Flusensieb Mini #34 – 3 übersehene Platten

Veröffentlicht am 23.01.2019

Das Flusensieb dient dazu, beinahe übersehener Musik der härteren Gangart noch eine Chance zu geben, bevor sie unbemerkt am Stormbringer vorübergeht. Diesmal finden sich hier drei europäische Bands, von denen die erste das wohl größtmögliche Genrechaos anrichtet, während die zweite mit Folk und lateinischen Sprichwörtern um sich wirft. Zuletzt gibt es dann erneut etwas Genreschubladenübergreifendes in psychedelischer Stoner-Richtung. Viel Spaß!

 


 

ZAPRUDER – Zapruder

Frankreich ist bekannterweise die gegenwärtige Wiege der progressivsten und experimentellsten Metal-Entwicklungen. So wundert es auch nicht, dass ZAPRUDER aus der Heimat von z. B. IGORRR stammen. Sie haben überhaupt keine Lust, sich in ihrem Genre festzulegen. Von Progressive, Alternative und Groove Metal über Mathcore, Post-Hardcore, Hard Rock und Noise reicht die Spanne bis Punk, Pop und Jazz – und ist damit noch lange nicht erschöpft. Die große Kunst der gleichnamigen Platte „Zapruder“ liegt darin, dass sie nicht oder jedenfalls nicht oft beliebig klingt, wenngleich ich selten schiefere Korridore entlanggeschlendert bin. Easy listening ist etwas für Weicheier? ZAPRUDER sind deine Band! (jazz)

 


 

DYRNWYN – Sic Transit Gloria Mundi

Achtung, Geheimtipp für Schwertträger und Sympathisanten! DYRNWYN aus Rom spielen ausufernd theatralischen Folk Metal mit Flöte, Bombast und südländischer Leidenschaft. Auf ihrem ersten Langspieler „Sic Transit Gloria Mundi“ zocken die Italiener überwiegend im Midtempo, setzen wohldosierte Blast-Einschübe und zeigen, was man aus Keyboards alles rausholen kann. Thematisch behandeln DYRNWYN schwerpunktmäßig die Geschichte Roms, ihre italienischen und lateinischen Texte tragen sie inbrünstig mit durchdringender Stimme vor. Der Zweiteiler „Si Vis Pacem...“ / „...Para Bellum“ zitiert ein lateinisches Sprichwort und liefert eine festivaltaugliche Mitsingzeile. Diese Römer haut kein Gallier um! (Lord)

 


 

NEON BURTON – Neontology

NEON BURTON klingt nach einem Einzelkünstler im Bereich Dark Elektro bis Industrial Gothic. Es ist jedoch ein Kölner Trio, das in seiner Grundtendenz härteren Rocks viel Wert darauf legt, nicht in eine Genreschublade zu passen. Und doch möchte ich ihre Ambient-, ihre Stoner-Rock- und die nicht zu expressiven Psychedelic-Rock-Elemente auf der Debüt-Platte „Neontology“ gleich als ihre größten Stärken hervorheben. Sie lassen sich Zeit, bewahren Ruhe ohne langweilig zu werden, bleiben oft ewig ohne Gesang. Der ist es aber auch, was mich – trotzdem oder weil er keine Mängel aufweist – weniger reizt. Wer darauf steht, wenn die Kraft auch mal in der Ruhe liegt, sollte unbedingt mal reinhören! Stark! (jazz)

 


 

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