Der Stormbringer Jahresrückblick 2017

Und so geschieht es wieder. Draußen wird es still, gnädig senkt sich der weiße Mantel des Winters über den Schmutz und die Ärgernisse des Jahres und hinterlässt Stille und Frieden im ausklingenden Jahr. Moment mal! Frieden? STILLE?! Irgendwas muss da schiefgelaufen sein. Man sieht nur gestresst herumhastende Leute, übellaunig von der Dauerfolter, ähm, -beschallung mit Weihnachtsliedern oder trunken von klebrigem Punsch über überfüllte Weihnachtsmärkte torkelnd, mit überteuertem Tand in den Händen, den keiner braucht.

Da lobt man sich doch das hochherrschaftliche Stormbringer-Loft, in dem mondäne Stille herrscht und die leisen, vorsichtigen Schritte der Adjutanten, die nur wenige Male im Jahr überhaupt Zugang zu den heiligsten Hallen unseres Obersten erhalten, von dicken, wertvollen Teppichen auf den edlen Mahagoni-Böden geschluckt werden und in dessen Räumlichkeiten gediegene Kunst und Kultur noch hoch gehalten werden. Natürlich nur, sofern die Kunst ohrenbetäubende Schwermetallklänge einschließt (Teppiche absorbieren übrigens nicht genügend Schall), blutige Rituale mit Fleisch und Gedärm erlaubt (Blut lässt sich übrigens schlecht von Seidentapeten entfernen) und die ein oder andere Schlachtszenerie enthalten ist (Mahagoniböden sind übrigens nicht robust genug, wir verlegen demnächst polierten Granit). In diesen Tagen schleichen verwahrloste, gebückte Menschen mit blutleeren Gesichtern und panischer Mimik durch die ausladenden Räume des Lofts, überwältigt von der Pracht und zutiefst in Sorge ob des wie ein Damoklesschwert über ihnen schwebenden Abgabetermins der Jahres-Nachbetrachtung. Sie alle haben ihre Zeilen schon geschrieben, mit zitternden Händen in nasskalten Kellerräumen auf feuchtes Papier gekritzelt, hoffend, bangend, dass sie den Ansprüchen der großen Meister genügen mögen.

Denn tun sie dies nicht... so landen sie in noch dunkleren Kellern. Jene, aus denen Schmerzensschreie schallen und das irre Gelächter einer Wahnsinnigen, untermalt vom wütenden Gekläff eines Terriers. Österreichische Romantik in Reinkultur sozusagen, ein Spiegel der Gesellschaft, durch den Filter der Rock- und Metal-Szene. Doch, um eure Hoffnungen auf weitere wortreichende Ergüsse aus dem Horror-Genre gleich einmal zu zerschlagen: Was halten wir uns mit dem Geschwafel so lange auf, hier die persönlichen Tops und Flops des verflossenen Musikjahres:


TOPS:

Alben des Jahres (International)
NIGHTLAND – Obsession
FORCE MAJEURE – The Rise Of Starlit Fire
SHYLMAGOGHNAR – Emergence
SERIOUS BLACK - Magic
SEPTICFLESH – Codex Omega

Alben des Jahres (national)
SERENITY - Lionheart
ANOMALIE – Visions
THE WEIGHT – The Weight
BELPHEGOR - Totenritual
EDENBRIDGE – The Great Momentum

Underground-Gütesiegel des Jahres:
BRAZENLINX – Vienna Don't Fret

DVD des Jahres:
DIMMU BORGIR – Forces Of The Northern Night
IN EXTREMO – 40 Wahre Lieder
DIRKSCHNEIDER – Back To The Roots – Accepted
DELAIN – Decade of DELAIN Live At Paradiso

Musikvideo des Jahres:
EISBRECHER – Was ist hier los? (Wer auch immer auf die Idee kam, Alex Wesselsky ein Toupet aufzusetzen: ICH FEIER DICH!)

Ohrwürmer des Jahres:
FORCE MAJEURE – Church Of Steam
BEAST IN BLACK – Blind And Frozen
SHYLMAGOGHNAR – I Am The Abyss
ATLAS PAIN – Ironforged
STORMHAMMER - Northman

Beste Konzerte des Jahres
FLESHGOD APOCALYPSE und NIGHTLAND in München
FREEDOM CALL, EDEN'S CURSE und VEONITY in München
THE DEAD DAISIES, THUNDERMOTHER und HOMELESS KINGS in Salzburg
HAMMER KING, DARKFALL und TUXEDOO am Hard Summer Festival
DER WEG EINER FREIHEIT und REGARDE LES HOMMES TOMBER in Salzburg
DEATH RISING und DAZE AFFECT am Deathfest in Vorchdorf
WE BLAME THE EMPIRE und CALL THE MOTHERSHIP am Metalnight Outbreak 5 in Vorchdorf

Festivals des Jahres:
Deathfest in der Kitzmantelfabrik in Vorchdorf
Sick Midsummer am Bäckerberg in Scharnstein
Die Rache Des Fenris im Pfarrsaal in Lenzing

Entdeckungen des Jahres:
NIGHTLAND (erwähnte ich schon meine Vorliebe für langhaarige Männer in Rüstungen...?)
DON'T DROP THE SWORD (Ist das wirklich kein frühes BLIND GUARDIAN-Demo?)
HOMELESS KINGS (Straight-Forward-Rock mit punkiger Schlagseite, der live so richtig knallt)
CALL THE MOTHERSHIP (Unfassbar starke Liveband!)

Persönlichkeit des Jahres:
Meine Katze (alle Jahre wieder)

Zitat des Jahres:
Sieht man einen Metalhead lachen, dann ist es nicht, weil er sich freut. Sondern weil der unaufhörliche Druck der grausamen Gesellschaft ihn dazu zwingt. (Alistration)

Erlebnis des Jahres:
Ein Szeneurgestein wollte mich abwerben – hat nicht funktioniert, wie man sieht.

Schnittchen des Jahres:
Pyry Vikki (Drums, BATTLE BEAST) Ist im Nebenjob nicht umsonst Model. MJAM!
Ludovico Cioffi (Vocals, Guitar, NIGHTLAND) Rassiger Italiener, Rüstung, Röckchen, Haare bis zum Arsch. Hach!
Dominique Hoffmann (Bass, REAPER'S REVENGE) Knuffiges, langhaariges Kerlchen mit flämmchenbestickter Lederhose – Coolnessfaktor 100!
Christian Thurner (Drums, STORMRAGE) Meine Affinität zu rothaarigen Schlagzeugern sollte sich inzwischen herumgesprochen haben. Man stelle ihn mir zur Verfügung.
Erich Winkler (Drums, HOMELESS KINGS) Wurde nicht umsonst als einer der Ersten für mein Fotoprojekt rekrutiert...

 


 

FLOPS:

Die persönlichen Alben-Enttäuschungen des Jahres:
STEEL PANTHER - Lower The Bar (werden nicht mehr besser)
RAM - Rod (Es war abzusehen, dass Svbversvm nicht mehr zu toppen ist.)

Schlechteste Bands:
ARCTIC FLAME (Ich war gnädig, doch der Auftritt war zum Fremdschämen.)
CORONATUS (Alle Jahre wieder Ohrenschmerzen. Die Hartnäckigkeit darf zumindest gelobt werden... wobei, sie haben sich verbessert!)

Schlechteste Konzerte:
CIVIL WAR & NIGHTMARE & ATHANASIA in München (Das schlechte Licht war noch das Beste...)
ARCH ENEMY & LACUNA COIL & THE HAUNTED in München (Leider wollte an diesem Abend nichts passen...)
ISEGHAAL am Hell Over Paradise in Salzburg (Ließen bis auf einen Stromausfall keinen Bühnenunfall aus)

Nervensäge(n) des Jahres:
Kornblumen, der Kurze und die Farbe Türkis.

Weichei des Jahres:
Der sogenannte „Freund“ für den ein Anfahrtsweg von 47km für seine Lieblingsband zu weit war. Nächstes Mal schick ich dir die Truppe direkt in dein Wohnzimmer, aber nicht zwecks Konzert, sondern zwecks kreativer Wohnraumumgestaltung. Hmpf.

Promo-Ärgernisse des Jahres:
- Ist es übertrieben, Eckdaten wie Herkunftsland und Lineup der seit ca. 5 Monaten im Dschungel von Kongo lärmenden Gruppe gleich mitzuliefern, anstatt den Rezensenten 3h danach googeln zu lassen?
- Wenn man schon nur einen YouTube-Link mit einer Komplettaufnahme des Albums/Der EP bekommt, dann wäre es zumindest vorteilhaft IRGENDWO eine Tracklist anzumerken. Im Idealfall gleich in der Textdatei die einem zugesendet wird. Danke.
- Beschwerden über nicht oder zu spät abgelieferte Reviews sind nur dann gerechtfertigt, sofern das Scheibchen überhaupt jemals beim Rezensenten eingetroffen ist.
- Androhung von Amputation der Geschlechtsteile bei Promoleak ist nur legitim, sofern man selbst die Grammatikregeln und die Funktion von Absätzen verstanden hat. (Von Klein/Großschreibung, Satzzeichen, das/dass, seit/seid, den/denn und ähnlichem reden wir noch gar nicht).

Peinlichkeit des Jahres:
Wenn man die Autotür zuschlägt, sollte man die Finger nicht drin haben. Aua.

 


 

PERSÖNLICHES:

Highlights/Errungenschaften:
- Das Objektiv meiner Träume gehört nun endlich mir.
- Die vierte Kamera ist in den privaten Technikzoo eingezogen
- Wieder einige Bands von der Liste der noch zu sehenden Bands streichen können
- Endlich ein lange gehegtes Projekt realisieren können

Lieblings-Undergroundbands 2017:
DEATH RISING
HOMELESS KINGS
SHYLMAGOGHNAR

Lieblingsartikel 2017:
- 15 vs. 25 Jahre LORDI – eine Retrospektive (Umfangreicher Texterguss über die Band mit der ich persönlich sehr viel verbinde.)
- Livereport von DER WEG EINER FREIHEIT (der zweite Teil der legendär-bescheuerten Horrorstory die 2015 begann...)
- Livereport von PAIN (Das Publikum an Halloween war aber auch wirklich besch...eiden)
- Aus dem Re-Release-Regal: BRUCE DICKINSON – Soloworks (die LP-Box ist aber auch wirklich schick!)
- SHYLMAGOGHNAR – Emergence (Dieses Review ist mir SO lange unter den Nägeln gebrannt!!!)
- Ein kleiner Metal-Guide by ALISTRATION (Das ist SO SÜSS!!!!)
- Faster! Harder! LOUDER! - Das muss Knallen! (Weil es mir ein persönliches Anliegen war, den zunehmenden Loudness War auf Konzerten anzuprangern)
- Livereport MEGAHERZ vs. FLESHGOD APOCALYPSE (Ein vergleichender Livereport - sollte ich tatsächlich öfter machen...)
- Underground von Unten - Europa Edition Vol. 1 (Erstmals auch außerhalb Österreichs im Musikuntergrund geschürft)

Lieblingsfotos 2017:

    

    

        

    

    

         

    

    

Was es sonst zu 2017 noch zu sagen gibt:
Ja, was soll man sagen. 2017 war, zumindest aus persönlicher Sicht, in vielerlei Hinsicht befreiend. Zwar begann das Jahr an sich nicht sehr gut und vor allem gesundheitlich mussten einige Rückschläge in Kauf genommen werden, doch je mehr sich das Jahr dem Ende neigte, desto mehr ging es aufwärts. Lediglich das Zeitmanagement wollte bisweilen nicht so ganz hinhauen, sodass 2017 vermutlich in die persönlichen Annalen als das Jahr mit den meisten Verzögerungen eingehen wird. Nichtsdestotrotz wurde alles geschafft was geschafft werden musste und sogar einige Bonusaufgaben waren drin.

Konzerttechnisch war 2017, trotz des Vorhabens etwas kürzer zu treten, ein äußerst intensives Jahr. Es wurden wieder einige neue Locations erschlossen und einige bereits lange nicht mehr besuchte Hallen und Clubs wieder einmal beehrt und es kristallisierte sich mit Fortdauer des Jahres heraus, dass sich der eigene Konzertmittelpunkt vom kultigen Backstage in München mehr und mehr in Richtung Salzburger Rockhouse verschob. Auch der vermehrte Fokus, etwas weg von den internationalen Bands, hin zu den kleinen Undergroundbands aus dem Dunstkreis der vornehmlich oberösterreichischen und salzburgerischen Szene machte sich zunehmend bemerkbar. Für besondere Freude sorgten die zahlreichen Einladungen kleiner Bands, die sich immer wieder freuen, wenn irgend ein Wahnsinniger mit der Kamera versucht, sie möglichst gut in Szene zu setzen. Klar, man hat nicht immer einen guten Tag, doch einige passable Shots kommen immer heraus. Umso schöner ist es, wenn man sehen kann, dass auch die Bands die Mühe honorieren die man sich immer wieder gibt – an dieser Stelle ein großes Dankeschön an all die kleinen, engagierten Bands, die immer wieder Opfer meiner bisweilen sehr skurrilen bis abstrakten Textergüsse werden: Ich hab euch alle lieb!

Nicht zuletzt erwuchsen aus den vielen Konzertbekanntschaften und dem häufigen Kontakt zu diversen Musikern auch so einige Freundschaften, die ich inzwischen nicht mehr missen möchte (You know who you are!). So gesehen war 2017 vielleicht in mancher Hinsicht anstrengend und es ging auch nicht immer alles nach Plan, doch unterm Strich war es das Jahr so sehr wert die unvermeidlichen Tiefs verbissen durchzutauchen!

Ausblick auf 2018:
Eine große Erwartungshaltung hinsichtlich 2018 gibt es eigentlich nicht. Es werden wieder Tonnen an Veröffentlichungen auf uns einprasseln und wir werden wieder nur einen Bruchteil davon adäquat behandeln können. Also alles wie immer. Einige Bands auf dem persönlichen Radarschirm haben sich für das kommende Jahr schon wieder für ein neues Album eingeschrieben und es wird sich zeigen ob dann tatsächlich die eine oder andere Überraschung dabei sein wird.

Konzerttechnisch wird es im neuen Jahr einfach nahtlos weiter gehen, das Konzert-Antha stürzt sich wieder kopfüber in das Getümmel und wird seine Kamera weiterhin jedem Musiker der nicht bei drei von der Bühne runter ist unter die Nase halten. Erstmals wird der Auslöser auch abseits der Bühne ordentlich glühen, wo neue Herausforderungen darauf warten gemeistert zu werden – ob das lange in Planung befindliche und 2018 endlich realisierbare Projekt ein Erfolg oder Rohrkrepierer wird, das dürft dann ihr, unsere Leser, entscheiden. Ich zähle auf euch!

Besonderen Dank an:
- Katze, Aquarium und Kamera einfach dafür, dass sie existieren.
- Marc Folivora für einfach alles.
- Cheffe Alex, für das Vertrauen in meine manchmal seltsam anmutenden Ideen
- Das Stormbringer-Grillteam für ein großartiges Wochenende
- Den Redaktionsterrier Laichster, für die intellektuellen Herausforderungen im Lektorat
- Elizabeth T. Seidinger für die wunderbaren Videospecials

Haftungsausschluss:
Für Schäden psychischer oder physischer Natur wird nicht gehaftet. Ihr seid alle erwachsen, also müsst ihr schon selbst wissen, wieviel Wahnsinn ihr euch selbst zumuten könnt. Wenn euch der Inhalt auf Stormbringer zu hart ist, dann seid ihr einfach zu schwach! Dann geht heim zu Mami, stemmt ein paar geistige Gewichte und kommt wieder wenn ihr fit genug seid euch dem alltäglichen Wahnsinn des Schwermetalls in all seinen Ausprägungen zu stellen! Ich habe gesprochen, Hugh!
 

P.S.: Dieses Jahr gibt es keine Luftpolsterfolie. Die brauch ich selbst. *popp* *popp* *popp*


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Jahresrückblick '17 der Stormbringer-Leser
Seite 3: Redaktionsrückblick 2017: Angelika Oberhofer
Seite 4: Redaktionsrückblick 2017: Anna Buchbauer
Seite 5: Redaktionsrückblick 2017: Anthalerero
Seite 6: Redaktionsrückblick 2017: bender
Seite 7: Redaktionsrückblick 2017: Brigitte Simon
Seite 8: Redaktionsrückblick 2017: Captain Critical
Seite 9: Redaktionsrückblick 2017: Christian Wiederwald
Seite 10: Redaktionsrückblick 2017: Christian Wilsberg
Seite 11: Redaktionsrückblick 2017: Daniel Hadrovic
Seite 12: Redaktionsrückblick 2017: Florian Rosenberger
Seite 13: Redaktionsrückblick 2017: Fred Gasch
Seite 14: Redaktionsrückblick 2017: Jazz
Seite 15: Redaktionsrückblick 2017: Julian Dürnberger
Seite 16: Redaktionsrückblick 2017: Laichster
Seite 17: Redaktionsrückblick 2017: Luka
Seite 18: Redaktionsrückblick 2017: Mike Seidinger
Seite 19: Redaktionsrückblick 2017: Pascal Staub
Seite 20: Redaktionsrückblick 2017: Sonata
Seite 21: Redaktionsrückblick 2017: Stefan Graesslin
Seite 22: Redaktionsrückblick 2017: Thomas Trüter


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