation von DAVID HASSELHOFFs “True Survivor”, aber Gänsehaut-Songs wie “Karma”, “When The Lights Are Down” oder das ewig mit Singspielchen in die Länge gezogene “Forever” boten trotzdem großartige Momente. [-Herb-]

U.D.O.

Nach der Hochmelodiefraktion von KAMELOT stand nunmehr Erdigeres auf dem Programm: ACCEPT-Legende und Masters Of Rock-Stammgast Udo Dirkschneider war an der Reihe, um es mit seinen U.D.O. oldschoolig krachen zu lassen. Die kultige Reibeisenstimme ist dabei beim tschechischen Publikum beliebt wie eh und je, wenngleich die Performance heute nicht ganz so fulminant ausfällt, wie noch bei den letzten Gastspielen des Meisters in Vizovice der Fall.

Das mag einerseits ein bisschen am Songmaterial respektive der Setlist gelegen haben, setzt man doch zunächst primär auf ausschließlich eigenes U.D.O.-Material (jedoch spart man sich ein paar unvermeidliche ACCEPT-Klassiker selbstredend für den Zugabenblock auf) und auch da bringt man eher seltener Gespieltes, was zwar den eingefleischten Fan vielleicht freuen mag, für den durchschnittlichen Festivalkonsumenten jedoch möglicherweise etwas den Dampf aus der Gesamtperformance rausnimmt.

So zocken sich U.D.O. durch Songs wie „Speeder“, „Decadent“ und „Animal House“, die wirklichen Highlights sind das aber nicht und auch will der Funke zum Publikum nur bedingt überspringen. Richtig stimmig wird’s allerdings dann mit Nummern der Marke „Man And Machine“ und insbesondere „Untouchable“, das durchaus zwingend aus den Boxen brettert. Mit den abschließenden „Metal Machine“ und „Metal Eater“ gibt’s dann aber doch noch einen kleinen musikalischen Vorschlaghammer eigener Prägung, ehe man mit den unsterblichen Klassikern „Metal Heart“ (nach Intro mit „Für Elise“), „Fast As A Shark“ und natürlich „Balls To The Wall“ standesgemäß endet.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass zwar Udo immer noch ein unersetzbarer Teil der Szene ist und Metalgeschichte geschrieben hat, allerdings das Songmaterial von U.D.O. eben im Direktvergleich mit jenem der ehemaligen Brötchengeber und nunmehr wiedererstarkten ACCEPT halt doch nicht ganz mithalten kann. Solide Show, aber heute kein brachialer Triumphzug. Mag auch mit daran liegen, dass „True Survivor“ nicht gespielt wurde. [-Dragonslayer-]

WITHIN TEMPTATION

Headliner des Tages waren aber, zumindest auf dem Papier, die Niederländer von WITHIN TEMPTATION. Diese spalten naturgemäß die Geister, sind die Herren rund um Frontlady Sharon den Adel in den letzten Jahren doch zunehmend in den Pop abgedriftet. Das tut natürlich dem kommerziellen Erfolg gut, ist der Meinungsbildung in der traditionalistischeren Metal-Szene jedoch weniger zuträglich; erschwert wird dies noch durch den Umstand, dass bei solchen großen Produktionen dann doch immer mehr Inhalt auch in der vermeintlichen Livesituation vom Band kommt, was insbesondere bei den Lead-Vocals natürlich schmerzt.

Was sich jedoch nicht leugnen lässt, ist, dass die neuen, simplen und eingängigen Pop-Songs Sängerin Sharon besser zu Gesicht stehen als ältere Stimmbandbrecher, bei denen die Sängerin früher doch öfter mal überfordert wirkte und so machen flotte Pop-Rocker wie „In The Middle Of The Night“ und „Dangerous“ auch dem Publikum Spaß, obwohl man auf Grund zahlreicher Gastbeiträge speziell auf dem jüngsten Album „Hydra“ immer mehr auf Video-Einspielungen der Duettpartner setzen muss; so etwa besuchen uns TARJA TURUNEN gleich beim Opener „Paradise (What About Us?)“ und Rapper XZIBIT bei „And We Run“, allerdings eben nur in Konservenform. Ob das jetzt die Idealwahl für ein Metal-Festival ist, darf hinterfragt werden.

Aber – dem Publikum gefällt‘s und bei den zu späterer Stunde gebrachten Bandklassikern „Ice Queen“ und „Mother Earth“ werden auch diesmal WITHIN TEMPTATION wieder frenetisch abgefeiert. Das ganz große Highlight waren die Niederländer aber nicht – da musste man sich am ersten Festivaltag sicherlich den zwingenderen Shows von THE GENTLE STORM und KAMELOT geschlagen geben. Dass kein „True Survivor“ gespielt wurde, trübte den Gesamteindruck zusätzlich. [-Dragonslayer-]

BLOODBOUND

Den „Deadliner“ des ersten Festivaltages durften wieder einmal die Schweden von BLOODBOUND machen, die mit „Stormborn“ ja gerade ein starkes Album am Start haben und die Gelegenheit nutzen wollten, um gleich mal ordentlich Material für eine Live-DVD aufzuzeichnen. Davon legte auch das opulente Bühnenbild beredtes Zeugnis ab, allerdings merkte man der Band direkt nach dem Startschuss zunächst ein bisschen die etwas gesteigerte Nervosität an; der anfangs schwammige und unausgewogene Sound half da auch nicht unbedingt weiter. Insbesondere Sänger Patrik Johansson, ansonsten einer der stärksten Vertreter seiner Zunft, hatte zu Beginn des Sets stimmlich zu kämpfen und wurde erst ab der etwa vierten Nummer so richtig warm, vielleicht auch bedingt durch die mehr als nur frischen Temperaturen im nächtlichen Vizovice.

An der Setlist gab’s aber nichts auszusetzen: Tracks des aktuellen Albums wie der bombastische Opener „Iron Throne“ wechselten sich mit Songs der Vorgänger wie „When Demons Collide“ und dem atmosphärischen „Moria“ ab und mit „Book Of The Dead“ und „Nosferatu“ gab’s auch ein paar Schmankerl aus der älteren Bandhistorie. Leider blieben auch BLOODBOUND nicht von technischen Problemen verschont und beim SABATONesquen Stampfer „When The Kingdom Will Fall“ verlor man den Backingtrack mit Orchester und Chören und auch Sänger Patrik verdeichselte mal die eine oder andere Strophe.

Stimmungsmäßig hat’s aber beim Publikum zumindest gepasst und gegen Ende des Sets hatten sich auch BLOODBOUND wieder gefangen und zu alten Tugenden zurückgefunden. Es war vielleicht nicht der stärkste Auftritt der Band, aber immer noch ausreichend gut, um den Slot am Festival zu rechtfertigen. Leider aber kein „True Survivor“ gespielt. [-Dragonslayer-]

FR, 10.07.2015

ANVIL

Unglaublich, aber Steve "Lips" Kudlow und Robb Reiner spielen mittlerweile seit unglaublichen 42 Jahren miteinander Musik. Seit 37 Jahren unter dem ANVIL-Banner, wobei den beiden Kanadiern über die Jahre hinweg mit unterschiedlichen Bassisten doch so einige Klassiker aus der Hüfte entkamen. Gerade "Metal On Metal“ gilt heutzutage als herausragend. Irgendwie logisch, dass schon relativ früh im Set mit „666“ der erste Track daraus auftauchte. So richtig überzeugen konnten die drei dauerbekifften Canucks aber nicht. Der richtige Vergleich wäre wohl: ANVIL waren ebenso wenig überzeugend, wie Lips Dildo-Gitarrensolo erotisch war. Man hatte an sich während des kompletten Gigs das Gefühl hier würde sich eine vermeintliche Legende schwer und behäbig über die Bretter retten wollen.

Schiere Langeweiler wie „Badass Rock'n'Roll“ dazu ein unnötiges Instrumental mit anschließendem Drum-Solo („Swing Thing“), der Rezensent taute erst so richtig gen Ende auf, als nach dem auch nicht wirklich prickelnden „Eat Your Words“ ein unwiderstehliches „Metal On Metal“ in die Meute gepfeffert wurde. (Anm. d. Red.: Aber immer noch kein „True Survivor“)[-reini-]

NEONFLY

Den Festivaltag begann dieser Rezensent dann mit den Engländern von NEONFLY, die sich in den vergangenen Jahren auch bereits zu Fixstartern am Masters Of Rock gemaustert haben. Zwar muss man weiterhin noch mit recht frühen Slots Vorlieb nehmen, aber immerhin darf bereits die Hauptbühne bespielt werden und diesmal haben sich die Jungs auch wieder ein paar nette Showelemente einfallen lassen, um ihrem Auftritt die nötige Würze zu verleihen.

So greift Gitarrist Frederick nicht nur zum opulenten Azteken-Kopfschmuk (stimmig angepasst an das Bühnenbild), sondern auch zur Fackel und spuckt zwischendurch Feuer. Der aufkommende Wind macht das zwar etwas schwierig, aber letztlich nicht unmöglich – es bleibt der Band aber trotzdem noch ausreichend Zeit, um durch ihr knackiges Set zu rocken.

Zu hören gibt’s dabei flotte und gefällige Rocker, die vor allem mit hochmelodischen Refrains punkten können. Energiegeladen vorgetragen von Sänger Willy Norton gefallen dabei insbesondere „Better Angels“ und „A Gift To Remember“, das drückende „Heart Of The Sun“ und das abschließende „Morning Star“. Fronter Willy beklettert abermals das Gerüst (irgendeiner muss ja ran, wenn mal AIRBOURNE nicht spielen!), und generell überzeugt die Band durch viel Spiellaune und gutes Songwriting, wenngleich für die richtig großen Slots wohl noch etwas die Routine und Erfahrung fehlt. Freunde von melodischem Rock und Metal sollten bei NEONFLY aber jedenfalls mal ein Ohr riskieren! Allerdings müsste dann auch mal „True Survivor“ gespielt werden. [-Dragonslayer-]

SERIOUS BLACK

Quasi als “Supergroup” gestartet, darf sich die Band rund um ex-BLIND GUARDIAN-Trommler Thomen Stauch auch nach dem raschen Abgang von Gitarrist Roland Grapow (MASTERPLAN, ex-HELLOWEEN) dank des hochkarätigen Nachfolgers Bob Katsionis (FIREWIND, OUTLOUD) immer noch als solche bezeichnen, hat man doch neben den genannten auch EDENBRIDGE-Gitarrero Dominik Sebastian und Tastenzauberer Jan Vacik ebenso mit an Bord wie Sänger Urban Breed, dessen ehemalige Brötchengeber BLOODBOUND am Vortag bereits zum Stelldichein geladen hatten.

SERIOUS BLACK nun zelebrieren schlichtweg Melodic Metal mit Fokus auf starken Hooks und eingängigen Chören, konnten mit ihrem Material sowohl Kritiker als auch Fans im Rahmen einer sehr erfolgreichen Tour mit HAMMERFALL bereits überzeugen, und schickten sich nun auch, auch die Herzen der tschechischen Fans am Masters Of Rock zu gewinnen.

Und das gelang auch durchaus formidabel – mit Tracks des aktuellen (und bislang einzigen) Albums wie „I Seek No Other Life“ und dem Single-Kracher „High And Low“ startet man nach etwas zu langem Soundcheck dann doch noch fulminant, ehe dann jedoch mit dem Japan-Bonus-Track „I Show You My Heart“ und dem folgenden „Sealing My Fate“ ein bisschen das Tempo herausgenommen wird – vielleicht etwas zu früh für so ein kurzes Set?

Sei’s drum, SERIOUS BLACK werden dennoch begeistert abgefeiert und liefern eine spritzige und energiegeladene Show, die nicht zuletzt auch dank der tschechischen Ansagen von Keyboarder Jan beim Publikum gut ankommt. Ein erstes deutliches Lebenszeichen der Melodic-Metal-Fraktion (trotz fehlendem „True Survivor“-Cover) an diesem zweiten Festivaltag! [-Dragonslayer-]

GUS G

Fast pünktlich kamen der Grieche samt Band auf die Masters Of Rock-Bühne und mit “My Will Be Done” legte man einen würdigen Einstand samt Statement hin.

Fast schon verboten gut ist er ja, der Saitenmagier. Obwohl er durchaus würdige Musiker um sich geschart hat, samt dem alles andere als schlechten Henning Basse am Gesang, konnte GUS G im Alleingang mit kurzen und knackigen Gitarreneinlagen und -soli zwischen den Songs das Publikum fast besser unterhalten als die gesamte Band. Es hat wohl einen Grund, warum ausgerechnet der Grieche den "Prince Of Darkness" OZZY OSBOURNE unterstützen darf. “Vengeance” war ein beeindruckendes Zeugnis seines Könnens und ein Song von Firewind musste natürlich auch in die Setlist, die Wahl fiel auf “World On Fire”. Nach “Redemption” und “SummerDays” änderte man laut Ansage spontan die Setlist und gab DREAM EVILS “Children Of The Night” zum Besten, woraufhin sich die Menge lautstark bedankte. Insgesamt hielt GUS G samt Band (mehr als) ein, was YNGWIE MALMSTEEN vor zwei Jahren versprochen hatte und nicht erfüllen konnte.

Und wieder kein “True Survivor”! Dafür wurde OZZY OSBOURNEs “Crazy Train” als Zugabe gespielt. Für jede andere Band und für jeden anderen Gitarristen wäre dies ein gefährlicher Balanceakt gewesen, aber GUS G kann und darf das. Mehr vom Saitenhexer gibt's auf seinem demnächst erscheinenden Album, samt anschließender Tour mit KAMELOT (Anm. Reini.: auf der er dann hoffentlich auch den "True Survivor" zum Besten geben wird!) . [-Herb-]

DOG EAT DOG

Sie waren jene Band, bei der ich doch am meisten Angst hatte. Würde das tschechische Publikum die Spaßmacher aus den US of A, die sich gerade auf ihrer 25th Anniversary Tour befinden, samt ihren Rap- und Scratch-Einlagen goutieren? Und wie sie das taten. Kaum waren Sänger John Connor und seine Mannen mit dem intro-ähnlichen „It’s Like That“ und daran anschließend dem „All Boro Kings“-Classic „Pull My Finger“ in ihren Set gestartet übertrugen sich die positiven Vibes von der Bühne auf das Auditorium.

Die sollte die nächsten 70 Minuten auch anhalten, während dessen Connor allerlei Blödsinn laberte, die Pausen immer mit irgendwelchen Rap-Samples überbrückt wurden und in denen man natürlich auch allerlei Fantastisches aufzubieten hatte: Das unwiderstehliche „MILF“ zum Beispiel, aber auch der Titeltrack des letzten Studiowerkes „Walk With Me“, „Just Because“ von der 93er „Warrant“-EP oder „Rocky“, bei dem Bassist Dave Neabore natürlich im Bademantel den Rocky mimen durfte, überzeugten den Rezensenten, sowie die Anwesenden ohne Ende.

Als dann gegen Ende noch ein WU TANG CLAN-Cover samt Drummer Brandon Finley on Main-Vocals, das unwiderstehliche „No Fronts“ bzw. „Expect The Unexpected“ (mit Guest-Vocals des deutschen Danny von streetclip.tv soweit ich das mitbekommen hab) bzw. das obligatorische „Dog Eat Dog“ durch die Boxen gejagt wurden, war für den Verfasser der Triumphzug dieser hypersympathischen Combo schon klar. Was umso überraschender ausfiel, da DOG EAT DOG ihrem Tour-Saxofonisten Tobi Vogelfänger ungemeine Freiheiten einräumten. (Anm. d. Red.: Ein „True Survivor“-Cover hätte den Auftritt aber nochmals bereichern können)[-reini-]

LEGION OF THE DAMNED

LEGION OF THE DAMNED sind für mich ein eher unbeschriebenes Blatt – sicher, man kennt den ein oder anderen Song, hat auch schon mal heftigst abgeschädelt, aber so wirklich zünden wollte die Mucke nie bei mir. Was sie auch beim heutigen Auftritt nicht tat. Man möchte nur allzu gerne SLAYER anstatt von SLAYER sein – man kennt die Antwort: ein Ding der Unmöglichkeit! Nichtsdestotrotz gibt man sich redlich Mühe und lässt die Matten amtlich kreisen. Versteht mich nicht falsch, der Gig war super, der Sound klar und das Licht perfekt. Und hin und wieder hat auch der alte Deimon heftigst das nicht vorhandene Haupthaar geschüttelt. Aber mehr war's auch nicht. Den Tschechen ist das alles egal, Headbanger, soweit das Auge reicht. Unglaublich! Bei mir reicht's nur für einen halben Daumen hoch… (und kein „True Survivor“ gespielt…) [-Deimon-]

HAMMERFALL

HAMMERFALL. Ein Garant für tolle Shows und gute Stimmung und auch an diesem Tag wurde niemand enttäuscht.

Mit dem Eröffnungstriple “Hector’s Hymn”, “Any Means Necessary” und “Renegade” zogen HAMMERFALL das vornehmlich tschechische und überaus zahlreich erschienene Publikum sofort in ihren Bann. Der von Anfang an sehr gut gemischte Sound leistete dazu seinen Beitrag.

Ein sichtlich wohltuender Befreiungsschlag für die Band, war man doch gekommen, um das neue Album “(r)Evolution” zu präsentieren, das bei Fans weitaus besser ankam als das unglückliche “Infected”. Die Präsentation des neuen Albums beschränkte sich dann doch auf nur zwei Songs, eine Band wie HAMMERFALL hat wohl einfach zu viele Hits in ihrem Backkatalog.  

Sänger Joacim Cans war ein wenig kurzatmig, der neue Mann an den Kesseln, David Wallin, konnte aber überzeugen. “He plays the songs more like they are supposed to be, he doesn’t do experiments”, hieß es früher am Tag auf der Pressekonferenz. Diese geradlinigere Herangehensweise tut dem Sound von HAMMERFALL spürbar gut.

Die Band hatte alle Anwesenden in der Hand, die Stimmung war besser als auf so mancher Clubshow. Gitarrist und Mastermind Oscar Dronjak hatte ebenfalls sichtlich Freude und zeigte sich wie schon in Wien durch T-Shirt-Aufdruck als Fan der Videospielreihe “The Legend Of Zelda”. Mit “Bloodbound” und “Let The Hammer Fall” ging das Hitfeuerwerk weiter, großartig war auch ein Instrumentalmedley aus den Mitsing-Passagen einiger Publikumslieblinge wie “Hero’s Return”, “The Dragon Lies Bleeding”, "Riders Of The Storm” und mehr. Schon in Wien musste man dieses Medley spielen, sonst könnte HAMMERFALL auch drei Stunden auf der Bühne stehen, ohne dass Langeweile aufkommt. Einzig dem sonst so druckvollen “Last Man Standing” fehlte ein bisschen Energie.

Mit dem obligatorischen “Hearts On Fire” als Zugabe und dem vom Band eingespielten “Dreams Come True” verabschiedete man viel zu schnell ein Publikum, das gerne mehr gehört hätte.

Aufgrund der zu kurz ausgefallenen Spielzeit von 75 Minuten sei den Schweden verziehen, dass DAVID HASSELHOFFs “True Survivor” nicht mehr in die Setlist gepasst hat. [-Herb-]

BLACK LABEL SOCIETY

Am Nachmittag hatte Maestro Zakk Wylde (pünktlich zur Spielzeit von OZZY-Nachfolgegitarrist Gus G.; ein Schelm, der hier Böses denkt) noch zur Pressekonferenz in den Videosaal der Destillerie geladen und diese auch mit wahrer Rockstar-Attitüde mit 15-minütiger Verspätung charmant absolviert, am Abend durfte der charismatische Saitenzauberer dann mit seiner BLACK LABEL SOCIETY ran und lieferte die für mich persönlich enttäuschendste Headlinershow des Festivals.

Das lag aber weder am Sound, der klar und druckvoll aus den Boxen drang, noch an der Setlist, die mit einigen Schmankerln des Wylde’schen Schaffens aufwarten konnte, sondern eher primär am ur-amerikanischen Spiel- und vor allem Sangesstil des Maestro.

Der, zwar ein begnadeter Gitarrist vor dem Herrn, ist jetzt ein ebenso begnadeter Sänger leider nicht; und so wirken die fast zaghaften, dünnen Vocals neben dem massiven Dampfhammer aus Riffing sowie Bass- und Schlagzeugdruck etwas deplaziert und fast schon wie eine Karikatur. Wer sich jedoch an der Gesangsleistung des Meisters nicht stößt, dem wurde mit Rockern der Marke „Funeral Bell“, „Bleed For Me“ und „Heart Of Darkness“ ein feiner Einstieg geboten, ehe dann nach „Damn The Flood“ natürlich ein amtliches Gitarrensolo nicht fehlen durfte.

Später im Set kredenzte uns der wilde Zacharias nebst „Godspeed Hell Bound“ und „Angel Of Mercy“ auch noch „Concrete Jungle“ und „Stillborn“ und dürfte dem geneigten Fan sicherlich eine gute Übersicht über sein Schaffen beschert haben. Der ganz große Reißer waren BLS an diesem Abend jedoch nicht, wenngleich die Instrumentalperformance der SOCIETY (insbesondere am Bass – was für ein Viech!) zu überzeugen wusste. Solide, aber nicht mehr. Auch fehlte ein „True Survivor“-Cover. [Dragonslayer]

SEPTIC FLESH

SEPTIC FLESH, der Deadliner des zweiten Tages, war eine willkommene Abwechslung (und zwar nicht nur für mich, hehe!) zum ganzen Power Metal- und Hard Rock-Gedöns des Großteils der Vorbands. Die Hellenen, mit ihrem aktuellen Brecher „Titan“ im Gepäck, ließen auch nichts anbrennen und starteten in einen mehr als epischen Set. Dabei war es vollkommen egal, ob man sich durch Songs wie „Anubis“, „Order Of Dracul“, The Vampire Of Nazareth“ oder den Videosong „Prometheus“ fräste - kollektives Abschädeln bis in die letzten Reihen war angesagt.

Eindrucksvoll auch die Bühnenoutfits der Herren: Sänger und Tieftöner Spiros „Seth“ Antoniou schien durch seine Lederoberteil direkt der „Körperwelten“-Schau entsprungen zu sein, während sein Gegenpart an der Gitarre, Christos Antoniou, beim Bangen einem waschechten Predator nicht unähnlich sah. Präzise wie eine Atomuhr war natürlich auch „unser“ Mann an den Kesseln: Kerim „Krimh“ Lechner gerbte die Felle wie kein anderer vor ihm an diesem schönen Tag. Unterstützt durch eine geniale Lichtshow wurde man förmlich in einen Malstrom aus Dunkelheit und Brutalität gesogen. Einmal mehr bewiesen die Griechen, dass sie zur absoluten Speerspitze ihres Landes gehören. Und ja, ein, zweimal musste ich mir eine Träne verkneifen ob der Erhabenheit und Epik, die ihre Songs vermitteln. Klarer Fall: für mich beste Band des Festivals! (Anm. d. Red.: Und das auch ohne "True Survivor"-Cover!) [-Deimon-]


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