Homo Metallicus - MIMIMI MIMIMMMETAL!

Veröffentlicht am 20.08.2018

Der Titel sagt es schon - heute beschäftigen wir uns mit dem augenscheinlichen Liebkind des Homo Metallicus: Dem Mimimi.

Wälzt man sich durch diverse Seiten, Blogs, Magazine und Social-Media-Präsenzen, so fällt eines schnell auf: Es wird gerne gejammert. Und zwar überall. Quer durch alle Sparten der harten Musik und quer durch die Betätigungsfelder, vom Label über Promoter und Bands bis hin zu den Fans: Bevor man sich an der eigenen Nase nimmt, muss zuerst ein lautstarker Protest (im Idealfall in Form eines veritablen Rundumschlags) in die Welt posaunt werden. So wie das zuletzt CREMATORY mit durchaus beachtlicher medialer Aufmerksamkeit vorexerzierten, indem der Schlagzeuger und gleichzeitige Bandkopf den Untergang des Abendlandes ausrief und mit herzzereißenden Worten gegen die Grausamkeit des Internets, des Musikbusiness und der untreuen Fans wetterte. Und dann postwendend, als der gezielte Stich ins Wespennest ins eigene Fleisch ging, mit untergriffigen Kommentaren gegen die eigenen Fans Stimmung machte.

Wir kennen das ja, die Metaller geben sich nach Außen gerne stark, stolz und unabhängig, während der weiche, zartschmelzende Kern der Freunde der rabiaten Klänge gerne in Selbstzweifeln zerfließt. Sobald das dringend zur Erhaltung der Außenwirkung gebrauchte Lob versiegt, verkriecht sich der Homo Metallicus in seinem Schneckenhäuschen und schleudert Giftpfeile gegen die böse, böse Welt. Mal mit mehr, mal mit weniger Wirkung, mal gezielt torpediert und dann wieder auf Streubombenart mitten unters Volk. Eines eint die Jammer-Künstler aber: Sie suchen die Schuld grundsätzlich immer bei anderen, nie bei sich selbst.

Wisst ihr eigentlich, wie ätzend das ist, wenn man ständig nur Gejammer lesen muss? Wenn man sieht, wie das Geschäft brummt, wie Metal die Charts stürmt und das seichte Pop-Gejammer auf die Plätze verweist, wenn sich die Bands gegenseitig mit aberwitzigen Anzahlen von Special Editions zu übertrumpfen suchen, wenn man in Ballungszentren teils jeden Tag die Auswahl zwischen mehreren Genreverwandten Konzerten hat, wenn junge Bands schneller aus dem Boden schießen, als die sprichwörtlichen Pilze nach einem sommerlichen Regenguss... Ich könnte noch lange so weitermachen. Aber: Es wird gejammert. Das haben wir immer gemacht, das müssen wir auch weiterhin tun. Und wenn schon nicht über die mangelnden Verkaufszahlen (sind immer zu niedrig) oder schlecht besuchte Konzerte (alles unter Ausverkauft ist sowieso miserabel), dann eben darüber, dass nicht mehr alles so ist wie früher.

Und es sind ja nicht nur die gewerbsmäßig operierenden Teile des Genres, die sich der um sich greifenden Jammerkultur hingeben, sondern auch und im speziellen die Fans. Dabei bemerkt man vor allem die bemerkenswerte Ironie- und auch Kritikresistenz mancher Genossen in der Szene -  liest man sich über einen längeren Zeitraum hinweg durch die Userkommentare von Fans und (Hobby-)Musikern, so gewinnt man doch glatt den Eindruck, dass es im Heavy Metal echt niemanden mit Ahnung von irgendwas geben muss..

Warum?

Gefühlt jeder zweite Kommentar strotzt nur so vor Mimimi. Seien das nun Reaktionen auf Reviews, Livereports, Interviews oder andere Artikel – natürlich weiß es jeder immer besser.
Eine CD-Review ist schlechter ausgefallen als erwartet? Der Schreiber hat eh null Ahnung vom Genre!
Ein Livereport, der sich nicht überschwänglich begeistert von wirklich jeder Band liest? Der Verfasser war überhaupt nicht objektiv!
Ein Interview mit kritischen Fragen? Der Interviewer ist doch nur neidisch!
Ein Story über ein kontroverses Allgemeinthema oder ein Kunstprojekt? Was soll der Scheiß, das ist nicht Metal!

Echt jetzt?!

Wie immer im Leben, kann man es niemals wirklich allen recht machen. So weit, so gut. Doch eines vergessen viele dabei: sobald man sich selbst in die Öffentlichkeit begibt, seine Musik der Welt zugänglich macht, sich auf eine Bühne stellt oder auch nur seine Meinung, so wie ich hier, irgendwo für einen erweiterten Kreis einsichtig macht, wird man auch damit leben müssen, einmal Gegenwind zu bekommen. Ja ihr könnt diesen Artikel hier scheiße finden, ihr könnt mich scheiße finden, ihr könnt das Magazin, ja, die gesamte Welt scheiße finden: Es ändert rein gar nichts. Außer, dass ihr mit eurem Gejammer erst jene Geister heraufbeschwört, gegen die ihr schon vorsorglich wettert. Und so erfüllt sich die Prophezeiung von selbst.

Womit wir wieder bei eingangs erwähnten CREMATORY wären, deren Rundumschlags-Mimimi gründlich nach hingen losging. Warum es das wohl tat? Weil Mimimi automatisch ein Gegen-Mimimi erzeugt und dieses ein weiteres Mimimi, welches wieder... und so weiter. Und so entsteht aus dem Sturm im Wasserglas auf einmal ein Orkan, der quer durch den Garten Eden des Heavy Metal pflügt und dafür sorgt, dass sich die Gemeinde der Schwermetall-Jünger langsam aber sicher gegenseitig zerfleischt und zu Tode jammert. Vor vollen CD-Regalen, die für wirklich jeden noch so verkorksten Geschmack etwas bieten und in ausverkauften Konzerthallen, in denen sowieso jeder nur auf sein Smartphonedisplay starrt. Oder so ähnlich.

Natürlich muss man nicht alles zu Tode streicheln und loben, oder ebensowenig bis in den Exitus zerpflücken und kritisieren – aber ein etwas dickeres Fell an manchen Stellen und mehr Miteinander anstatt Gegeneinander wäre einmal eine Maßnahme, oder?

Mimimi nervt nämlich. Wirklich.

Moment mal, habe ich jetzt tatsächlich ein Mimimi gegen das Mimimi geschrieben?

Verdammt...


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