BANG YOUR HEAD FESTIVAL 2016 (Tag 1 & Warm Up Show)

Text: Thomas Patsch | Fotos: Gerhard Masuccio
Veröffentlicht am 24.07.2016

Nach dem letztjährigen Jubiläumsfestival stand heuer die 21. Ausgabe des legendären Open Air-Festivals an und auch heuer wurde im Vorfeld des Festivals wieder Kritik laut: "immer die gleichen Bands", "zu teuer" etc. Und tatsächlich...mit Ruhm bekleckerten sich die Veranstalter mit den Headlinern ICED EARTH, SLAYER und TWISTED SISTER nicht wirklich, spielten die Bands doch vor geraumer Zeit schon in diesem Theater. Aber die Veranstalter ließen im Vorfeld schon durchblicken: Knebelverträge, Spartenorierientierung (bzw. Abgrenzung zum hauseigenen Rock Of Ages-Festival) und ein generell immer härterer Konkurrenzkampf unter den wie Pilze aus dem Boden sprießenden, teils hochkarätig besetzten Metal-Festivals in Germanien setzen den Veranstaltern mehr und mehr zu. Dennoch schnürten die Veranstalter ein Gesamtpaket, das auch die heurige Anreise ins beschauliche Balingen mehr als rechtfertigte und tolle Überraschungen, solide Performances und nur wenige Enttäuschungen, vor allem aber eine breite musikalische Palette an Qualitätsstahl bereithielt.

Doch lest selbst im fast schon exzessiven und umfassenden (unglaubliche 41 der 47 Konzerte werden authentisch gefeatured) Livereport, bei dem mich dieses Mal nicht nur unser "alter Hase" Heinz Konzett und unser mittlerweile eingesessener, metalmäßig traditionell ausgerichteter Schreiber "G." (The German Tank) unterstützte, sondern erst-, aber sicher nicht letztmals auch die erfahrenen Szenehaudegen und Metalveteranen Andi Appel und Walter Scheurer ihre fachkundigen Beiträge lieferten bzw. ihre Sicht der Dinge schildern und zudem mit vielen anderen für ein wiederum spaßiges verlängertes Wochenende im Zeichen des Metal sorgten. Für die weiter hautnahe und allseits authentischen Dokumentation der von mehreren Experten bestätigten extraordinären Performance von TYKETTO haben wir schließlich noch Michaela Ober gewinnen können, die in der Halle als Zeugin dieses tollen Gigs fungierte. Für die adäquate In-Szene-Setzung fototechnischer Natur sorgte SB-Fotograf Fred sowie Gastfotograf Gerdsch, sodass einer starken Metalfete mit vielen geilen Gigs und der Nachberichterstattung von derselben nichts mehr im Weg steht, enjoy!

 

MITTWOCH (WARM UP SHOW, 13.07.2016)

Halle: SODOM, OVERKILL, RAGE, PRO-PAIN, NITROGODS

 

NITROGODS

Die Halle war schon gut gefüllt, als NITROGODS pünktlich die geschmackvoll ausgewählte Warm-Up-Show am Vorabend des Festivals eröffneten. Der Kick-Ass-Hard Rock der routinierten Band, immer mit einer MOTÖRHEAD und sogar leichter ROSE TATTOO-Schlagseite, überzeugte von Anfang an mit einem klaren Sound und einer motivierten, eingespielten Performance. Als am Ende dann "Ace Of Spades" erklang, waren alle Anwesenden zumindest am Mitwippen. Das Festival hatte nun definitiv begonnen. [Heinz Konzett]

PRO-PAIN

Kennt eigentlich jeder. Die Frage war nur, ob die Band mit ihrem Metal/Hardcore-Gemisch auf ein Festival wie das BYH passt. Zu eng sollte man das zwar nicht sehen, sind die New Yorker doch schon sehr lange dabei und spielen gefühlt jedes Jahr eine Euro-Tour mit eingekauften Supports. Gary Meskil hat dann auch wieder einige neue Side-Kicks in der Band (oder ich habe die Band schon länger nicht mehr gesehen, in AUT dürfen sie ja nicht mehr spielen…..). PRO-PAIN bestechen eigentlich immer mit ihrer Tightness. Geschwindigkeit ist nicht ihr Ding, der un-dynamische Shout-Gesang schon. Das Mid-Tempo Riffing hat durchaus Charme, keinen Song von ihrem Debut zu spielen weniger. Kann man sich antun, muss man aber nicht. Die große Anzahl an Fans außerhalb der Halle hatte sich für letzteres entschieden. Auch ok. [Heinz Konzett]

RAGE

Das kürzliche Line-Up Durcheinander und wer nun was spielt, RAGE mit und ohne Orchester oder alte RAGE mit REFUGE um das ehemalige Line-Up mit Manni Schmidt und Christos Efthimiadis - für eher Außenstehende mühsam, hier den Durchblick zu bewahren. Peavy ist und bleibt die Konstante, abgekürzt: er ist RAGE. Was am Warm-Up dann mit den „neuen“ RAGE dargeboten wird, ist erstklassig. Das liegt großteils am – wiederum nicht überraschend – neuen Gitarristen Marcos Rodriguez, der filigran sein Handwerk versteht und vor allem mit seiner überzeugenden Zweit-Stimme Peavy unterstützt. Und das wirkt sich positiv auf die Refrains aus, die nun mit einer gehörigen Power daherkommen ("Don’t Fear The Winter", "End Of All Days" oder bei "Black In Mind"). Gute Sache. Als Marcos dann "Holy Diver" anstimmt und singt, hat das ebenso Klasse. Ist ja nicht gerade der einfachste Cover-Song. "Higher Than The Sky" am Ende der Setlist wirbelt dann nochmal ordentlich in der mit-singenden Halle. Sehr guter Auftritt. [Heinz Konzett]

OVERKILL

Leider führe ich nicht Buch über meine Konzertbesuche, aber die Namen SODOM und OVERKILL würden darin verdammt oft auftauchen. Und womit? Mit Recht, zählen doch beide zur seltenen Gattung jener Bands, die live nie enttäuschen. Wobei speziell letztgenannte Ami-Thrasher für einige besonders legendäre Shows gesorgt haben. Jene beim BYH Warm Up zählt, das sei vorweggenommen, nicht dazu. Weder Tagesform noch Setlist wussten rundum zu überzeugen. Letztere ist natürlich immer eine Frage des persönlichen Geschmacks und ein „Luxusproblem“ aller Lieblingsbands, die mehr als ein, zwei Hits auf Lager haben. Dennoch hätte man sich den einen oder anderen neueren Track oder das nicht wirklich zwingende „Coma“ zugunsten „I Hate“ oder „In Union We Stand“(!) sparen können, aber immerhin gab´s „Rotten To The Core“, „Hello From The Gutter“, „Feel The Fire“ sowie ein saftiges Finale mit „Elimination“ und „Fuck You“.  Die Musiker – allen voran Sänger Bobby „Blitz“ Ellsworth, normalerweise bekanntlich eine Rampensau sondergleichen und einer der besten Live-Frontmänner im ganzen Biz – wirkten nicht ganz so agil wie zum Bleistift bei ihrem letzten Österreich-Gastspiel, bei dem Overkill gemeinsam mit einer euphorisierten Fan-Schar die „Szene Wien“ regelrecht zerlegten. Bleibt zu hoffen, dass die vergleichsweise mangelnde Frische der auch nicht mehr so jungen Herren nicht auf gesundheitlichen Problemen beruht; die Rockwelt musste in den letzten Wochen und Monaten genug Schicksalsschläge hinnehmen. Letztendlich ist all das hier aber Jammern auf sehr hohem Niveau, zumal OVERKILL auch an vermeintlich schwächeren Tagen 99% der Mitbewerber mit links wegpusten. [Andi Appel]

SODOM

Weiter ging es mit dem „Knarrenheinz“, der  in zweifacher (Backdrop-)Ausfertigung, in wechselndes, mystisches Licht getaucht, über der Bühne wachte. SODOM eröffneten mit dem knackigen „In War And Pieces” einen fulminanten Auftritt und untermauerten ihren Headliner-Status zu jeder Sekunde. Jene nach dem Opener gehörten – in dieser Reihenfolge - “Sodomy And Lust”, “The Saw Is The Law”, “Outbreak Of Evil” und “Nuclear Winter”. Noch Fragen? Danke, keine. Die Band erlebt mit einem unaufgeregten, aber auf den Punkt knüppelnden Line Up – Bernemann, Makka, Angelripper - ihren 13. Frühling. Den Status der von mir nicht minder geschätzten, jedoch stilistisch deutlich breiter agierenden Ruhrpott-Kumpels KREATOR werden sie wohl nie erreichen, dafür blieben SODOM 35 Jahre lang ihrem Sound und ihren Fans treu. Ohne sinnentleerte Auflösungen und Comebacks, ohne Experimente, ohne Kompromisse. Und im Unterschied zu „Ich will Euch töten sehen, Moshpit!“-Mille weiß Herr Engelschlitzer auch mit seinen wunderbar trockenen Ansagen zu punkten (an dieser Stelle ein Hinweis an die am selben Abend auftretenden, musikalisch durchaus akzeptablen Landsmänner NITROGODS: Ja, auch deutsche Musiker können witzig sein. Zumindest ein paar. Einige. Wenige. Manchmal. Hin und wieder. Eher selten. Eigentlich nur in Ausnahmefällen. Klammer zu). Auch die Dankesrede an die treue Anhängerschar fiel knapp, aber ehrlich aus. Weiter ging´s im edlen Thrash-Set, „M-16“, „Sacred Warpath“ (macht Lust aufs kommende Album), „Agent Orange“ und so weiter, und so fort. „Iron Fist“  beendete den regulären Set, „Remenber The Fallen“ und „Ausgebombt“ das würdige Finale eines hochkarätigen Warm Up Abends. Das Bang Your Head!!! 2016 war feierlich eröffnet und The Saw Is The Law! [Andi Appel]

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