MYRATH - das 'Shehili' Gangbang-Review

Puh – der erste Gangbang und dann auch orientalisch. Man kann es sich auch einfacher machen aber warum auch nicht. Von  MYRATH habe ich ehrlich gesagt bislang noch nicht wirklich etwas gehört. Kurz gegoogelt und schon ist man schlauer. 2001 gegründet, bereits ein paar Alben draußen, Progressive Metal, orientalische Einflüsse…. - klingt ja nicht uninteressant. Also ab dafür.

Beim Intro „Asl“ kommt aber erstmal der „What The Fuck“-Moment. Exotische Einflüsse sind ja ok aber das klingt so wie sich Lieschen Müller, den Bet-Aufruf in Mekka vorstellt und trieft vor Klischee. Auweia, auf was habe ich mich da eingelassen?? Wird das ein ungeiler Gangbang? Sieht fast so aus. Wenn mit „Born To Survive“ dann der erste Song beginnt befürchtet man glatt, dass gleich „Kuss-Kuss“-Tarkan persönlich aus den Boxen geklettert kommt. Holy Monkey! Nach 40 Sekunden ist aber auch dieser Spuk vorbei und es machen sich knackige Gitarren breit und der Song nimmt Fahrt auf. Zwar in Form eines dreist geklauten Riffs aus dem MUSE-Fundus aber immerhin. Schließlich entwickelt sich das Ganze dann zum Glück sogar noch zu einem richtigen Ohrwurm mit Hitqualitäten. Dazu noch absolut fett produziert.

„You’ve Lost Yourself“ knüpft daran nahtlos an. Es gibt fetzige Parts, symphonische Anklänge und auch hier und da ein paar abgeschwächte „orientalische“ Einsprengsel. Ebenfalls ein prima Song, der Laune macht.

Bei „Dance“ geht es anfangs wieder arg klischee-orientalisch zu. Wenn die Keyboards einstimmen wird dies jedoch in den Hintergrund gedrängt. Und unterm Strich bleibt auch hier ein hitverdächtiger, poppig-eingängiger Metal-Song übrig.

Der Band ist zugute zu halten, dass sie doch einen eigenen songwriterischen Stil pflegt, was nicht nur an den exotischen Einflüssen liegt. In heutiger Zeit sicher nicht verkehrt bei der Masse an Veröffentlichungen.  Andererseits sind aber auch etliche Songs in der gleichen Machart gestrickt. „Orientalisches Intro-dann harte Gitarre- melodischer Refrain-ein paar Prog-Einschübe und fertig ist der MYRATH-Song“ könnten böse Zungen behaupten.

In der zweiten Hälfte erfolgt etwas mehr Abwechslung als bei den ersten sechs Songs, die doch irgendwie ziemlich gleich aufgebaut sind.  Einige Songs erinnern mich sogar leicht an AVANTASIA wie der flotte Schmeisser „No Holding Back“, zumal der Gesang von Zaher Zorgati auch irgendwie an Tobias Sammett erinnert.

Mit „Stardust“ gibt es eine Bombast-Ballade, voll mit QUEEN’schem Pathos und etwas arg nahe an der Kitschgrenze. Aber durchaus gelungen.

Bei „Mersal“ wird es den ganzen Song über orientalisch, teilweise schon etwas zu viel. Ebenso wie im abschließenden Titelsong. Da muss man musikalisch schon ziemlich tolerant sein, wenn im Hintergrund der Imam rauf- und runter jodelt. Brauch ich jetzt nicht unbedingt mehrmals hintereinander ehrlich gesagt.

Zwischen beiden letztgenannten Songs schleicht sich dann noch das Highlight des Albums mit „Darkness Arise“ ein. Ein flotter Rocker ohne Quoten-Orientalismus, straight mit guter Melodie und einprägsamen Chorus. Dazwischen sogar ein außergewöhnliches Keyboard-Solo mit Hammond-Orgel-Touch. So macht es wirklich Laune.

Resümee: Es ist nicht ganz einfach, „Shehili“ zu reviewen. Einerseits ist die CD aufgrund des Exotenbonus doch etwas ganze anderes als das, was einem üblicherweise vorgesetzt wird. Andererseits nutzt sich dieses „Neue“ dann doch etwas schnell ab und das teilweise arg klischeehafte Zwangsorientalisch wirkt auf lange Sicht etwas angestrengt aufdringlich und zu arg gewollt. Musikalisch haben es die Jungs sicher drauf, die Produktion stimmt auch und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass hier ein gutes Händchen für eingängige Melodien vorhanden ist. Letztlich dann wie so oft Geschmackssache ob man sich „Shehili“ auf Dauerrotation legt oder nicht. Ich fand es als Zwischenmahlzeit doch recht kurzweilig aber die Lust auf dauerhaftes Hören ist bei mir aufgrund der genannten Kritikpunkte leider nicht so ganz gegeben. Überdurchschnittlich ja, aber nüchtern bei Licht betrachtet dann doch weit weg von einer Sensation.

3 / 5 - Martin Weckwerth

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Martin Weckwerth
Seite 3: Lady Cat
Seite 4: Christian Wilsberg
Seite 5: Sonata
Seite 6: Lisi Ruetz
Seite 7: Fazit


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Nordic Union
ANZEIGE