15 vs. 25 Jahre LORDI - eine Retrospektive

Veröffentlicht am 03.01.2017

The Arockalypse und der Eurovision Song Contest

… nämlich, dass sich LORDI in den Kopf setzen, an der Vorausscheidung zum Eurovision Song Contest 2006 teilzunehmen. Zunächst sah man darin nur eine Chance an kostenlose Promotion zum bevorstehenden dritten Album „The Arockalypse“ zu kommen, doch die finnische Bevölkerung entschied sich dafür, die äußerst hübsche Band als Vertreter ihres Landes mit dem Titel „Hard Rock Hallelujah“ zum Song Contest zu schicken. Was danach folgte ist Geschichte – denn trotz aller Proteste von bigotten Spießern, stellte sich kurzerhand die komplette Metalwelt hinter LORDI, und votete die rockenden Monster völlig überraschend zum Sieg.

Den absoluten Irrsinn, der nach diesem nicht vorherzusehenden Ereignis losbrach, erfuhr ich, damals im Besitz einer kleinen, schwindligen Fanseite, am eigenen Leib. Kurzzeitig stand die komplette Welt Kopf, 80.000 völlig aus dem Häuschen befindliche Finnen stellten auf dem Marktplatz von Helsinki einen Karaoke-Weltrekord auf (das dazugehörige Willkommenskonzert wurde als DVD „Market Square Massacre“ auf den Markt geworfen), das Album räumte in Finnland Dreifach-Platin und in mehreren europäischen Ländern Gold ab, und die Konterfeie der Band waren auf einmal nicht nur auf T-Shirts, sondern auch auf Sondermünzen, Briefmarken, Getränkeflaschen, Süßigkeiten, Schulartikeln und Mistkübeln zu finden. Es gab Comics zur Band, ein eigenes Restaurant ("Lordi's Rocktaurant") wurde eröffnet und eine Biografie („Mie Oon Lordi“) auf den Markt geworfen.

Das plötzlich explodierende Budget der Finnen schlug sich nicht nur in einer großen Tour durch ausverkauften Hallen nieder, sondern auch in der Produktion von weiteren Musikvideos zu "Who's Your Daddy“, „It Snows In Hell“, und einem zweiten Video zum Debütklassiker „Would You Love a Monsterman“. Sogar ein abendfüllender Kinofilm mit den Monstern, der große Traum von Mr. Lordi, war auf einmal wieder im Gespräch.

Tracklist:
1. SCG3 Special Report (mit Dee Snider)
2. Bringing Back The Balls To Rock
3. The Deadite Girls Gone Wild
4. The Kids Who Wanna Play With The Dead
5. It Snows In Hell (mit Bruce Kulick)
6. Who's Your Daddy
7. Hard Rock Hallelujah
8. They Only Come Out At Night (mit Udo Dirkschneider)
9. Chainsaw Buffet (mit Jay Jay French)
10. Good To Be Bad
11. The Night Of The Loving Dead
12. Supermonstars

Nicht nur aufgrund des völlig überraschenden Siegs beim Song Contest sind viele nach wie vor der Meinung, dass „The Arockalypse“ das beste Album von LORDI ist. Tatsächlich ist der dritte Streich von „Gene Simmons missratenen Enkeln“ (O-Ton Mr. Lordi) – no na – das bekannteste und erfolgreichste Album der Monstertruppe, da es im Sog des Song Contest-Erfolges in einigen Ländern an die Spitze der Charts gespült wurde. Doch auch der Gaststar-Auflauf auf dem dritten Werk der Monster kann sich sehen lassen. Neben Wort- bzw. Gesangsspenden von Dee Snider (TWISTED SISTER) und Udo Dirkschneider (ACCEPT, U.D.O.), wartet das Scheibchen auch noch mit zwei grandiosen Gitarrensoli von Bruce Kulick (KISS, UNION) und Jay Jay French (TWISTED SISTER) auf.

Generell machen LORDI auf „The Arockalypse“ so ziemlich alles richtig, das man richtig machen kann. Neben kratzig-harten Songs wie dem Opener „Bringing Back The Balls To Rock“, gibt es eine ganze Palette an Rock-Ohrwürmern aufs Öhrchen, die mit fettem Bass (auf dem Album noch vom ausgeschiedenen Bassisten Kalma eingespielt), sägenden Gitarren und mächtigen Drums klotzen, und nicht kleckern. Produzent Jyrki Tuovinen werkte mit der Band ein halbes Jahr lang im Studio, was sich, hört man das Endprodukt, wahrhaft ausgezahlt hat.

Was natürlich nicht fehlen darf, dass LORDI verteilt auf den gesamten Longplayer, Seitenhiebe und Verweise auf die musikalischen Idole und Lieblingshorrorfilme der Band einbauen, die dem wissenden Hörer ein breites Grinsen aufs Gesicht zaubern. Das „Chainsaw Buffet“ ist angerichtet, und lädt den Konsumenten dazu ein, sich kräftig an den rockigen Songs im 80er-Style zu bedienen. Dass sich LORDI im Rausschmeißer-Titel auch noch sinngebend als „Supermonstars“ betiteln, darf man mit schmunzelndem Kopfnicken zur Kenntnis nehmen, haben sie doch mit „The Arockalypse“ ein wirklich bockstarkes Album auf die Beine gestellt, das nicht nur wegen des überraschenden Siegs bei der europäischen Sangesveranstaltung Erfolge einfuhr.

Doch so wie das Leben nunmal ist, währt nichts ewig, und der Erfolg ruft Neider und Hater auf den Plan...


Gitarrist Amen in München, 2006 (© lordicted.at)

 


 

Einleitung
Bend Over And Pray The Lord - Die Anfänge
Get Heavy - Das Debüt
The Monsterican Dream - Träume eines Monsters
The Monster Show
The Arockalypse und der Eurovision Song Contest
Deadache - Schwierige Zeiten
Zombilation & Dark Floors
Babez For Breakfast - Der Abstieg und ein Hoffnungsschimmer
Scarchives Vol. 1 - Rückblick und ein Neubeginn
To Beast Or Not To Beast - Sein oder Nichtsein?
Scare Force One & Monsterimies
Monstereophonic - Zurück zu den Wurzeln
...und es gibt sie noch immer! - Ein Fazit


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