Das Metalmuseum: DISTURBED - The Sickness

Veröffentlicht am 25.03.2017

Looking at my own reflection
When suddenly it changes
Violently it changes (oh no)
There is no turning back now
You've woken up the demon in me

 

Ich betrachte meine eigene Reflexion,

als sie sich plötzlich verändert,

sie sich heftig verändert (Oh nein!)

Jetzt gibt es kein zurück mehr,

du hast den Dämon in mir erweckt

 

DISTURBED – Down With the Sickness (2000)

 

 

Die 2000er – eine verrückte Zeit. Eine Zeit voller Umschwünge. Sowohl im Alltagsleben, als auch in der Welt der Musik veränderte sich einiges, ob das nun gut war, darüber scheiden sich vor Allem in unserer geliebten Community bis heute die Geister. Worüber ich rede? Nun ja, die Welt der Musik wurde in den späten 90ern und frühen 2000ern vor Allem durch ein aufkommendes Phänomen in Atem gehalten, das wir heute als Nu Metal kennen, ein Begriff, der bei Leuten wie Joey DeMaio wohl auch noch heute hysterische Schreikrämpfe im negativen Sinne auslösen könnte. (Anm. d. Lekt.: Und wahrscheinlich nicht nur bei dieser Sorte Metaller...) Nichtsdestotrotz brachte diese Zeit mit Bands wie beispielsweise LIMP BIZKIT oder KORN einige Namen auf den Plan, die teils auch noch heute über den Genre-Horizont hinaus bekannt, und bei vielen auch beliebt sind. Neben diesen üblichen Verdächtigen sollte man aber nicht vergessen, dass auch eine der heute bekanntesten Bands der heutigen Welt ihre Anfänge in dieser bizarren Zeit des Umschwungs hatte. Vom wem ich rede? Natürlich von DISTURBED, die sich jüngst ja auch außerhalb der Welt des Metal einen Namen machen konnten (auch wenn die meisten der neu dazugewonnenen Fans wohl genau einen Song der Band kennen, was eigentlich schade ist). Sei es wie es sei, DISTURBED haben sich seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts als eine der beständigsten und erfolgreichsten Vetreter der „härteren Musik“ etabliert und die Band macht auch keine Anstalten, von ihrem Pfad des Erfolgs so schnell wieder abzuweichen. Dieser Weg des Erfolgs zeichnete sich erstmals im März 2000 auf ihrem Debütalbum „The Sickness“ ab, welches schon damals zeigte, dass DISTURBED etwas Besonderes an sich haben. Was dieses „besondere Etwas“ genau ist, das kann bis zum heutigen Tage wohl niemand ganz genau festlegen und es wird vielleicht auch immer ein wohlgehütetes Geheimnis bleiben. Vielleicht lässt sich dieses Phänomen von einigen aber besser verstehen, wenn wir noch einmal in die Vergangenheit tauchen und die Wurzeln der Band unter die Lupe nehmen. Starten wir also erneut die Zeitmaschine und werfen einen Blick auf das Album, mit dem alles begann: „The Sickness“.

 

Bevor man jedoch vorschnell über das Album selbst spricht, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass der Aufstieg von DISTURBED nach Angaben von Frontman David Draiman nicht so über Nacht kam, wie es den Anschein hat. Tatsächlich berichtet der Sänger der Band in einem Interview mit Loudwire, dass hinter dem Erfolg, der anscheinend so plötzlich aufkam, in Wirklichkeit jahrelange harte Arbeit lag. Damals war das Internet noch nicht das riesige Medium, das es heute darstellt, damals hieß es noch selbst Hand anlegen und sich die Aufmerksamkeit der Fans verdienen! Langsam aber stetig arbeitete sich die Band von einem kleinen lokalen Act in der großen Stadt Chicago hoch, bis sie schließlich unter den Fittichen von Giant Records ihr erstes Album veröffentlichen konnten. Doch auch „The Sickness“ sollte die Band nicht sofort zum Welterfolg führen, tatsächlich blieb der richtig große Erfolg mit den ersten beiden Singleauskoppelungen vorerst aus. Erst einige Zeit später schaffte es ein Lied des Albums, die Karriere der noch jungen Band wirklich zu beflügeln, welches Lied dies war ist wohl kein großes Geheimnis: Es handelte sich dabei um das für lange Zeit bekannteste Lied von DISTURBED und wohl auch das Lied, welches als erstes mit den vier Männern aus Chicago assoziiert wird: „Down With the Sickness“. Das Lied ist und bleibt bis heute ein Phänomen, doch dazu später mehr. Nach diesem ersten wirklich großen Erfolg nahm die Karriere der Band erst richtig Fahrt auf, eine Fahrt, die Fans rund um den Globus bis heute mit Musik versorgt.

 

 

Das heutige Erfolgsrezept von DISTURBED ließ sich bereits auf ihrem ersten Release ablesen: Ein vorerst recht eigenwilliger, aber dennoch packender Sound, der seinen Reiz nicht zuletzt aus einem gut abgestimmten Zusammenspiel des Gesangs und des Instrumentalparts zieht. In der Anfangsphase der Band war genannter Sound allerdings noch wesentlich roher und auch direkter, als auf späteren Alben. Man merkt deutlich, dass sich in jener Zeit noch wesentlich mehr an der damaligen Musiklandschaft orientiert wurde, so weist „The Sickness“ im Vergleich zu späteren Alben wie „Indestructable“ noch wesentlich mehr Inspiration aus der Nu Metal-Szene auf, was bei einigen Songs stärker, bei anderen weniger stark ins Gewicht fällt. Ebenso ist zu bemerken, dass der sich damals bereits abzeichnende Stil der Band, der seine ganz eigene Härte durch die kraftvollen Vocals von David Draiman erhält, noch wesentlich mehr Ecken und Kanten aufwies, als heutzutage. Das Konzept der Band schien an einigen Stellen noch unausgereift, so mag der Song „Conflict“ beispielsweise anfangs noch einen gewissen Charme bieten, nach einiger Spielzeit beginnt das immer wieder monoton gegröhlte „Enemy!“ allerdings zu nerven. Oftmals werden vielsprechende Stilmittel, wie der kennzeichnende, gewürgte Schrei, der von der Band gerne für das Aufputschen der Hörer verwendet wird, hier noch viel zu exzessiv eingesetzt. Die Idee ist zwar nett, aber hier gilt, wie bei allem Anderen auch: Die Menge macht das Gift. Wenn dasselbe Stilmittel in 3 Songs hintereinander immer wieder auf dieselbe Art verwendet wird, dann beginnt es irgendwann, seine Ausdruckskraft zu verlieren. Das mag jetzt alles sehr negativ klingen, doch sollte man eines nicht vergessen: Im Jahr 2000 handelte es sich bei DISTURBED noch um eine relativ junge Band, die aber schon damals ein im Grundsatz sehr solides Konzept für ihre Musik aufweisen konnte, was längst keine Selbstverständlichkeit ist. Die Mixtur, die hier geboten wird, ist durchaus interessant und konnte schon damals viele begeistern, wie der bis heute nachhallende Erfolg von „Down With the Sickness“ beeindruckend unter Beweis stellt.

 

Down With the Sickness“ ist wohl auch der Song, den die meisten älteren Hörer der Band mit den Musikern aus Chicago verbinden, zumal er all das hat, was die Band ausmacht. Der Song ist ist eingängig, wenn auch eintönig. Er ist mitreißend, er ist rhythmisch. Er bewegt die Massen bei Konzerten und schweißt sie zusammen, wie es sonst nur "10000 fists in the air" tun könnten. Zu der musikalisch stimmigen Mischung gesellen sich hier im Gegensatz zu späteren Songs der Band noch agressivere, wütendere Lyrics, die das Blut mit ihrer ungezügelter Darbietung zum Kochen bringen. Was braucht man mehr für ein mitreißendes , wildes Live-Erlebnis mit Gleichgesinnten? Richtig, relativ wenig! DISTURBED haben mit ihrem ersten wirklich großen Erfolg einen für die meisten unwiderstehlichen Kopfnicker geschaffen, der bis heute wohl für viele der Einstieg in die Musik der leicht härteren Gangart ist, wofür sie Respekt verdienen.

 

Was bleibt letztendlich über das Debüt von DISTURBED in der Welt der Musik zu sagen? Es ist mit Sicherheit kein vollends rundes Werk, dem bis heute nichts und niemand das Wasser reichen kann, doch ist es erinnerungswürdig. Die Band aus Chicago hat unter Beweis gestellt, dass man sich mit harter Arbeit und dem nötigen Biss auch unter schwierigen Startbedingungen die Karriereleiter hochkämpfen kann, sie sogar bis zur letzten Sprosse erklimmen kann, um letztendlich an der Spitze zu stehen und von Tausenden und Abertausenden bewundert zu werden. Man kann von der Band und dem Voranschreiten in ihrer Karriere halten was man will. Dass sich die Mitglieder von DISTURBED anscheinend langsam aber sicher auf ihren Lorbeeren auszuruhen beginnen, ohne noch wirkliche Innovationen in ihrer Musik zu bringen und stattdessen Altbekanntes immer wieder aufleben zu lassen, muss keinem gefallen. Doch darf man ihnen auch nicht aberkennen, dass sie bis heute die Massen zu begeistern wissen und nach wie vor eine Kraft im Musikgeschäft sind, mit der man rechnen muss. Die Band hat sich ihren Platz ganz oben erarbeitet und wird ihn so schnell auch nicht wieder hergeben, so viel steht fest.

 

 

 


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