Flusensieb Mini #37 – 3 übersehene Doom-Platten

Text: Jazz Styx
Veröffentlicht am 13.02.2019

Diese Ausgabe des Flusensieb Mini, dem Geländer am Rande der Klippe des Vergessens, sollte sehr, sehr langsam gelesen werden, denn diesmal dreht sich alles um Doom Metal. Das erste Kapitel würzt die okkultistische Eingängigkeit mit psychedelischen Elementen. Dann geht es in einen etwas unspeziellen Bereich Frankreichs, der durch Kuschelrock-Stimme punkten kann. Abschließend schleppen wir uns durch die sehr zu empfehlende Schönheit der unendlichen Bedeutungslosigkeit. Viel Spaß!

 


 

MOTHER WITCH & DEAD WATER GHOSTS – Ruins Of Faith

Warum die 2015er LP „Ruins Of Faith“ mit der für Doom EP-haften Kürze von weniger als einer halben Stunde erst jüngst in der Stormbringer-Post gelandet ist, wird wohl an einer erneuten Veröffentlichung liegen. Oder hat die Platte aus der Ukraine so lange bis hierher gebraucht? Egal! In jedem Fall fließt der leicht psychedelische Doom gut unter die Haut. MOTHER WITCH & DEAD WATER GHOSTS sind dabei vielleicht gerade für jene zu empfehlen, denen CHELSEA WOLFE etwas zu artsy-fartsy und entrückt ist. Leicht okkultistisch und tief, aber nicht funeral-ish und depressiv; nicht weltbewegend und bahnbrechend, aber eingängig und angenehm. (jazz)

 


 

HANGMAN'S CHAIR – Banlieue Triste

Die fünfte LP von HANGMAN'S CHAIR hat eine Doom-typischere Länge von über einer Stunde. Zahlreiche Elemente des Stoner Metals sind ihrem Sound beigemengt, was ihn unaufgeregt und unprätentiös macht, aber auch ein bisschen unkompliziert und unspeziell. Vor allem aber wird die Musik auf „Banlieue Triste“ von einem Gesang begleitet, der mitunter auch Kuschelrock-Songs präsentieren könnte. Was wie eine Schwäche klingen mag, ist Stärke und Alleinstellungsmerkmal der Franzosen. Insbesondere der Song „Touch The Razor“ bleibt schon bei ein bis zwei Durchläufen im Ohr und verschafft einen sehr angenehmen Wiedererkennungswert bei den nächsten Runden, die es – einmal angefixt – sicher geben wird. (jazz)

 


 

EVOKEN – Hypnagogia

Zum Abschluss dieses Doom-Triptychons mag ich noch einen Sound präsentieren, der mir besonders gut gefällt. EVOKEN treffen auf ihrer sechsten Platte „Hypnagogia“ mit elegisch-tragisch bis natürlich-schwerem Funeral Doom ins Herz jener weltschmerzlichen Trauer, die im trübsinnigen Nachdenken beginnt und im unendlich leeren Starren endet. Rund eine Stunde dauert das schleppende Klangbild, das sich in dem rostig-morschen Stacheldraht-Weidezaun auf dem stilgerechten Cover wiederfindet. Hier lässt sich die gleiche Schönheit finden, die in Bedeutungslosigkeit und Vergänglichkeit steckt. Man könnte die LP eine kleine Perle nennen, aber ein trüber Dezemberstrand wäre passender. Sehr hörenswert! (jazz)

 


 


Mehr Flusensieb!


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