Jahresrückblick 2015

Text: adl
Veröffentlicht am 04.01.2016

REDAKTIONSRÜCKBLICK 2015: PASCAL STAUB


Ich muss zu Beginn etwas ausholen: Schön, dass es unsere neue Seite gibt, ehrlich. Eigenlob gehört wahrlich nicht zu meinen Lieblingsdisziplinen, weil es grundsätzlich einfach semi-geil wirkt, wenn man sich selbst oder den eigenen Kollegen Lob zusteckt und/oder ein eigenes Projekt in sakraler Schreib-Zeremonie mit allerfeinstem Weihrauch umgibt, dass der Leser sich ob des stickigen Dickichts nach Erbrechen sehnt. Keine Bange, ich bin natürlich KEIN besorgter Bürger, doch das dicke ABER muss an dieser Stelle aufgrund des auch für Stormbringer.at ereignisreichen Jahres 2015 trotzdem folgen: Den Award für das vermutlich fescheste Metalwebzine-Korsett muss ich wohlwollend an unser stets fleißiges Arbeitsbienchen Alex Des Loges übergeben, der unfassbar viel Arbeit und Zeit in das neue Layout gesteckt hat und auch weiterhin steckt, damit es sowohl für euch da draußen als auch für uns Redakteure intern flutscht. Ein großes Lob geht aber auch an jeden einzelnen Mitarbeiter des Teams, die sich tagtäglich den Arsch für diese Seite aufreißen. Egal ob's nun News, Rezensionen, Interviews oder sonstiges sind.

Aufgrund des komplett neuen Layouts ist ab dem diesjährigen Jahrespoll auch für uns Schreiberlinge mehr möglich, weswegen ich für mich an dieser Stelle mit dem bloßen Listenposting brechen und meine Wahl somit erklären, fundieren, begründen oder was auch immer werde und hiermit quasi eine Art persönlichen Jahresrückblick anbiete. Ich hoffe indes, dass Euch Lesern unser alle Beiträge munden und wünsche schonmal metallisch-besinnliche Feiertage und einen erfolgreichen Jahreswechsel (gehabt zu haben). Nun hab' ich aber genug ausgeholt!

Durch den Wegfall der oldschooligen Listen kann ich zumindest auch darauf verzichten, meine Jahreshighlights zu nummerieren bzw. in eine feste Reihenfolge zu packen. Einfach deshalb, weil mich das privat in keinster Weise juckt, sondern eben genau das gehört wird, was den Gehörgängen gefällt. In dieser Hinsicht haben mich 2015  "Shards Of Silver Fade" von MIDNIGHT ODYSSEY, "Ring der Nebelungen" von MARSIMOTO (jaja, der böse Rap) und "Bannstein" von EÏS am meisten beeindruckt. Während der Australier Dis Pater mit seiner einzigartig-malerischen Atmo-Black-Metal-Reise durch die endlosen Weiten des Weltalls für eines der besten Genrealben bis dato gesorgt hat, ist der "Ring der Nebelungen" nicht nur ein äußerst gelungenes Sommeralbum, sondern eben auch ein doppelbödiges Deutschrap-Meisterwerk fernab abgedroschener Pfade, das mit lyrischer Finesse und unfassbaren Beatbrettern aufwarten kann. Und EÏS gelang es mit "Bannstein" nicht nur, das etwas maue Prophecy-Productions-Releasejahr 2015 aufzuhübschen, sondern eben auch ein deutsches Black-Metal-Monument abzuliefern, das eigentlich alles kann bzw. das volle Kreativpotenzial ausschöpft. Zum Zeitpunkt der Rezension dazu war ich erstaunt, wie immens ein Album über einen gewissen Zeitraum wachsen und was soll ich sagen? Ich bin es immer noch, weswegen die volle Punktzahl weiterhin mehr als nur gerechtfertigt erscheint. Ähnlich ging es mir übrigens auch mit "Nattramn" von EREB ALTOR, das ich in all meiner Schusseligkeit an dieser Stelle fast vergessen hätte. Kann passieren :)

Doch das Jahr 2015 hielt auch noch einige weitere Überraschungen bereit:

PARADISE LOST nähren sich auf "The Plague Within" wieder an ihren eigenen Wurzeln, bringen diese alten Neuerungen oder neuen Alterungen zum richtigen Zeitpunkt (der Stil der beiden hochklassigen Vorgänger hätte auf einem weiteren Album Abnutzungspotenzial gehabt) und geben damit auch ein Statement an all jene ab, die das nicht mehr für möglich gehalten hätten. Eine gehörige Ansage stellte auch "Songs From The North I, II & III" von den Finnen SWALLOW THE SUN dar, die mit ihrem Konzept glücklicherweise nicht auf die Gosche geflogen sind, sondern mir nichts dir nichts ein beeindruckendes, dreifaches Schwermutpaket geschnürt haben. Gleiches gilt übrigens auch für die Rückkehrer SHAPE OF DESPAIR und ihr "Monotony Fields" sowie für AHABs "The Boat Of Glen Carrig" und MOURNING BELOVETHs "Rust & Bone". Großartig zurückgekehrt sind CHILDREN OF BODOM, deren "Hatebreeder" und "Something Wild" zwar immer noch ungeschlagene Metal-Klassiker sind, sich mit "I Worship Chaos" aber fabelhaft verstehen. Und MOONSPELL funktionieren auf "Extinct" auch als Gothic-Rock-Band mit Hang zu orientalischen Klängen prächtig, was will man also mehr? Die Portugiesen sind so unglaublich wandlungsfähig und trotzdem immer wieder sie selbst.

Behaupten, mit einem Album ein ganzes Genre deklassiert zu haben, können heuer "nur" PARKWAY DRIVE. "Ire" ist nicht nur abwechslungsreich und klischeefrei, sondern einfach auch grandios komponiert. Die Australier ballern auf diesem einen Album so viele gute Ideen raus, wie sie nicht mal gefühlt 234628374 amerikanische Scenecore-Kaspertruppen zusammen auf die Reihe kriegen würden. Vielleicht sehe ich das exklusiv so, aber wenn man sich einige 2015-Releases so rauspickt, ist das eine nicht ganz so gewagte These, würde ich meinen. Ähnliches gilt eigentlich auch für BRING ME THE HORIZON und "That's The Spirit", aber deren kürzliche Live-Darbietung war so dreist und schlecht (extrem kurze Spielzeit, extrem viel Playback, extrem viel Lustlosigkeit), dass es schon einen gewissen Nachgeschmack hatte.

Um noch ein paar weitere richtig gute Alben (und EP's) zu nennen (ist eher eine Sache der Länge meines Beitrags als Sache der Lust, dass ich nicht ausführlicher darauf eingehe):

  • CATTLE DECAPITATION: "The Anthropocene Extinction"
  • MARDUK: "Frontschwein"
  • PERIPHERY: "Juggernaut Alpha/Omega"
  • NORTHLANE: "Node"
  • MGLA: "Exercises In Futility"
  • GRAVEWORM: "Ascending Hate"
  • DER WEG EINER FREIHEIT: "Stellar"
  • PANOPTICON: "Autumn Eternal"
  • ALDA: "Passage"
  • GRAVE PLEASURES: "Dreamcrash"
  • ( D O L C H ): "I & II"
  • URFAUST: "Apparitions"
  • FOREFATHER: "Curse Of The Cwelled"
  • CRYPTOPSY: "Tome I - The Book Of Suffering"


Bestes Cover? Zweifelsohne für mich folgendes (betreffend Message und Wirkung):

Bleibt bei den positiven Erwähnungen nurnoch mein Newcomer des Jahres:

SELVANS (Italien, Avantgarde Music) mit ihrem überragenden Debütalbum "Lupercalia", die großartigen Atmospheric Black Metal zelebrieren, der zwischen mystisch-folkigen Klängen und schneidendem Schwarzmetall pendelt und exorbitant stimmungsvoll auf den Hörer einwirkt. Unbedingt auschecken!

Und die Flops? Da gab's eigentlich nur einen... nee, sogar zwei ganz besonders große Flops:

1. SALTATIO MORTIS: Keiner anderen Band gelang es bisher so schlecht, ihre eigene Doppelmoral zu verstecken, wie den einstigen Mittelalterrockern, die sich auf "Zirkus Zeitgeist" seichter Deutschrock-Berieselung hingegeben haben. Wäre natürlich nur halb so schmerzhaft, wenn da nicht diese peinlichen Texte und Aussagen der Band wären. Vielleicht wollen sich die Jungs auch nur selbst durch den Kakao ziehen? Immerhin sind Satire und Selbstkarikaturen angesagt. Nee, das kann's nicht sein. (Weihnachts-)Kommerz, Zeitgeist und allerlei Missstände anprangern kommt bei den Fans natürlich immer gut, aber gerade hier herrscht eine Diskrepanz zwischen Realität und Lyrik, dass einem speiübel wird. Warum? Weil sie alle paar Wochen neue Merchkollektionen hervorbringen, die mittlerweile auch Kuscheltiere, Actionfiguren und Weihnachtsmützen fassen. Weil sie kurz nach dem Albumrelease eine Akustikscheibe rausbringen, die andere Bands in ihren Digis (oder zumindest den "Fanboxen") unterbringen und die seltsamerweise auch noch kurz vor Weihnachten erscheint. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ein trauriger Niedergang einer Band, die auf "Das schwarze IXI" noch die perfekte Balance gefunden, auf "Zirkus Zeitgeist" aber zu viel des Guten vom Stapel gelassen hat. Kurz gesagt: Wäre ja alles völlig uninteressant, würden die Herren weiterhin düstere Mittelaltergeschichten u.Ä. von sich geben und nicht diesen pseudo-rebellischen Schwachsinn, der weder Hand noch Fuß hat. Und Kritik aus den eigenen Reihen? Ist bei der Band selbst unerwünscht und wird entweder mit dem Löschen des Beitrags oder arroganter Blafferei entlohnt. Glaubt ihr nicht? Facebook hat die Antworten. Aber wenn's die Fans mitmachen, nech...? Da kriegt man zu hören, dass die Band ja auch von irgendwas leben müsse. Puh, kleiner Tipp: An diesem Punkt angelangt, seid ihr nicht mehr allzu weit vom sektenhaften Verhalten entfernt.

2. BEYOND THE BLACK: Was soll man hierzu eigentlich noch sagen? Quasi das Gegenteil von SELVANS, der ekelhafteste Newcomer. Das Konzept hinter dieser Band tritt so vielen ehrlichen Künstlern in den Rücken, die sich mit viel Fleiß und Leidenschaft emporgekämpft haben. Egal ob NIGHTWISH, EPICA, WITHIN TEMPTATION aus selbigem Genre oder Interpreten aus anderen Richtungen. Musikalisch sicherlich ganz nett, ja, aber Musik sollte nicht als reines Konsumgut gelten. Ein bisschen darf man sich damit dann doch beschäftigen/auseinandersetzen, ohne direkt zum extremistischen Szenepolizisten zu mutieren. Sonst braucht man sich auch nicht über DSDS und Konsorten beschweren.

Was erwarte ich vom kommenden Jahr?

Für 2016 bleibt zu hoffen, dass es abermals haufenweise tolle Releases hagelt, oder? Besonders sehnlich erwarte ich u.a. MOONSORROW mit "Jumalten Aika" und BORKNAGAR mit "Winter Thrice", aber es stehen auch wieder einige vielversprechende Newcomer an, ihr Talent zu beweisen. Erfahren werdet ihr's sowieso hier auf Stormbringer.at, auf bald! :)

 



Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Jahresrückblick der Stormbringer-Leser
Seite 3: Redaktionsrückblick: Anthalerero
Seite 4: Redaktionsrückblick: Daniel Laich
Seite 5: Redaktionsrückblick: Florian Rosenberger
Seite 6: Redaktionsrückblick: Kalti
Seite 7: Redaktionsrückblick: Lady Cat
Seite 8: Redaktionsrückblick: Luka
Seite 9: Redaktionsrückblick: Pascal Staub
Seite 10: Redaktionsrückblick: Reini
Seite 11: Redaktionsrückblick: Robert Fröwein
Seite 12: Redaktionsrückblick: Sabine Vollert
Seite 13: Redaktionsrückblick: Stefan Baumgartner
Seite 14: Redaktionsrückblick: Thomas Patsch
Seite 15: Redaktionsrückblick: Tom
Seite 16: Redaktionsrückblick: ADL


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