Flusensieb Mini #19 – 3 übersehene Black-Platten

Text: Jazz
Veröffentlicht am 06.11.2018

Das Flusensieb Mini ist für den Stormbringer, was der Reservefallschirm für den Sportflugscheinschüler ist. Oder so ähnlich. Jedenfalls werden hier übersehene Platten präsentiert. Diesmal gibt es Black Metal im Dreierpack. Zuerst etwas Doomiges, dem der Dialekt im Wege steht, dann Kuschel-Black Metal für die Romantiker unter uns und zuletzt die rohe Urschrei-Gewalt mit Hooligan-Anleihen. Viel Spaß!

 


 

OSCULT – The Sapient – The Third – The Blind

Weniger wie ein rundes Album als wie eine Sammlung bunter Songs klingt die erste LP der bereits zwölf Jahre alten OSCULT. An sich ist das kein Problem, zeigen die bajuwarischen Black-Metaller doch, dass sie einiges an interessantem Material erzeugen können. Das Schwarzmetall wird dabei angereichert und auch durchkreuzt von Doom, Folk und Elektro. Die recht untergründige Untergrundkapelle, deren Sound auf „The Sapient – The Third – The Blind“ trotzdem nicht wie mit dem Nokia 3310 aufgenommen klingt, kann mit Fug und Recht von sich behaupten, einen starken, tiefen, verzweifelten Sound zu erreichen. Für die klaren Sprechpassagen wäre eine dialektfreiere Stimme allerdings etwas ernstzunehmender. (jazz)

 


 

DEAFHEAVEN – Ordinary Corrupt Human Love

Selbstredend leben Sie in dem vollen Bewusstsein, dass Liebe nur eine evolutionäre Schikane ist, die den Menschen vor seinem verdienten Aussterben bewahrt. Das hindert Sie jedoch nicht daran, gemütliche Stunden mit Angehörigen Ihrer verdammenswerten Spezies zu verbringen? Um in dieser romantischen Zeit nicht auf misanthropische Melancholie verzichten zu müssen, gibt es jetzt Kuschel-Black-Metal bzw. „Ordinary Corrupt Human Love“, LP Nummer vier der Kalifornier DEAFHEAVEN. Zwischen Black und Post-Black-Metal erschaffen sie eine Art Romantic Black Metal, der zugleich leicht und schön wie auch bitter und verzweifelt ist. Die perfekten Klänge für intime Stunden mit Rosenblättern und Peitsche. (jazz)

 


 

IMHA TARIKAT – Kara Ihlas

Zum schwarzmetallenen Schluss noch ein LP-Debüt aus Deutschland. IMHA TARIKAT verfolgen einen aggressiven, wütenden und pöbelnden Weg, bei dem sogar ganz dezent Punk- und Hardcore-Elemente durchblitzen. Im Kern gibt es hier jedoch klassischen Krieg aus dem tiefsten Untergrund – und manchmal etwas Melodie. Zur Abwechslung ist es nun mal ein stinksaurer Hooligan, der die schwarzen Altarkerzen mit einem Flammenwerfer entzündet, sich im suburbanen Wald verläuft, den Dämon der Baseball-Keule beschwört und eine moderne Kirche, ein Fußballstadion, abfackelt. Die Urschreie sind dabei die Stärken von „Kara Ihlas“, die wenigen instrumentalen Ausreißer in der sonst eher abwechslungsarmen Musik ebenso. (jazz)

 


 

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