GHOST - das 'Prequelle' Gangbang-Review

GHOST – ist es nun ein Kunstprojekt mit anonymen Musikern oder eine fest bestehende Band, die ihren Weg geht? Von allem etwas würde ich sagen! Nach dem Rechtstreit mit seinen Ex-Kollegen warf Bandgründer und Leader Tobias Forge seine Anonymität weg und die Neugierde wich der Gewissheit. Der Schwede scharrte neue Mannen um sich – abermals als Nameless Ghouls. Papa Emeritus ist Geschichte, Cardinal Copia geboren. GHOST schwimmen auf einer Erfolgswelle, die ihre höchsten Sphären sicherlich noch nicht erschöpft hat. Mit großen Erwartungen geht mein Blick in Richtung des neuen Werks „Prequelle“, das sich thematisch hauptsächlich um das Thema der „schwarzen Pest“ dreht. Die Texte lassen sich dennoch auf unseren Alltag übertragen. Sie mögen als solches sogar erstmal simpel wirken, doch lässt man das Gesamtkonstrukt auf sich wirken, offenbart sich mit der Zeit so einiges.

Das düstere Intro samt Kinderchor lässt uns schon mal von der Atmosphäre schnuppern, die sich auf das Album ausbreiten wird. Die Single „Rats“ ist uns allen bekannt und verdeutlicht einmal mehr, dass Mr. Forge sich musikalisch keine Grenzen setzt. Parallelen zu OZZY OSBOURNE sind erkennbar und allgemein empfinde ich den Sound des Albums als sehr 80er-lastig. Dennoch beeindruckend, mit was für einfachen Mitteln GHOST einen Ohrwurm entfachen, der im Video eine humorvolle Hommage an MICHAEL JACKSONS „Thriller“ abliefert. „Faith“ wirkt insgesamt deutlich wuchtiger und gitarrenlastiger. Ein stampfendes Stück, getragen von dominanten Drums und einem melodischen Chorus, der von Orgelsounds umspielt wird. Ein Track, der sofort ins Ohr geht und das Hitpotenzial relativ schnell auslotet. Was GHOST besonders gut gelingt, sind die stetigen Anspielungen auf Songs, die im weiteren Verlauf des Albums folgen. So bildet das Outro zum eben angesprochenen Song eine Brücke zum balladesken Rausschmeißer „Life Eternal“, der GHOST auf eine neue Kitschebene hebt. Finde ich das bedenklich? Keineswegs! Tobias Forge bringt uns diesen Song derart charmant näher und drückt dem ganzen eine tolle Kirchenatmosphäre auf. Besonders die catchige Bridge (die im Outro von „Faith“ bereits Einzug erhält) lässt bei mir stets Gänsehaut aufkommen. „See The Light“ ist ein sehr theatralisches Stück, in dem sich GHOST vollends austoben. Balladeske Strophen münden in einen wuchtigen und energisch vorgetragenen Doppelchorus, der keine Wünsche offen lässt. Gerade der zweite Part des Refrains fährt in Sachen Theatralik ganz groß auf und lässt mich gar an QUEEN denken. Die beiden Instrumentals „Miasma“ und „Helvetesfonster“ schmälern den Gesamteindruck einer gewaltigen Platte nur minimal. Und das liegt in der Endkonsequenz nicht mal daran, dass sie mich nicht packen. Das Album offenbart leider nur neun vollwertige Tracks und durch die zwei Instrumentals am Ende leider nur sieben Songs mit Gesang. Könnte man fast als EP abtun. Tue ich allein aus dem Grund nicht, weil die beiden angesprochenen Instrumentals wirklich was können. Gerade „Miasma“ zieht sofort in seinen Bann und haut eine starke Melodie nach der anderen raus. Das zweite Instrumental zieht sich leider etwas und hätte in einer kürzeren Version einen intensiveren Eindruck hinterlassen. Das Highlight mit „Pro Memoria“ muss ich gen Ende noch hervorheben: Das seichte Intro gespickt mit Streichern zieht sofort in seinen Bann, erschafft eine emotionale Bandbreite wie ich sie bei GHOST bisher noch nicht wahrgenommen habe. Die balladesken Strophen sind ergreifend, der simple Refrain aber nochmal eine ganz andere Kragenweite. Hier fahren GHOST ganz groß auf. Der Song steigert sich von Sekunde zu Sekunde und mündet am Ende in ein fettes Feuerwerk voller Emotionen. Kitsch und Theatralik geben sich hier die Klinke in die Hand, doch auch nach den knapp sechs Minuten bin ich nachwievor ergriffen. Der vielleicht schönste GHOST Track bis hierhin…

Was soll ich sagen? „Prequelle“ hätte sich fast die Höchstnote gesichert, doch aufgrund der zwei Instrumentals muss ich leichte Abstriche machen. Dennoch ist die Machart des Werks grandios und sprengt erneut alle Grenzen. Das ist gut so! Der Sound bleibt unverkennbar und das ist die Hauptsache - Höchstnote hin oder her. „Prequelle“ gehört ohne weiteres zum Kreis der besten Alben des Jahres.

4,5 / 5 - Sonata


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Christian Wiederwald
Seite 3: Christian Wilsberg
Seite 4: Pascal Staub
Seite 5: Sonata
Seite 6: Anthalerero
Seite 7: Fazit


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