Der Stormbringer Jahresrückblick 2018

2018.

Tja.

Wir sind natürlich nicht  zurück im Jahre 1933, aber mir reicht es, wie sehr sich die Mehrheit des Landes Mühe gibt, patriotisch und national zu sein und sich von Leuten, die noch nie in ihrem Leben einer tatsächlichen Arbeit nachgegangen sind, erklären lassen, wie und wie lange sie zu arbeiten haben.

Mehr gibt es zu diesem Jahr eigentlich nicht zu sagen. 

Ach ja, Musik. Nicht viel eigentlich. 

SPECTRAL WOUNDS haben ein Black Metal Album veröffentlicht, wie es gemeiner seit Jahren nicht zu hören war. Brachial und trotzdem musikalisch. 

Der erhoffte Meilenstein von WITHERFALL ist leider ausgeblieben, sehr gut natürlich, aber arg sperrig und unzugänglich.

Ansonsten hat sich in der harten Musik nicht viel getan. Das widerliche Symphonic Melodic Power Metal-Schlager-Tralala ausverkauft landauf und ab die Clubs und Hallen und die Leute die diese auralen Schaumrollen anhören und freiwillig Eintritt für Konzerte dieser Bands zahlen, haben mit ihrem Leben gründlich abgeschlossen. Dieses musikalische Äquivalent einer Thujenhecke, eines Carports, eines Sommerurlaubs in Kroatien ist ungefähr so heavy wie ein Helene Fischer unplugged-Auftritt und so gegenkulturell wie Andreas Gabalier, dem Resultat eines Klagenfurter Wochenendes von Jörg Haider und der John Otti Band. Wie man diesen einhornbewehrten Auswurf eines leprakranken Otters [Anm. d. Red.: Wir stellen uns das jetzt nicht zu bildlich vor...] als Metal bezeichnen kann, ist mir ein Rätsel. Klar, Metal ist Kitsch, aber das ist Kehricht der übelsten Sorte. Symphonic Power Metal, die Else trällert, der Typ schreit sich den Neocortex weg und jeder Ansatz eines Riffs wird von Mallorcakeyboards tsunamiartig vernichtet. Hey-hey-hey, my ass!

Ansonsten sollte in jedem Jahrespoll ein ASENBLUT-Gag versteckt sein, aber der Tetzel macht des ohnedies selbst, also ersparen wir uns das hier.

Ansonsten gehen alte Herren auf Abschlusstour und jeder war dabei, wie schon immer. Warum es plötzlich 14.000 Leute anstelle der üblichen 2.500 waren ist Erbsenzählerei. "Thanks for all the years! It was a wild ride and we are so glad you were with us for this very last time. By the way, see you next year at a festival near you!". Die Dortmunder Metalpresse schafft es nicht, ein an Belanglosigkeit höchstens von Makramearbeiten von an Down-Syndrom leidenden Special Olympics übertroffenes JUDAS PRIEST-Album an die Spitze zu schreiben und die folgende Tour geht dann auch ziemlich spurlos an den Meisten vorbei.

Ansonsten vernerdet sich der Metal immer mehr. Es werden tausende Subgenres gegründet, nur um bei einem Festival unter einem Apfelbaum mit dem rotunden Chefredakteur eines toitschen Periodikums über die 1981 erschienene Schallfolie einer Band zu diskutieren, die dann bei genau diesem Festival (""""" zur freien Verwendung) ihre Reunion feiert. Mit dem ledigen Großneffen des dritten Bassisten der Band als einzigem einigermaßen aus der Anfangszeit der Combo stammenden Mitglied. "Du kennst dich in der Musik nicht aus", und diverse Variationen dieses Duktus werden zur kampfhetorischen Killerfloskel und jedes Weiterdiskutieren obsolet gemacht.

Ansonsten sehen lokale Herrenmenschen wie Äffchen mit Six-Pack aus. Fast identisch. 

Nur so.

Ansonsten sind die Alben des Jahres absolut nicht metallisch. "Update 4.0" von Lo&LeDuc, ein schweizerisches Rapalbum zeigt, das man Melodie, Wortschmiedekunst und Humor durchaus mit riesiger Hitdichte vereinigen kann.

"SolozuViert" machen Austropop wie seit STS nicht mehr. Auch sehr gut.

Ich wünsche mir ein wirklich starkes DREAM THEATER - Album nächstes Jahr, allein, der erste Soundeindruck lässt mich nicht grad jubeln und ich muss feststellen, dass ich mir eigentlich seit "Awake" endlich wieder ein starkes DREAM THEATER-Album wünsche.

Ansonsten bin ich tatsächlich nicht wirklich grantig, generell. Aber angesichts der allgemeinen moralischen Großwetterlage möchte ich jedem ein Zitat zum Abschluss mitgeben. Es stammt von Joseph N. Welch, einem amerikanischem Anwalt der dem polterenden Rechtsaußensenator McCarthy 1954 folgendes entgegenschleuderte:

"Have you no sense of decency, sir, at long last? Have you left no sense of decency?"

Decency, Anständigkeit. Aber auch Respekt vor dem Mitmenschen und ein gedeihlicher Umgang mit demselben sollte die Maxime sein. Kant hat es vor über 200 Jahren schon gesagt, und es hat noch immer seine Richtigkeit. Mehr denn je.

 

 


Inhaltsverzeichnis:

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