MYRATH - das 'Shehili' Gangbang-Review

Erst mal ein vorangestelltes Dankeschön an den Kollegen Sonata, welcher das Album hier als potentiellen Kandidaten für unsere Gruppenverlustigung vorgeschlagen hat. Es müssen ja nicht immer die großen Blockbuster sein, welche von uns massenseziert werden. MYRATH aus Tunesien sind eine interessante Band, von welcher ich vor dem Aufruf zur Schlacht noch nie gehört hatte. Progressive Metal mit orientalischen/arabischen Einflüssen kennt man vorerst von ORPHANED LAND, vielleicht noch von MELECHESH und TRI STATE CORNER, das wars dann aber auch schon. MYRATH vermischen die schweren Riffs und die Progressivität von ORPHANED LAND mit den einfachen und zugänglichen Songstrukturen von TRI STATE CORNER und heraus kommt ein Album, was auf alle Fälle einige Hits beinhaltet.

Bei aller Ambition allerdings möchte ich voranstellen, dass ich eine Sorte Album nicht mag, und selbst meine Lieblingsbands begehen ab und an diesen, in meinen Augen, Kardinalsfehler. Konzept hin oder her, ins Songwriting gehört Dynamik. Was ich schon in meiner (zur Infamität herangereiften) Review zu BLOODBOUND und "Rise Of The Dragon Empire" thematisiert habe: Wenn die Songs auf Albumdistanz durchweg im gleichen Tempo gehalten werden, bin ich raus. Und das passiert leider auch auf "Shehili". Die Jungs haben was drauf, das hört man in jeder Note, in jedem Drum Kick, in jeder Sekunde. Dennoch, und ich habe das Album nun bereits zwei Monate lang am laufen, verliere ich nach den ersten fünf Songs das Interesse. Denn (minimale Schwankungen ausgeklammert) es wurde wirklich JEDER Song im gleichen Tempo verfasst. Da helfen auch vereinzelte Breakbeats oder Schlenker ins Vertrackte nix mehr. Doch ist es nicht nur das Tempo, was bei jedem Song ähnlich gehalten ist, auch die Struktur der Stücke ähnelt unter einander viel zu sehr.

Und das ist ziemlich Schade, denn grundsätzlich ist der Ansatz nicht verkehrt. Die arabischen und orientalischen Folk Elemente liefern oft die Grundlage für die Songs, auf denen dann die modernen, tiefgestimmten Riffs aufgebaut werden. Die Refrains sind grundsätzlich nah am Power Metal europäischer Prägung gehalten, also eingängig, dramatisch und melodisch, ohne ins Kitschige abzudriften. Und da gibt es einige Highlights zu nennen. Zum Beispiel das durch einen transponierten Kick eingeleitete "You've Lost Yourself", das eher balladeske "Lili Twil" oder das progressive "Stardust". Das Albumhighlight stellt indes das mittig platzierte "Monster In My Closet" dar, mit einem Refrain für die Ewigkeit. Sensationell!

Doch liegt es in erster Linie an dem Funktionieren oder Nicht-Funktionieren der Refrains, ob der Song gefällt oder nicht, denn ansonsten sind die Stücke einfach zu ähnlich gehalten, um Eigenständigkeit zu kreieren. So viel Arbeit in die Arrangements, in die Lyrics, die Geschichte gelegt wurde, beim nächsten Streich muss da mehr auf songwriterischer Ebene passieren. Auch wenn jeder Song, wenn er als solcher für sich steht, sicherlich überzeugt, funktioniert die Songsammlung im Albumkontext auf Grund der Gleichförmigkeit nur bedingt. Was vor allem deswegen noch schwerer ins Gewicht fällt, weil das Album als Konzeptalbum angelegt ist und unbedingt zusammenhängend funktionieren müsste.

2,5 / 5 – Christian Wilsberg

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Martin Weckwerth
Seite 3: Lady Cat
Seite 4: Christian Wilsberg
Seite 5: Sonata
Seite 6: Lisi Ruetz
Seite 7: Fazit


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