Das Metalmuseum: SCORPIONS - Blackout

Veröffentlicht am 29.01.2018

Die Hannoveraner von den SCORPIONS gibt es glaub ich schon so lange wie das bayerische Reinheitsgebot und sie sind nach wie vor eine Macht im internationalen Hardrock-Sektor. Mit Mikkey Dee am Schlagzeug zogen sie erst vor kurzem eine Schneise der Verwüstung durch die United Rogue States of Murica. Klar, sie sind nicht mehr die Jüngsten, aber sie haben eben auch einige, nein: viele Songs geschrieben, die für die Ewigkeit sind. Sie auf "Wind Of Change" zu reduzieren sei den Nagelpflege-, und Hornhautspezialistinnen überlassen, "Rock You Like A Hurricane", "Big City Nights" und "Still Loving You" zeigen aber auf, dass man auch in der Bibliothek unsterblicher Klassiker mithalten kann. Locker.

"Blackout" ist nicht ganz mein Lieblingsalbum der Deutschen (damals noch mit Herman Rarebell am Schlagzeug und Francis "Der Buchhalter" Buchholz" am Bass), aber einerseits das härteste in ihrem Werk und dasjenige, das die endgültige Abkehr von den 70ern, die mit Uli Jon Roth einen grandiosen, aber auch sehr psychedelischen Gitarristen hatte, darstellt. Man könnte nun meinen, dass es doch schon zwei Alben mit Matthias Jabs vor "Blackout" gegeben hat und man hat damit natürlich recht. Aber "Lovedrive" hatte zwar mit "Another Piece Of Meat" und "Can´t Get Enough" zwei Brecher, aber eben auch mit Songs wie "Loving You Sunday Morning" und "Is There Anybody There" einige noch eher merkwürdige Songs. "Animal Magnetism", der direkte "Blackout"-Vorgänger bietet mit "Make It Real" und dem Überhit "The Zoo" (einer der größten Refrains der SCORPIONS überhaupt) zwei Hämmer, hatte aber auch einen extrem merkwürdigen Sound und mehr als eine Verneigung in Richtung 70er.

Das alles änderte sich mit "Blackout". Erschienen am 29. März 1982 via EMI Records, aufgenommen und produziert von Dieter Dierks in der Villa San Pecaire in St. Jacques-Grasse in Frankreich von März 1981 bis Februar 1982.

Und gleich zu Beginn der Aufnahme gab es Probleme. Eines der Wahrzeichen der Band, Klaus Meine, ging seiner Stimme völlig verlustig. Es stand kurzfristig sogar die Auflösung, respektive das freiwillige Aussteigen von Meine aus der Band zur Debatte. Die Band aber gab ihrem Sänger die Zeit zur Erholung und die Stimme die er auf "Blackout" auffährt ist eine deutliche deftigere.

Man muss sich vergegenwärtigen, dass so früh in den 80ern der Metal noch nicht so wirklich heavy war und die SCORPIONS mit diesem Album gewaltig aufdrehten. Der Gesang aggressiver, die Gitarren derber und die Rhythmusabteilung zielstrebig und exakt.

Zu dieser Zeit hatte sich die Band mit Matthias Jabs endgültig angefreundet (noch auf "Lovedrive" fidelte Michael Schenker einige Soli ein und spielte einige Gigs der Tour bevor man ihn aufgrund seiner Alkoholprobleme kickte) und erkannt, dass sie mit dem Beinahejuristen ein Juwel in ihren Reihen hat. Matthias Jabs ist wohl einer der unterschätzesten Leadgitarristen im Genre. Exemplarisch sei hier die Hymne "No One Like You" genannt in der Mr. Jabs aufzeigt, als gäbe es kein Morgen mehr.

Der Titeltrack ist ein Genrestandard geworden, "No One Like You" ist SCORPIONS in Reinkultur. Stadion-Hard Rock wie er besser nicht sein könnte. Mit, wie schon erwähnt, einem Solo wie man es wohl nur einmal schreibt. Dem folgt mit "You Give Me All I Need" eine der bekannt großen SCORPIONS-Megahalbballaden, die selbst den härtesten Kuttenträger flink nach dem Feuerzeug greifen ließen. Mit "Now!" zeigten die Jungs, dass erneut mit ihnen am härteren Ende des Hard Rock Spektrums zu rechnen ist. Ditto "Dynamite", ein deftiger Superhit aus der zweiten Reihe, der auch auf dem grandiosen Livealbum "World Wide Live", welches wenige Jahre später erschienen ist, mächtig abräumt. Mit "China White" gibt es wieder dieses eine, merkwürdige Lied, das klingt, als ob Uli Jon Roth seine Hände im Spiel gehabt hätte und mit "When The Smoke Is Going Down" hauen die Hannoveraner eine Ballade raus, die es locker in die eigene Top-3 der firmeneigenen Nudelreiber einnimmt. Auf diese Art und Weise und in dieser Qualität waren nur die Deutschen in der Lage, Balladen zu schreiben.

Songliste:

  • 1. Blackout
  • 2. Can´t Live Without You
  • 3. No One Like You
  • 4. You Give Me All I Need
  • 5. Now!
  • 6. Dynamite
  • 7. Arizona
  • 8. China White
  • 9. When The Smoke Is Going Down

"Blackout" war das Podest, auf welchem "Love At First Sting" aufbauen und reüssieren konnte. Und deshalb ist es so wichtig. Die SCORPIONS haben mit "Blackout" den Sound vom bisweilen krautig-psychedelischen 70er-Rock, der zweifelos auch mit großen Songs wie "We´ll Burn The Sky", "Pictured Life" oder "Fly To The Rainbow" aufwarten konnte, hin zum Stadion-Hard Rock der frühen 80er und zum Status der Multiseller gehoben. Sie haben damit Standards geschaffen, die wohl noch sehr lange Bestand haben werden. "Blackout" hat gezeigt, dass riesig klingender Hard-Rock nicht aus den Staaten kommen muss, sondern auch europäisch, auch deutsch gut gelingen mag. Schaut auch auf einschlägigen Portalen den Auftritt beim US-Festival in San Bernardino im Jahr 1983 an und ihr wisst, was ich damit meine. Hier hat eine deutsche Band den Platzhirschen gezeigt, wie man harte, melodiöse Musik mit einem Nachdruck live darbietet, die mir noch heute ein breites Lächeln in´s alternde Gesicht zaubert. 

Mit "Blackout" haben die SCORPIONS die Welt erobert. Und wenn man sich die Zuschauerzahlen der letzten US-Tour anschaut läuft es auch heute noch ausgezeichnet.

"Blackout" ist eines der wichtigsten Hard Rock Alben überhaupt. Es hat große Songs, einen starken Sound und ein Cover das jeder kennt. Und deshalb hab ich nicht "Love At First Sting" für unser Metal-Museum gewählt, sondern eben "Blackout". Mein erstes SCORPIONS-Album und für mich der Startschuss in die Welt der harten Musik. Es kamen und kommen härtere, bösere und brutalere Bands, aber die SCORPIONS und damit auch "Blackout", werden ewig ein Teil meiners musikalischen Sozialisation und meines musikalischen Lebens bleiben.

 

 


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