J.B.O. - Das 'Deutsche Vita' Gangbang-Review

Veröffentlicht am 26.03.2018

J.B.O sind wohl die funmetalligste Fun-Metal-Band überhaupt. Fast jeder kennt sie – wenigstens vom Festival. Für mich stellten sie sogar die ersten jungen Kontakte zum Metal her. Das Album „Meister der Musik“ von 1998 ist für mich so zum schwerst emotional geprägten Überwerk geworden. Auf der einzigen Kassette im elterlichen Auto war es für mich die einzige Alternative zu schnöder Radiomusik. Eine Alternative, die jeden anderen im Auto insbesondere auf langen Urlaubsfahrten in den Blöedsinn (so die offizielle Schreibweise des Gegenstands des J.B.O.'schen Glaubens) getrieben hat. Meine hoffnungslos angestrebte Halb-Objektivität in der Besprechung des zwölften Studioalbums „Deutsche Vita“ kämpft also mit meiner naiv-kindlichen Liebe für die J.B.O. der späten 1990er Jahre und meiner übersteigerten Verehrung des dritten Albums „Meister der Musik“.

In „Meister der Musik“ gibt es zahlreiche Cover-Songs, die im Stile von Musik-Compilation-CDs nur knapp angespielt wurden. Wie sehr habe ich mir damals gewünscht, dass es diese Songs in voller Länge gäbe. Dabei ist es sehr deutlich, wie geschickt diese Kurzversionen waren, weil sie zugespitzt auf die humoristische Neuverknüpfung von Song und Genre knappe, präzise Witze darstellten. Das haben J.B.O. nicht immer so gemacht. Meistens muss man sich – auch auf „Deutsche Vita“ – die Cover in voller Länge antun. Das funktioniert mitunter ganz gut, zumal viele Texte neu erfunden wurden – albern, aber oft dadurch durchaus witzig.

Doch immer wieder reicht es J.B.O. auch, Songs einfach nur ihrem oder einem anderen Genre anzupassen. Das war immer so und deswegen könnte man darauf verzichten, genau dieses Erfolgsmodell anzuprangern. Mach ich aber nicht. Denn das Format ist derart abgedroschen, dass jede Wiederholung der „Deutsche Vita“ mein Gehirn zugleich langweilt und beleidigt. Cover bekannter Songs brauchen einen interessanten neuen Stil. Den haben J.B.O. oft nicht zu bieten. Somit verkommen die meisten Cover zu profanen Hommagen. Das kann man machen, ist aber beeindruckend unbeeindruckend. Satirisch-persiflierende Cover mit neuen Texten brauchen Witz, um nicht in der massiven Überversorgung mit stumpfen Songparodien via YouTube unterzugehen. Leider scheitert das bei J.B.O. unter anderem daran, dass die meisten Neubearbeitungen eine Basis haben, die heute bestenfalls noch hier und da auf Ü40-Parties gespielt wird. Starke Eigenkreationen wie „Ein guter Tag zum Sterben“ oder „Verteidiger des Blödsinns“ – bis heute (mit) die beliebtesten Songs auf den J.B.O.-Konzerten – sind Mangelware. Und wenn ich schon einmal dabei bin, in ein paar Minuten läppisch das fast 30 Jahre umfassende Lebenswerk einer Erfolgsband mit Füßen zu treten, kann ich auch noch persönlich werden und als Nordlicht über den „ungebildeten Bierdialekt“ (Thomas Mann) der süddeutschen Kapelle fluchen: Das ist nicht sympathisch, das geht auf die Nerven!

Nachdem nun der Enttäuschung meines inneren Kindes über das gar nicht mal so anspruchsvolle Niveau meiner jugendlichen Idole – „Gaudin, Ulkor, ich bin euer Sohn!“ – Luft gemacht ist, kann ich auch endlich auf das aktuelle Album eingehen: „Deutsche Vita“ nervt mich sehr! Immerhin solide selbstreflektiert heißt es schon im ersten Song „Alles nur geklaut“: „Doch in unser'm Repertoire ist eig'ne Geistesleistung rar!“ Prinzipiell darf diese Zeile als Zusammenfassung für das selten kreative Cover-Album ausreichen. Na klar, kann man zu den J.B.O.-Versionen fast vergessener „Partykracher“ besoffen mitgrölen und eine ganze Menge Spaß haben, aber das macht den Blödsinn ja nicht zu einer guten Platte.

Allerdings muss ich dieser lächerlich knappen Kritik hinzufügen: Wenn Metal mein Leben ist, sind J.B.O. auf gewisse Weise meine Eltern. Jedem Kind muss es erlaubt sein, seine Eltern ein wenig zu hassen. In den meisten Fällen aber steckt hinter diesem Hass auch irgendwo Liebe. Mein Wunsch nach einer sehr schlechten Wertung für J.B.O.s „Deutsche Vita“ ist also vergleichbar mit der wütenden Überreaktion eines jungen Erwachsenen – ich kenne das James Blast Orchester nun seit knapp 20 Jahren –, der endlich begreifen sollte, dass die idealisierten Primärobjekte (Eltern) nicht die Götter sind, für die er sie in seiner kindlichen Metal-Bedürftigkeit hielt. Im Fall von J.B.O. sind es einfach ein paar sehr alberne Menschen, die Spaß an Party, Alkohol und Metal haben und daraus eine Karriere gemacht haben. Ich müsste sie nicht lieben und deswegen müsste ich sie auch nicht hassen. Will ich aber! Tu ich aber! Ist mir egal! Ich bin noch nicht bereit, mir einzugestehen, dass ich wohl schon lange kein wirklicher Verteidiger des wahren Blöedsinns mehr bin. Verdammt! Was ist denn bloß schiefgelaufen in meinem Leben? Ist es schon zu spät? Jetzt muss ich wegen J.B.O. auch noch weinen! Wegen J.B.O.! Das kotzt mich so an! Ich will euch doch scheiße finden! Hannes, Vito, es tut mir so leid! Ich hab euch so lieb!

1 Punkt! Nein 5 Punkte! Nein 1 Punkt! Nein 5 Punkte! Aaaaahhhhh...!!!

Ohne Wertung – Jazz


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Walter Thanner
Seite 3: Jazz
Seite 4: Anthalerero
Seite 5: Daria Hoffmann
Seite 6: Christian Wilsberg
Seite 7: Fazit


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