GHOST - das 'Prequelle' Gangbang-Review

Eigentlich liesse sich der rasante Aufstieg von GHOST auch mit den allseits bekannten, klischeebehafteten "Vom Tellerwäscher zum Millionär"-Geschichten vergleichen: Tobias Forge, Sänger und Gitarrist der schwedischen Oldschool Death Metal Band REPUGNANT (!), denkt sich – ob unter Mithilfe oder nicht sei aufgrund fehlender Einsicht in die Interna dahingestellt – offenbar ein so geniales Konzept zwischen dem extravaganten Erscheinungsbild (und der dazugehörigen Geschichte) der Figuren, die darauf abgestimmte Textkonzeption und der musikalischen Mischung aus Heavy Metal der alten Schule sowie einem Schuss Doom Metal und Psychedelic Rock ausgedacht, dass GHOST bereits wenige Jahre nach Gründung bzw. dem Debütalbum nicht nur auf sämtlichen Festivals Europas als Headliner auftreten dürfen, sondern auch in den USA ein heiß begehrter Megaseller sind.
 

Dementsprechend schnell waren natürlich auch sämtliche Boxsets und andere Fanpakete des neuen, bald veröffentlichten Albums "Prequelle" vergriffen und man muss sich schon ein wenig die Augen reiben (und sich Herr Forge ab und zu wahrscheinlich auch mal selbst in die Wange kneifen), ob das a) wirklich Realität ist und wie es b) überhaupt dazu kommen konnte. Das wiederum soll nicht heißen, dass ich GHOST für überbewertet (dieser Begrifflichkeit wird sowieso eine viel zu große Rolle beigemessen) oder gar aufgeblasen halte, aber es lässt eben wie beispielsweise auch bei POWERWOLF den Schluss zu, dass Metalfans nicht immer nur dröge die Matte kreiseln lassen, sondern auch mal darüber hinaus mit einem audiovisuellen Gesamtpaket unterhalten werden, ja, regelrecht ein Theatergast, der sogar zur Interaktion eingeladen wird, sein wollen.


Genau das wird auch auf "Prequelle" wieder weitestgehend vorzüglich bedient und man merkte schon dem fantastischen Video zu "Rats" mit den Querverweisen zu Michael Jacksons "Thriller" an, dass GHOST ein detailverliebtes Projekt ist, bei dem es immer wieder etwas Neues zu entdecken gibt – ganz abgesehen davon, dass der Refrain der Single mal wieder umgehend im Gedächtnis haftet und prima als Opener funktioniert. Neu zu entdecken gibt es auf dem Viertwerk auch zwei, naja eigentlich sogar drei Arten von Songs:
 

  1. Hits, die sich sofort als solche entpuppen

  2. Hits, die sich erst nach mehreren Durchgängen als solche entuppen

  3. Instrumentals

Zu 1: Wie schon angesprochen gehört zu dieser Kategorie natürlich "Rats" (ob man diesen irren Dancemove auch live zu sehen bekommen wird?). Mit dem rockigen "Dance Macabre", das nicht wenig an QUEEN und Co. erinnert, dem meiner Meinung nach komplett überragenden "Witch Image", das durch verträumt-charmante Keyboard- und Percussionpassagen und einen – Verzeihung! - arschgeilen Refrain getragen wird, und dem melancholischen Finale "Life Eternal" (wer ein MAYHEM-Cover erwartet hat, könnte enttäuscht sein...) hat das Album aber auch noch drei weitere Sofortzünder zu bieten, die fast schon unverschämt eingängig sind.

Zu 2: Man könnte hier auch von den "heimlichen Hits" sprechen, die zunächst noch ein wenig unauffällig sind und vom Glanze der eigentlichen Hits überstrahlt werden. Dazu würde ich das im klassischen Doom und Heavy Metal angelegte "Faith", das zwischen schüchternen Strophen und opulentem Refrain pendelnde "See The Light" und das mit dramatischen Streichern und Chören aufgepeppte "Pro Memoria" zählen.


Zu 3: Hier muss ich leider Kritik (auf höchstem Niveau) anbringen, weil man es zumindest für meinen Geschmack etwas zu sehr übertrieben hat. Geht "Miasma" mitsamt seinem großartigen Saxophon-Solo noch als verspielt-virtuoser Übergang zwischen "See The Light" und "Dance Macabre" durch, fehlt es dem nichtssagenden Intro "Ashes" an einer Daseinsberechtigung und "Helvetesfonster" an einem echten Spannungsbogen, der über die vollen sechs Minuten zu unterhalten weiß.
 

Nichtsdestotrotz ist "Prequelle" aber ein Album, das sich durch seine vielen großen, erinnerungswürdigen Momente, künstlerischen Wiedererkennungswert und eine hohe Bühnentauglichkeit auszeichnet. Und eigentlich ist genau das auch die wichtigste Erkenntnis für mich: dass GHOST eben kein überdehntes Marketingkonstrukt, sondern in erster Linie eine Band mit überwiegend fabelhaft komponierten Songs sind. Sämtliche Nebenkriegsschauplätze wie etwa die rechtliche Auseinandersetzung mit einigen Ex-Ghouls (beim Namen "The Nameless Ghouls" war auch kaum absehbar, dass man höchstens eine sympathische Statistenrolle im Gesamtgebilde einnehmen würde, nöm?) sind da genauso unwichtig wie die Diskussionen darüber, ob all das Brimborium überhaupt sein muss. Wirklich.
 

4 / 5 – Pascal Staub


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Christian Wiederwald
Seite 3: Christian Wilsberg
Seite 4: Pascal Staub
Seite 5: Sonata
Seite 6: Anthalerero
Seite 7: Fazit


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