BANG YOUR HEAD FESTIVAL 2017 (Tag 1 & Warm Up Show)

Veröffentlicht am 26.07.2017

Nach dem Berichtsoverkill von letztem Jahr (Warm Up-Show, Tag 1, Tag 2, Tag 3) wäre eigentlich Gesundschrumpfung angesagt gewesen, dennoch artete auch heuer sowohl die Anzahl der konsumierten Shows (rund 2/3 der Acts), als auch der Schreibfluß erneut aus, zudem ist der offizielle BYH-Berichterstatter Walter wieder mit am Start, sodass wiederum der Großteil des Festivals ausreichend dokumentiert wird. Leider musste der etatmäßige Stormbringer-Fotograf kurzfristig absagen, dank beherzter Fotografen, die sich dort bewegen, wo der Metal stattfindet, nämlich vor den Bühnen dieser Welt, kann der Livereport dennoch – zwar nicht mit Profi-Equipment, aber mit umso mehr Herzblut abgelichtet - bebildert werden.

Das Bang Your Head präsentierte sich einmal mehr mit perfekter Organisation (Bonausgabe und Getränkeversorgung ohne Wartezeiten, Essensauswahl etc.), lediglich die unisono bekrittelte überschaubare Anzahl an Sitzgelegenheiten macht ein 3-Tages-Festival (plus Warm Up-Show am Mittwoch) vor allem für Menschen des durchschnittlichen Alterschnitts der BYH-Besucher nicht gerade zum Honigschlecken und auch die Bandauswahl sorgte für diverse Diskussionen unter den Besuchern (schon wieder Band xy?). Mit perfektem Festivalwetter und zahlreichen tollen Auftritten, vielen High- und wenigen Lowlights lohnte sich der Besuch dieser Metal-Großkampfveranstaltung (inkl. Warm Up 45 Bands) dennoch, auch für fast jeden Metal-Musikgeschmack war etwas geboten.
 

MITTWOCH, 12.07.2017 – WARM UP SHOW

DEATH ANGEL, SANCTUARY, BLOODBOUND, ANGEL DUST, STORMWARRIOR (Halle)

STORMWARRIOR
Die Hamburger lieferten den idealen Kick-Off des heurigen Festivals. Hymnisch, schwermetallisch und kraftstrotzend wurde der nordischen Sagenwelt gehuldigt und die ganze Bandbreite der einschlägigen Begrifflichkeiten („Valhalla“, „Ragnarök“ & Co.) mitverwurstet. Die vier „Odin´s Warriors“ geigten für die zahlreichen jubelnden „Steelcrusaders“ im Publikum auf und lieferten ein knackiges Hymnenprogramm ab, bevor man mit „Heading Northe“ als Gewinner die Bühne verließ.

Der Sturm aus dem Norden Deutschlands...STORMWARRIOR

ANGEL DUST
Diese Auflage nahmen die Teutonen Power Metaller dankbar auf und nützten die Heimspielbedingungen für sich. Alte Speed-Zeiten wurden zwar nicht berücksichtigt, aber die Erfolgsalben vermochten dem Metalvolk trotz des viel zu bollernden Sounds (der sich später normalisieren sollte) zu gefallen, wie die anfeuernden „ANGEL DUST“-Sprechchöre untermauerten. Die Hüpf-Einlagen und „Un, Dos, Tres, Cuatro“-Ansagen waren zwar einigermaßen deplatziert, dennoch entschädigten etwa „Bleed“ (hier war auch das Keyboard besser zu hören), „Border Of Reality“ und Co. für diese Faux-Pas. Danach war eine Pause angesagt, ideal bei BLOODBOUND, die man erst jüngst (im Vorprogramm von SABATON) erleben durfte.

Das Publikum feierte den melodischen Power Metal von ANGEL DUST

SANCTUARY
Nach dem gelungenen 2013er Auftritt auf der Hauptbühne konnte man dem Hallengig von Warrell Dane und seinem Gefolge positiv entgegenblicken. Das neue „Arise And Purify“ bildete einen idealen Einstieg für die Altmitglieder Lenny Rutledge und Dane. Und auch in weiterer Folge sollte der an Gitarre und Bass mit neuen Leuten besetzte Fünfer keinen Schiffbruch erleiden, auch wenn man mit dem famosen „Battle Angels“ ein gesanglich doch recht großes Wagnis einging. Doch wer wagt, gewinnt bekanntlich und der Fünfer konnte den Auftritt auf der Habenseite verbuchen.

Die gesanglichen Spitzen wurden gekonnt umschifft und so konnte man sich neben dem neuen Material an (Hochton-)Krachern wie „Die For My Sins“, „Soldiers Of Steel“ oder den stimmlich gefälligeren „Future Tense“ oder „Taste Revenge“ erfreuen. Warum das Cover „White Rabbit“ immer noch angesagt ist, will mir nicht ganz einleuchten,  doch der Blick auf die restliche Setlist stellte die Fanschar zufrieden! Sehr gelungene Aufwärmrunde für den Headliner mit einem Paket voller Stahl-Epen!

SETLIST: Ad Vitam Aeternam/Arise And Purify/Let The Serpent Follow Me/Die For My Sins/Seasons Of Destruction/Future Tense/White Rabbit (JEFFERSON AIRPLANE-Cover)/Question Existence Fading/Frozen/The Year The Sun Died/Battle Angels/The Mirror Black/Eden Lies Obscured/Soldiers Of Steel/Taste Revenge

SANCTUARY lieferten ein Stahl-Epos nach dem anderen

DEATH ANGEL
So oft man sie schon live erlebt hat (etwa vor zwei Jahren an gleichem Orte), enttäuscht wurde man von den legendären Thrashern eigentlich noch nie, und auch heute wurden DEATH ANGEL ihrem grandiosen Live-Ruf wieder absolut gerecht. Ein Leichtes mit einem Frontmann wie dem quirligen Bühnenprofi und Sänger Mark Osegueda, doch auch der Rest der Belegschaft gab amtlich Gas. Thrash-Classics wurden in weiterer Folge abseits von „Kill As One“ zwar keine aufgeboten, doch überzeugten die Bay Area-Thrasher mit einem Potpourri aus Mittelalter- und Neuzeitnummern und streuten zudem noch das BLACK SABBATH-Cover „Falling Off the Edge of the World“ aus der DIO-Ära ein. Gewagtes wie gelungenes Experiment.

Der als Gesamtpaket agierende, agile Fünfer thrashte amtlich und wurde der Headliner-Rolle heute mehr als gerecht, bis es plötzlich bereits 02:00 Uhr früh war, der Vorhang fiel und eine gelungene, abwechslungsreich durchmischte Warm-Up-Show würdig zu Ende ging und man mit DIOs „We Rock“ vom Band in die laue Sommernacht entlassen wurde.

SETLIST: The Ultra-Violence/Evil Priest/Claws In So Deep/Left For Dead/Father Of Lies/Caster Of Shame/Thrown To The Wolves/Seemingly Endless Time/Lost/Falling Off The Edge Of The World (BLACK SABBATH-Cover)/Kill As One/Relentless Revolution/The Moth

Energetisches Thrash Metal-Entertainment mit Mark Osegueda & Co.!


DONNERSTAG, 13.07.2017

SAXON, SATYRICON, VENOM, SLAUGHTER, ORDEN OGAN, GLORYHAMMER, TOXIK, CRYSTAL VIPER, KILLCODE (Open Air) / SEPULTURA, DENNER/SHERMANN, MANEGARM, DEMON, ECLIPSE (Halle)

CRYSTAL VIPER
Die Ehre der eigentlichen Festivaleröffnung fiel den Amerikanern von KILLCODE zu, die sich beim noch recht überschaubaren Publikum bestens empfohlen hatten, wie verlässliche Ohrenzeugen zu berichten wussten. Die traditionell ausgerichteten Metaller hatten sich bereits direkt vor der Bühne aufgepflanzt, um Marta und ihren Mannen gebührend Tribut zollen zu können. Diese ließen mit Titeln wie dem flotten Einstieg „The Witch Is Back“ oder dem großen „When The Sun Goes Down“ nichts anbrennen und überzeugten mit engagiertem Stageacting, Marta zudem mit einer guten gesanglichen Leistung.

Im Laufe der Jahre hat der polnische Vierer eine Reihe von memorablen Bandklassikern (etwa „Night Of The Sin“) geschrieben, welche am heutigen Tage die Songs vom starken letzten Album („Queen Of The Witches“) einrahmten. Bei besten Wetterbedingungen lieferten CRYSTAL VIPER ein starkes Konzert und entließen das Publikum mit dem Bonustrack „See You In Hell“, der tags darauf hier gastierenden GRIM REAPER.

Marta und ihre Mannen schenkten traditionell orientierten Stahl ein

TOXIK
Danach wurde es technisch weit anspruchsvoller. Die starken Tech-Thrasher TOXIK enterten die riesige Hauptbühne und sorgten ob der technischen Spielereien, Breaks und Geschwindigkeit bei vielen der Anwesenden für offene Münder, aber leider zu wenig Applaus. Die Soundbedingungen waren zwar nicht optimal, dennoch konnte – abseits der Saitenhexerei von Urmitglied Josh Christian – vor allem Sänger Charles Sabin (der den Zweitling „Think This“ einsang) das Maximum aus seiner Stimme herausholen und mit seinem Organ begeistern.

Auch zwei Songs von der in Kürze erscheinenden EP wurden präsentiert, ansonsten bestach die im Vergleich zum 2014er KIT-Gig an drei Positionen neu verstärkte Truppe mit bekannten Titeln wie dem hysterischen „Heart Attack“, „Greed“, „Spontaneous“, „Social Overload“ und vor allem dem geilen „Count Your Blessings“. Irgendwie war die Band auf der riesigen Bühne fehl am Platze, hier hätte ein Hallengig atmosphäremäßig weit mehr Sinn gemacht.

Auf der Open Air-Bühne deplatziert...die Tech-Thrasher TOXIK

ORDEN OGAN
Nach dem vom Publikum gefeierten bunten Klamauk mit GLORYHAMMER waren ORDEN OGAN, obwohl ansonsten teils in der Kategorie kitschig bis cheesy einzuordnen, eine richtige Wohltat. Die Deutschen brillierten vielmehr als ideale Festivalband. Mit Hymnen wie „F.E.V.E.R.“ oder „We Are Pirates“ und Titeln vom neuen Langholz „Gunmen“ vermochten sie sogar zahlreichen Nicht-Fans anerkennendes Lob abzuringen, was beim teils kritischen Publikum etwas heißen will. Ihre Anhänger feierten den von Fronter Seeb angeführten sympathischen Vierer ohnehin gebührend, sodass der vom größten Bandhit „The Things We Believe In“ beschlossene Auftritt als toller Erfolg gewertet werden darf.

Die geborene Festival-Band: ORDEN OGAN


SLAUGHTER
Die Poserrocker sollten für L.A.-Flair auf der Schwäbischen Alb sorgen und gleichsam einen bunten Farbklecks im wie immer recht deutschmetallhomogen gebuchten Programm sein. Nicht wenige freuten sich auf einen Auftritt von Mark Slaughter und seinen Mannen (die auch die Band von VINCE NEIL verkörpern) und auf ein gedankliches Revival Anfang der Neunziger, als die Band die letzten Züge der einstmals ganz großen Poser/Hairmetal/Glam-Phase begleitete.

Nach dem perfekten Opener „The Wild Life“ wurde ein Querschnitt durch das Semi-Hit-Programm geboten, das zwar gediegen und gefällig dargeboten wurde, bis auf die Verzückung der eingefleischten Fans aber keine Massenhysterie auslöste, um es einmal so auszudrücken. Klarerweise gab es auch die Ballade „Fly To The Angels“ zu hören, doch den großen Hit („Up All Night“) gab es erst am Ende des stimmigen Sets zu hören, bei dem neben Bandschef Mark Slaughter vor allem seine mächtig aufdeutende Band ein optischer und bewegungstechnischer Blickfang war.

Beschworen das Zeitalter des Poser/Hairspray-Hardrocks herauf: SLAUGHTER
 

VENOM
Gleich nach dem Ende des fantastischen ECLIPSE-Sets eilte ich nach draußen, um zumindest teilweise das Set der Jugendhelden VENOM mitzubekommen. Doch das taghelle Licht sollte – ebenso wie die gerade miterlebte Ausnahmeshow – meine (schweren Herzens getroffene) Wahl bestätigen. Jedenfalls standen heute die „richtigen“ VENOM auf der Bühne und nicht die Demolition Man-Version von Mantas und Abaddon (die hier keinen wirklich guten Eindruck hinterließen), rutschten aber im Vergleich zu ihrem 2012er BYH-Auftritt im Billing nach unten. Cronos und seine beiden Mitstreiter rumpelten und lärmten heute gegen das helle Licht an. Der Blick auf die Setlist verhieß nicht gerade eine Paradeshow der legendären Combo aus Newcastle, doch immerhin hatte man einige Standards mit am Start und ließ zumindest bei den Zugaben „Black Metal“/“Witching Hour“ nichts anbrennen.

Kämpften rumpelig gegen das Tageslicht an: VENOM


SATYRICON
Die Grim-Meister hatten anschließend ebenfalls gegen die regierende Helligkeit anzukämpfen. Doch anstatt sich hinter dunkler Sonnenbrille und seinem gehörnten Mikroständer zu verstecken, scheute sich Meister Satyr nicht, den Augenkontakt mit den Fans zu suchen und trat ihnen auf dem Laufsteg sogar auffällig oft zum Greifen nahe gegenüber. Nach etwas sperrigem Einstieg entfaltete die Band unter dem riesigen, an Hieronymus Bosch angelehnten Backdrop ihre volle Pracht, die sich in imposanten Krawallkrachern wie „Die By My Hand“ und „Repined Bastard Nation“ offenbarte.

Zwar konnte die Masse nicht für die massiv-dunkle, klare Soundwall a la „Now, Diabolical“, „Fuel For Hatred“ oder „Black Crow On A Tombstone“ gewonnen werden, die Fans feierten jedoch ihre Helden (hier auch Frost, der einmal mehr hinter den Kesseln zauberte), der Pit kreiste und das Open Air-Szenario drohte längstens bei „Mother North“ (einer DER Dunkel-Hymnen schlechthin!) – zudem noch bei vollem Tageslicht - vollends in kitschiges, von Satyr selbst eingepeitschtes „Ooh-ooh-ooh-ooh“-Sing-A-Long-Gewacke (es fiel sogar der Begriff des „Ballermann-Metal“) zu kippen. Die Erhabenheit dieser Ode konnte jedoch trotzdem gewahrt werden und ein mächtiges „K.I.N.G.“ beschloss einen gelungenen Auftritt des musikalischen „Fremdkörpers“ auf diesem Festival.

Erhabene wie drückende Macht: SATYRICON

SAXON
Was soll man zu den heutigen Headlinern noch schreiben. Mindestens alle zwei Jahre kreuzen sich die Livewege, auch auf dem BYH durfte ich sie bereits bewundern. Bewundern ist der richtige Ausdruck für die heute wieder zur Schau gestellte Glanzleistung der NWoBHM-Helden. Kraftvoll, dynamisch und immer noch agil kramten Biff und Mannen wieder in der Hit-Kiste und präsentierten ein rundum gelungenes Set aus Band- und Metalstandards, ergänzt um den Opener des letzten Outputs „Battering Ram“.

Besonderer Respekt geht einmal mehr in Richtung Biff Byford, den Grandseigneur des Metal, der seine Powertruppe anführte und für die nötige Würde in den flott und hart gezockten Nummern sorgte. Der Band-Adler kreiste auch wieder über dem vollgepackten Auditorium in Balingen, die Engländer präsentierten sich einmal mehr als der perfekte Hauptact dieses Festivals, dessen prächtige Wirkung noch durch die Profi-Lightshow und Gimmicks wie Feuersäulen verstärkt wurde.

SETLIST: Battering Ram/Let Me Feel Your Power/Sacrifice/Motorcycle Man/Power And The Glory/Solid Ball Of Rock/And The Band Played On/20,000 Ft./Dallas 1 P.M./The Eagle Has Landed/747 (Strangers In The Night)/Strong Arm Of The Law/Heavy Metal Thunder/Princess Of The Night/Wheels Of Steel/Crusader/Denim And Leather

Der geborene BANG YOUR HEADLINER: SAXON lieferten mächtig!


ECLIPSE
Die schwerste Entscheidung stand heute mit den fast parallel auftretenden VENOM / ECLIPSE an. Während sich Cronos und seine Spießgesellen draußen im gleißenden Sonnenlicht auf der Hauptbühne anschickten, die Höllenpforten zu öffnen, bestätigte sich meine Entscheidung, die Wunderwuzzis aus dem Norden zu beäugen, einmal mehr als richtig. Begeisterten sie seinerzeit schon in Innsbruck, so war die Halle mit ihren Hunderten Zuschauern der ideale Ort für das Melodic-Hardrock-Feuerwerk, das der sympathische Vierer abbrannte. Eine derartig intensive Interaktion zwischen Entertainer und Publikum konnte man schon lange nicht mehr beobachten.

Seinen Höhepunkt fand das Ganze bei der akustisch dargebrachten Version von „Battlegrounds“, das von den Chören des Publikums getragen wurde. Die „Oh-Oh“-Chöre begleiteten auch das restliche Konzert und ließen das Konzert in bester Stadionmanier zu einem einprägsamen, herzerwärmenden Liveereignis werden. Fronter Erik Mårtensson präsentierte sich einmal mehr als Ultra-Sympathikus, als Typ von nebenan, dem das Publikum heute aus der Hand zu fressen schien. Sichtlich erfreut, ja, überrascht vom Anklang, den die Schweden heute fanden, lief auch der Vierer zu Höchstleistungen auf und so wurden die Kracher der letzten beiden Alben nur so reihenweise aus dem Ärmel geschüttelt.

Vom Einstieg „Vertigo“ bis hin zum famosen „I Don´t Wanna Say I´m Sorry“ wurde ein erstklassiges Paket an Melodic-Krachern geliefert, es erwärmte das Herz des Weichspül-Rockers, flaumige Sahnehäubchen wie „Jaded“ oder „Downfall Of Eden“ auch endlich live genießen zu können. ECLIPSE hätten im Stile von "Blood Enemies" und "Wake Me Up" noch Stunden weiterspielen können, so enthusiasmiert schienen Band und Publikum. Eine der besten, packendsten und unvergesslichsten Performances des heurigen Jahres!

ECLIPSE öffneten heute den Melodic Hardrock-Himmel!

DEMON
Während die Open-Air-Bühne für SATYRICON vorbereitet wird, legen in der Halle die Herren von DEMON den Grundstein für einen nicht minder gelungenen und mit Applaus bedachten Auftritt. Zwar bleibt es in Summe doch verhältnismäßig ruhig, das jedoch dürfte eher der Setlist geschuldet sein. So legen Dave Hill und seine Mannen mit „Sign Of A Madman“ zwar durchaus gehörig los, doch schon mit dem folgenden „Wonderland“ folgt - zumindest was das Tempo betrifft - der Schwenk in eher getragenere Gefilde. Eben jene sollten in weiterer Folge auch vorherrschend bleiben, als die bestens disponierte Formation unter dem ebenso wirkungsvoll eingesetzten Licht mit „The Plague“ und dem ebenfalls von jenem Album stammenden „Nowhere To Run“ fortsetzt.

Der zum Plaudern aufgelegte Frontmann, der im Verlauf des Auftritts über die Band-Vergangenheit ebenso sinniert wie über die Entwicklung des Tonträgermarktes, weiß aber nicht nur mit Charme und Witz zu gefallen, sondern ebenso mit einer einwandfreien Gesangsdarbietung. Eine solche zeigt er auch bei den Songs neuer Datums, wie etwa dem vom 2005er-Output „Better The Devil You Know!“ stammenden „Standing On The Edge“ sowie dem Titeltrack des aktuellen Drehers „Cemetery Junction“. Dennoch scheint zu diesem Zeitpunkt bei einem Großteil des Publikums ein klein wenig die Luft raus zu sein, sind doch die Applauskundgebungen darauf deutlich zurückhaltender als zu Beginn der Show.

Durchaus möglich, dass DEMON darauf vorbereit ist, denn es folgt nicht nur eine gehörigere Tempo-Steigerung, sondern mit der Band-Hymne „Night Of The Demon“ sowie „Life On The Wire“ auch ausreichend bekanntes Material, das sofort wieder für lautstarken Jubel zu sorgen weiß. Der sollte die Band schließlich auch auf der „Zielgeraden“ begleiten, auf die sich DEMON mit „Into The Nightmare“ begibt, bevor ein lauthals mitgegröltes „Don“t Break The Circle“ und das offenbar kurzerhand zum Schlusspunkt auserkorene „One Helluva Night“ schließlich doch noch für ausnahmslos zufriedene Gesichter in der Halle sorgen. [Walter Scheurer]

DENNER/SHERMAN
Die Wikinger von MANEGARM hatten gegen die auf der Hauptbühne groß aufzockenden Headliner SAXON anzuspielen, bevor Kult-Alarm geschlagen wurde. Jung wie alt schien gespannt auf einen der raren Auftritte der beiden ehemaligen MERCYFUL FATE-Axemen hingefiebert zu haben, schließlich hieß es ja, dass auch Nummern der Kult-Combo dargeboten werden sollten. Doch vorerst ging es mit dem neuen Material vom etwas durchwachsenen „Masters Of Evil“-Debut los. „War Witch“ und noch weitere Nummern rockten aus den Boxen, der Soundmann hatte seine musikalische Mitte jedoch leider noch nicht ganz gefunden. Dennoch beeindruckend das Riffing der beiden Meister, deren Bewegungsradius sich allerdings in Grenzen hielt. Egal, das Signature-Spiel der beiden entschädigte für so manches.

CAGE-Fronter Sean Peck mimte mit der Sonnenbrille und dem Ledermantel einmal mehr den „stärkeren“ Bruder von Rob Halford und strapazierte so manche Nerven über weite Strecken mit recht eintönig (wenn auch meisterlich dargebotenen!) hohem Gesang. Mäßiger Sound plus wenig variantenreicher Gesang plus (bis auf „Angels Blood“ und „Pentagram And The Cross“) wenig memorables Material ergibt normalerweise keine wirklich gute Bewertung. Das erwähnte Gott-Riffing und die doch recht variable und KING DIAMOND-ähnliche Intonierung der FATE-Nummern (etwa „Curse Of The Pharaos“ oder „Black Funeral“) rettete den ansonsten wenig berauschenden Auftritt, die mangelnde Begeisterung im Publikum manifestierte sich in den schlichtweg fehlenden Zugaberufen, obwohl noch Spielzeit übrig geblieben wäre. Die Halbwertszeit des Projekts wird wohl eher knapp bemessen sein.

Das legendäre Gitarrentandem zockte heute auch MERCYFUL FATE-Nummern: DENNER/SHERMAN

SEPULTURA
Wer nach dem ersten Festival-Tag noch immer nicht genug hatte und sich zum Tagesausklang noch einmal gehörig die Rübe abschrauben wollte, war bei der brasilianischen Legende einmal mehr bestens aufgehoben. Die vier Herren fackelten auch gar nicht lange, sondern legten mit dem Hardcore-lastigen „I Am The Enemy“ vom aktuellen Dreher „Messiah Machine“ ohne Rücksicht auf Verluste los. Zwar war der Sound im vorderen Bereich zu diesem Zeitpunkt noch eher suboptimal, doch schon nach dem anschließenden „Phantom Self“ schien der Sound-Mann vor allem im Hinblick auf den Gesang von Frontmann Derrick Green die richtigen Knöpfchen gefunden zu haben. Ab „Kairos“, in dem der Hüne zum ersten Mal an der im zentralen Bereich der Bühne positionierten zusätzlichen Trommel seinen einmal mehr unfassbar präzise groovenden Kollegen Eloy Casagrande unterstützte, wirkte der Klang ausgewogener.

Keine Rede konnte jedoch von leiser sein, wie der „Nachhall“ in den Lauscherchen noch Stunden später zeigen sollte, der sowohl aktuellem Stoff wie etwa „Resistant Parasites“, logischerweise aber auch bekanntem SEPULTURA-Material wie „Inner Self“ geschuldet war. Doch daran hat man sich als Besucher von Shows dieser Band ebenso gewöhnt, wie man auch weiß, dass bei den Brasilianern immer akuter „Mosh-Pit-Alarm“ herrscht. Auch bei diesem Gig, wobei die geschätzte Hundertschaft an bewegungswütigen Zeitgenossen überhaupt nicht zur Ruhe kommen wollte und konnte.

Wie auch? Bei der dargebotenen Fülle an dafür prädestinierten Hämmern wie „Biotech Is Godzilla“, „“Territory“, „Refuse / Resist“, „Ratamahatta“ und dem zwar vorhersehbaren, aber einfach unvermeidlichen Finale „Roots Bloody Roots“? In dieser Form und Verfassung ist SEPULTURA nach wie vor eine sichere Bank, wenn es um mitreißende Live-Shows geht und davon konnte man sich zum Ausklang des ersten Festival-Tages einmal mehr ein beeindruckendes Bild machen. Und jetzt alle: Un, Dos, Tres, SEPULTURA!!!! [Walter Scheurer]

 

Neben Walter (der von DEMON & SEPULTURA berichtet) und Edgar Rauch (alle Fotos außer VENOM/Rudl & CRYSTAL VIPER/Susa) geht mein Dank an alle anderen Kumpanen und Freunde, vornehmlich aus den beiden westlichen Bundesländern, die auch das heurige Festival wieder zu einem tollen Erlebnis machten, You Rock! Fotogalerien zu allen Bands findet ihr HIER!

HIER geht es zum LIVEREPORT von Tag 2 & Tag 3!

 

 


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