Flusensieb #8 – 10 kurze Reviews

Veröffentlicht am 15.06.2017

Was nicht alles im Flusensieb des Stormbringers hängenbleibt! Zehn wundervolle bis fürchterliche Skurrili- bis Normalitäten sind es auch diesmal. Aus dem Brutal Death Noise Metal geht es durch perverse Frank-Zander-Ästhetik zur Gedärm-Terrine, dann am weiß-grauen Nichts abbiegen, die Heavy-Metal-Kinder passieren, die Hightech-Sense schnappen, ein paar Fliegenpilze bezüngeln, mit Entsetzen Bienchen und Blümchen anstarren, aber dann schnell am böse gewordenen Wall-E vorbei – in einem einzigen Satz! Viel Spaß!

 

INTESTINAL DISGORGE – Life Sucks and I Blame You

Der gute alte Death Metal ist Ihnen zu zahm geworden? Auch Brutal Death Metal klingt für Sie noch zu sehr nach sommerlichem Alm-Idyll? Dann upgraden Sie jetzt auf Brutal Death Noise Metal! Mit der EP „Life Sucks and I Blame You“ von den ungemütlichen Texanern INTESTINAL DISGORGE zeigen Sie Ihren Nachbarn, dass Ihr bisheriger Musikgeschmack noch ein freundlicher Kompromiss war. Mit ganzen elf Songs in weniger als elf Minuten zeigen Sie, warum die Polizei sich neuerdings mit Rockerbanden verbündet, um Sie von derartiger Ruhestörung abzuhalten – erfolglos! Das ist keine Musik mehr! Das ist noch nicht mal mehr Krach! Das ist nur noch genial! (jazz)

 

NACHTGREIF – Dunkle Materie

Aus dem Kuriositätenkabinett: Die perversen Onkel von NACHTGREIF waren sich bei der Promotion nicht ganz einig, ob sich ihr Album mit dunkler Magie oder Materie beschäftigt. Unter Zuhilfenahme längst verdrängter Frank-Zander-Ästhetik, schnupft der chronisch nasenverstopfte Frontmann seine rammsteinesquen Altherrenfantasien ins Mikro. Trauriges Highlight der Musikvideos ist eine junge Geigenhalterin, die beschämt zu Boden blickend weiß, dass gar keine Geige vorkommt. P.S.: Falls deine Tür von innen keine Klinke hat, gib uns einen Hinweis. Wir holen dich da raus! (DH)

 

ROMPEPROP und GUINEAPIG – Rompeprop / Guineapig

„Rompeprop / Guineapig“ ist eine zweigeteiltes Split-Mini-Irgendwas, bei dem die beiden Bands jeweils zwei Songs spielen. Die niederländischen ROMPEPROMP produzieren Klänge, die Volksmusik, Kinderserienintros und Aliensoftporn assoziieren lassen, und recht monoton dahergeprügelten Goregrind umgeben, der aber von dem gluckerndsten Ultratiefsee-Gegurgel begleitet und dadurch besonders hörenswert wird. Die italienischen GUINEAPIG sind in ihrer Interpretation des allseits beliebten Genres Goregrind etwas mainstreamiger und knüppelgrunzen dem Hörer ein wenig unspeziell, aber mit Wucht aufs Trommelfell. Eine 10-Minuten-Terrine voller Gedärm! (jazz)

 

AFAR – Selfless

Eine Schneebedeckte Landschaft ziert das Cover von „Selfless“. Flach, unspezifisch und weiß-grau, wie man sie auf keiner Postkarte findet. Das winterliche Nichts der Bedeutungslosigkeit. Passend dazu der atmosphärische Black Metal von AFAR, die mit ihrem Debütalbum ein ruhiges und doch hartes, wütendes, aber noch viel mehr verzweifeltes Gefühl erzeugen, das in seiner unaufgeregten, aber treffenden, quälenden, aber akzeptierend-verständnisvollen Art vielleicht nicht ganz therapeutische Qualität hat, aber dafür wie ein tröstender Freund den Arm um dich legt und sagt: „Fuck, alter, ich weiß genau, wie du dich fühlst!“ (jazz)

 

HEAVY METAL KIDS – Hit the Right Button

HEAVY METAL KIDS ist eine britische Punkband, die ihren Namen William S. Burroughs „Nova Express“ entlehnte. Nach dem Drogentod des charismatischen Sängers Gary Holton 1985 löste sich die Band auf, ist nun aber seit rund 15 Jahren wieder aktiv, allerdings nur mit einem originalen Mitglied. So sehr man sich auf „Hit the Right Button“ auch bemüht - man lieferte ein passables, aber zahmes Rockalbum ab - es klingt nicht wirklich nach den HEAVY METAL KIDS. Die sind gemeinsam mit Holtons rotziger Attitüde gestorben. Wer dieser Inkarnation unvoreingenommen begegnen kann, sollte Songs wie „Crool World“ oder „I Walk Alone“ eine Chance geben. (BS)

 

SO THIS IS SUFFERING – Palace of the Pessimist

Stark und groß, düster und unausweichlich schwingt der Tod seine Sense, die technisch äußerst hochwertige Scythe 3000 mit mathematischer Schwingbeschleunigung, 27 ausfahrbaren Zusatzklingen und stumpfer Breakdown-Rückseite. Das ist der Technical Deathcore von SO THIS IS SUFFERING auf dem recht kompakten, aber äußerst verdichteten zweiten Album im voller Länge: „Palace of the Pessimist“. Aus Kalifornien heraus dringen somit gleichsam hochwertige Technik und durchdringende Brutalität – evil genius! (jazz)

 

TUSMØRKE – Hinsides

TUSMØRKE sind psychedelische Folk-Prog-Zauberer aus Troll-Land – geboren Mitte der 90er-Jahre während einer schamanischen Räucherzeremonie, bei der Fliegenpilze durch fröhliches Flötenspiel zunächst angelockt und dann zufrieden lächelnd bezüngelt wurden. Nach dem Anhören von „Hinsides“ befindet man sich in einem umfassenden Zustand purer Glückseligkeit, als wäre man soeben, von einem flauschigen Rehkitz geküsst, auf einer tauglitzernden Waldlichtung erwacht. Wunderwunderschöne Musik für Reisende, die einen freundlichen Bewohner des Waldes als Kraft-Tier gewinnen möchten. Meines ist die magische Erdhummel (Bombus Terrestris Tusmørke). (DH)

 

GAPE – Exploit the Moist

Die nun folgende Band hat den geschmackvoll-zurückhaltenden Namen GAPE gewählt und exploriert auf ihrem Slamming-Brutal-Death-Metal-Album „Exploit the Moist“ die Welt der Bienchen und Blümchen. Allerdings kann es sein, dass es hier nicht nur um ein Bienchen geht. Und was macht das Bienchen mit der ganzen Faust? Ist das überhaupt die richtige Seite des Blümchens? Sicher, dass das da reingehört? Und das? Und das auch noch? Ach so, das Blümchen sammelt Fetische. Und das Bienchen … Nein, das geht zu weit! Mach das aus! Mach das weg! Hilfe! Also … also … also, das ist jetzt aber wirklich nicht mehr normal! Gibt es denn gar keine Grenzen mehr? (jazz)

 

ARTIFICIAL BRAIN – Infrared Horizon

Wenn der Film um den putzigen kleinen Aufräumroboter Wall-E keine Jugendfreigabe erhalten hätte, könnte er in direkter Verbindung zu „Infrared Hurizon“ stehen. Denn ARTIFICIAL BRAIN ballern dem Hörer die volle Breitseite der Death-Butalität in die Gehörgänge, grunzen dabei dumpf und heftig wie grauenerregend schiefgegangene Mutantenexperimente, bleiben aber technisch hochwertig und interessant. So klingt vielleicht die Wut eines gar nicht so putzigen Aufräumroboters, dessen große Liebe von Menschen zerstört wurde, denen er nun ewige Rache und Auslöschung geschworen hat – na dann gute Nacht! (jazz)

 

BEAST MODULUS – Being

Weil das sonstige Bildergewerfe in diesem Reviewchen keinen Platz findet, da der angematchcorete Metalcore-Groove-Metal in einer Mischung aus LAMB OF GOD und THE DILLINGER ESCAPE PLAN, den BEAST MODULUS auf ihrem leider sehr kurz geratenen Eigenproduktions-Album „Being“ präsentieren, zu vielseitig und – bis auf in einigen enervierend unpassenden Klargesang-Momenten – auch durchweg überdurchschnittlich stark ist, bekommen die vier talentierten New Yorker den ersten Flusensiebeintrag, der nur einen einzigen, leicht verschachtelten Satz lang ist – tadaa! (jazz)

 

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