Flusensieb Mini #16 – 3 übersehene Weirdo-Platten

Text: Jazz
Veröffentlicht am 20.10.2018

In seltenen Fällen fängt das Flusensieb Mini auch solche Musik auf, die wohl jeder andere Redakteur – oder wenigstens jene von Verstand – mit voller Absicht vakuumversiegelt in die Glut des Schicksalsberges katapultiert hätte. Diese Ausgabe, die sich ganz und gar der skurril-bizarren Freakshit-Weirdo-Abstrusität widmet, enthält avantgardistische Unerträglichkeit, entmetalte Anti-Trve-Hektik und Spielzeug-EDM-Jazz-Grindcore aus dem Clowns-Dixi. Nicht abgeschreckt? Dann viel Spaß!

 


 

HARMONY IN GROTESQUE – Noumenon

Ich bin ein großer Freund von ungewöhnlicher Musik: Meine Hand schnellt nach oben, wenn der krasseste Brutal Goregrind, der wildeste Experimental-Progressive-Stuff, der schrägste Mathcore zu haben ist. Somit ist auch Avant-garde Metal exakt mein Gebiet. Meistens bedeutet dieses Genre nicht viel. HARMONY IN GROTESQUE nehmen es auf „Noumenon“ aber ernst. Die Russen brechen derart mit Hörgewohnheiten, dass ihre Klänge konstant nerven und langweilen. Das ist nicht schön! Das macht keinen Spaß! Die Band existiert seit 1998 und hat noch keine 100 Facebooklikes, so sehr nerven die – unerträglich! Und zugleich wundervoll! Ich feiere das über alle Maßen, will es aber bitte nicht mehr hören müssen! (jazz)

 


 

HEPTAEDIUM – Amen

Mit „100% Breakcore, 100% Free, 666% Baguette“ bewirbt Franzose Florent Lambert alias HEPTAEDIUM seine neue Platte „Amen“. Damit ist die Band die erste, die den Hattrick im Flusensieb vollmacht: In Ausgabe #15 war der Chiptune-Mathcore-Progressive-Metal von „How Long Shall I Suffer Here“ vertreten und in der Mini-Ausgabe #08 „The Great Herald Of Misery“ – mathcoriger Djent. Nun also Breakcore, sagt er. Ich sage: hektischer Computer-Elektro-Lärm mit höchstens entfernt an Post-Metal und Doom erinnernden Einschüben. Da wird sich der Trve-Metaller wieder in sein Anti-Poser-Kuttenhöschen machen, aber auch der weltoffene Musik Connoisseur wird schwer zu schlucken haben. Anstrengend und spannend! (jazz)

 


 

CLOWN CORE – Toilet

Im Leben jedes ernstzunehmenden Metalheads kommt irgendwann der Moment, in dem man nicht mehr weiß, wie man fortexistieren soll, ohne wenigstens ein bisschen Spielzeug-EDM-Jazz-Grindcore von zwei Clowns aus einem Dixi gehört zu haben. Die grandiosen Künstler, die dann weiterhelfen, nennen sich CLOWN CORE, ihre 13-Minuten-9-Songs-EP trägt den Titel „Toilet“. Zum Herunterspühlen ist diese Kunst allerdings tatsächlich eindeutig zu wertvoll. Natürlich klingt das bewusste Chaos nicht für jeden Kirmesmetalfan angenehm, aber wer einen gesunden Sinn für die Absurdität von Quality-Trash hat, findet in dieser Muschel nicht nur eine Perle, sondern einen en pointe geschliffenen Diamanten. LP bitte! (jazz)

 


 

Mehr Flusensieb!


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