METALBOAT - Fear and Loathing in Sweden, Part One

Veröffentlicht am 07.05.2009

Abend 1 – Donnerstag, 2. 4. 2009 – Metalboat
(von Bernhard & „Cisl“)

Fear and Loathing in Sweden, Part One

Wir sind irgendwo am Hafen, als der Alkohol zu wirken beginnt. Die meisten von uns haben keine Minute geschlafen, und nachdem wir schon im Flugzeug zu trinken begonnen haben, macht sich der Durst langsam bemerkbar. Der Himmel ist voll von Schemen, die entfernt an gigantische Fledermäuse und Mantarochen erinnerten. Die Sonne ist bereits am Untergehen, und wir betreten die Eingangs-, Ausgangs-, oder Was-auch-immer-Halle, über die wir in Kürze das Schiff betreten werden. Ulf, unsere Kontaktperson, soll schon da sein, aber in dem Gewimmel von gleich aussehenden langbehaarten blonden Schweden kann man überhaupt nichts erkennen.

„Was für ein verstörter, zotteliger Typ aus Österrike redet die ganze Zeit vom scheissn und schüttet sich Minttu rein? Alles Beweismaterial....“

Wie viele sind wir eigentlich?

„Wir sind auf jeden Fall schon mehr, und wir werden mehr....“

Keine Ahnung, wird schon keiner verloren gehen. Als mir jemand eine Flasche Mundwasser (Auf Schwedisch oder Finnisch, keine Ahnung was: Minttu [Anm. d. Red.: finnischer Pfefferminzlikör, 50%])…

„Das hatten wir schon längst.... Deja Vu“

… in die Hand drückt und mir mein Anwalt empfiehlt, erst mal einen tiefen Schluck aus der Flasche zu nehmen, weiß ich, wir haben den Rest unserer Crew gefunden.

„Trinken Sie mal! Is gesund für die Zähne und jetzt runter damit!“

Das sind Ulf, Alice und noch ein paar Leute, deren Namen ich bereits vergessen habe, bevor sie ihn mir überhaupt gesagt haben.

„Joachim, blonder, langhaariger Schwede. Sein Blick ist verdächtig.“

Bis morgen werde ich vermutlich jede Menge rechtlichen Beistand brauchen.

„Ich habe mich dazu entschlossen, ihn zu vertreten. Nicht aus Freundlichkeit sondern aus Selbstnutzen“.

Nach einem tiefen Schluck Mundwasser das erste Problem. Bei der Kartenreservierung hat jemand gepatzt. „Hallo, ich stehe auf der Liste, mein Zimmer ist ganz oben bei den Pressekarten. Ich habe meinen Anwalt bei mir … natürlich steht er nicht auf der Liste, aber es ist trotzdem unerlässlich, dass er sofort mit mir ein Zimmer beziehen kann. Was kommt als nächstes?“ Die Frau am Schalter, mit der ich eigentlich gar kein Gespräch geführt habe, verdreht die Augen.

„Der Mann am Schalter redete auf mich ein wie bei einem Verhör. Ein Blick zu meinem Mandanten..... Wo ist er? Verdammt! Sie haben ihn erwischt!?“

Kurze Zeit später drängen wir uns vorbei an etlichen Reptilien auf das Schiff. Ich wünsche mir festes Schuhwerk; der ganze Boden ist voll mit Blut. Auf meine Frage, warum man so viele blutrünstige Tiere auf das Schiff gelassen hat, reagiert niemand. Die bulligen Securitys deuten uns, weiter zu gehen.

„Ich habe immer einen Spion mit mir.... bevor sie mich erwischen, brauche ich Beweise. Dieses Schiff birgt etwas Böses in sich. Wo ist er? Ein weißer Riese taucht auf, beginnt zu krähen.... Hat er Ihn erwischt?“

Als wir schließlich unser Zimmer finden, funktioniert die Codekarte zum Tür öffnen nicht. Erst eine halbe Stunde später kommen wir darauf, dass wir vor der falschen Tür stehen. Aus gekauften Insiderinformationen weiß ich, dass der Supermarkt bald aufsperren muss. Da mein Alkoholspiegel sinkt, ist das der nächste Stop.

„Alle Wege führen zum Duty Free Shop. Ich wusste, dass ich hier die wichtigste Einnahmequelle finden kann, und die meisten Beweise. Ich werde meinen Mandanten dort treffen“

Halbblind betreten wir den Supermarkt. Im Gegensatz zu den anderen setze ich hauptsächlich auf Bier; nichts von dem ganzen stark alkoholischen Zeug, die Zeit ist dafür noch nicht reif.

„Meine Augen sind auf die Indizien fixiert, mein drittes Auge zeichnet gerade alles auf. Ein Unbehagen überfällt mich. Wenn der Vorgang zu lang dauert, können sie mich sehen. Sie sind überall – nicht nur ich scanne sie, sie tun es auch“.

Einen Trolley mit vier Steigen geschnappt = 96 Bier ganz für mich allein. Oder auch nicht. Noch schnell Snus eingesackt, ein paar Erdnüsse als vollwertige Mahlzeit, und warten. Worauf? Die anderen verschwenden meine Zeit mit ihrem Vodka.

„VODKA..... das einzige Mittel, dass mich klar denken lässt, und mich aus meiner Taubheit wachrüttelt. Alles andere dämpft bloß, ist wahrscheinlich auch verseucht. Aber Vodka ist rein.... rein wie einer Jungfer Seele. Meine Arbeit hier kann also endlich beginnen. Ich muss meinen Mandanten etwas bremsen..... er fängt an hier Aufmerksamkeit zu erwecken......“

„Stundenlange Observation der Medien auf diesem Gefährt..... Sie sagen, sie bringen uns nach Finnland, aber ich denke, sie haben ganz andere Absichten. Sie versuchen uns vieles einzureden.... Ich fühle Augen auf mich gerichtet. Sie starren mich an. Diese hellen Menschen hier sind Attrappen . Sie haben zu viel Milch getrunken, verseuchte Milch.“

Danach stundenlang (?) nichts. Als ich wieder bei Bewusstsein bin, stehen wir vor der Bühne. Ich habe ein Bier in der Hand, anscheinend spielen jetzt doch DREAM EVIL.

„Sie wollten uns täuschen, aber ich lasse mich nicht hinters Licht führen…“

Ich sehe mich um. Um mich herum stehen Leute, die ich kennen sollte, an deren Namen ich mich aber nicht erinnern kann. Anscheinend habe ich ihnen Bier gegeben.

„Ich rate meinem Mandanten, auf Vodka umzusteigen.... Er ist Im Begriff sich mit diesem Zeug zu vergiften!“

DREAM EVIL spielen so leise, dass wir uns annähernd normal unterhalten können.

„Es war so laut... sie wollten damit die Schreie der Gefolterten übertönen. Ich muss sie finden!“

Also im Schreien. Meine Hosentaschen sind voll mit Bierdosen. Aber immer nur kurz, dann muss ich aufs Zimmer gehen und neue holen. Mit einer ganzen Steige in der Hand wollen sie mich nicht vor die Bar lassen.

„Hin und wieder verschwindet mein Mandant. Ich frage mich, was er tut. Macht er gemeinsame Sache mit jemand anderem? Ich kann ihm nicht mehr trauen.....“

Plötzlich Securitys, die uns die Bierdosen wegnehmen. In diesem atavistischen Land ist man immer der Verlierer. Dabei dachte ich, dass man alles mit vor die Bühne nehmen darf?

„Natürlich wird er erwischt. Meine Versuche, auf ihn einzureden, waren erfolglos. Ich muss mich zurückziehen.... Darf nicht mit ihm gesehen werden. Sonst ist mein Zeug weg! Und ich benötige es hier doch so dringend!“

Als DREAM EVIL vorbei sind – oder vielleicht spielen sie ja noch, keine Ahnung – entführe ich unauffällig ein paar leere Becher an der Bar. So getarnt können sie uns das Bier nicht mehr wegnehmen – ist ja an der Bar gekauft. Ehrlich. Versprochen.

Plötzlich PINK CREAM 69. Ich kann die Musiker der Band nicht mehr sehen. Zu viele Schlieren, eingeschränktes Gesichtsfeld, Dunkelheit. Nichts als Dunkelheit. Ein paar Bier werden das schon richten. Kurze – oder lange – Zeit später wache ich im freien auf. Soll heißen an der Reling, draußen, an der frischen Luft. Wie ich dort hingekommen bin, weiß ich nicht mehr. Als ich wieder die Bar betrete, spielen auf einmal GRAVE DIGGER. Die wollte ich sehen. Ich schreie „Chris Boltendahl, ich will ein Kind von dir!“, aber Chris Boltendahl hört gerade nicht zu.

„Was ist passiert, wo bin ich? Sie haben mich erwischt, mir einen Chip verpflanzt – ich spüre es in meinem kopf.....was jetzt?“

Als mir nach zwei Liedern langweilig wird, beschließe ich, zur Auflegerei von AMON AMARTH-Sänger Johan Hegg zu gehen. Ich kann kaum mehr stehen. Alle Schweden kennen Josef Fritzl. Ich will jetzt noch nicht aufstehen. ENTOMBED fangen an. Kann das nicht warten? Kann es nicht, und so bekomme ich von ENTOMBED ca. 1 ½ Minuten mit, bevor ich mich an nichts mehr erinnern kann. Wieso klingt der Sänger wie aus einer Power Metal Band?

Tag 2 – Freitag, 3. 4. 2009 – Metalboat
(von Bernhard & „Cisl“)

Fear and Loathing in Sweden, Part Two

Als ich aufwache, mache ich eine schreckliche Entdeckung. Wo ist das Bier? Von den 96 Dosen vom Vortag sind nach einiger Suche noch fünf zu finden, der Rest ist spurlos verschwunden.

„Alles ist weg, es ist alles weg!! Sie haben alles mitgenommen. Ich wusste es!“

Nach gefühlten zwei Stunden Schlaf bin ich topfit und mache das erste Bier auf. Sofort ist die Partystimmung in meinem Mund wieder da, und ich bin wieder da, wo ich hin will, als mir mein Anwalt sagt, er hätte noch Bier in seiner Kabine, in die ich ihm prompt folge.

„Da ich gewusst habe, dass so etwas passieren wird, weihe ich meinen Mandanten über meine Vorsichtsmaßnahme ein. Aber nur ihn. Ich kann den anderen nicht trauen. Ihre Augen sagen es mir!“

Über den Abend hat sich meine Packung Snus geleert, also ab in den Supermarkt und Nachschub und Wasser geholt. Außerdem Limetten. Viele Limetten.

Wir gehen in die Bar und bestellen die nächsten 15 Bier. Plötzlich eine Stimme aus dem Off: „Trink nicht so viel, wir müssen heut noch einen Gig spielen!“ Ich versuche, sie zu vertreiben, auszublenden, aber sie geht nicht weg.

„Mein Mandant scheint nicht mehr in der Lage, unsere Mission zu vollziehen. Ich versuche, ein Vertrauensgespräch mit ihm zu führen......“

Bin ich jetzt vollkommen durchgedreht? Wer spricht da? Und was ist ein Gig? Spiele ich überhaupt ein Instrument? Aber nach ein paar weiteren Bieren ist die Stimme auch beruhigt, und wir sehen uns GUILLOTINE an. Die anderen zumindest. Ich trinke weiter.

„Ich werde Sie nicht mehr vertreten. Sie müssen ab jetzt alleine klar kommen. Ich werde das Ding alleine durchziehen.“

Und plötzlich stehe ich auf dem Gang vor meiner Kabine und unterhalte mich schon wieder mit Schweden über Josef Fritzl. Und erzähle ihnen davon, wie viel Spaß es uns Österreichern macht, zu unterkellern und unsere Töchter und Inzestkinder gefangen zu halten. Viele sind davon sichtlich begeistert und wir tauschen e-Mail-Adressen aus, um Unterkellerungstipps auszutauschen.

Mein Anwalt zerrt mich zu WITCHCRAFT, aber ich bin zu müde und zu betrunken, um noch etwas mitzubekommen. Ich muss nüchtern werden. Ich muss heute Abend noch einen Gig spielen. Aber vorher noch ein Bier. Ist zwar keins mehr da, muss ich halt eins kaufen. Der Supermarkt hat schon zu gesperrt, und als ich an der Bar eines bestelle, bemerke ich, dass fast mein ganzes Geld weg ist. Dunkel erinnere ich mich daran, gestern Jägermeister gekauft zu haben. Aber für 150 Euro? Das kann ja heiter werden.

„Wir werden von diesem Schiff wieder runterkommen, wir werden wieder runterkommen...“


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