MYRATH - das 'Shehili' Gangbang-Review

Man hätte meinen können, dass die Aufsteiger von MYRATH nach ihrem gigantischen Erfolg mit „Legacy“ schnell nachlegen, um die vielzitierte Cashcow melken zu können, doch die sympathischen Tunesier gehören nicht zu jener Zunft, im Gegenteil. Drei Jahre zogen ins Land, was genug Raum für ein durchdachtes Konzept bot, das an das eben betitelte „Legacy“ anschließt.

„Shehili“ hat dem Hörer vorab mit „Dance“ bereits einen mehr als nur netten „Teaser“ verabreicht, doch wer jetzt glauben mag, dass MYRATH stumpf auf den Pfaden der Vergangenheit wandern, der irrt! Während „Legacy“ vollends auf einen hymnischen und sehr zugänglichen Charakter gesetzt hat, ist „Shehili“ das unscheinbare Werk, das sich vollkommen unbemerkt in die Gehörgänge einnistet. Das kurzweilige Intro „Asl“ liefert bereits die nötige Atmosphäre, bevor der Opener „Born To Survive“ lost stampft, was er im Übrigen mit einer für MYRATH-Verhältnissen ordentlichen Brachialität tut! Die ganzen Trademarks sind nachwievor vorhanden, doch insgesamt wirkt das Album mehr „down to earth“, was der Opener bestens aufzeigt. Eine intensive Strophe mündet in einen unscheinbaren Chorus, der im ersten Moment wie eine Bridge wirken mag. Ist das ein Kritikpunkt? Mitnichten! Die große Stärke des Albums ist es, „kleine“ Refrains gigantisch groß wirken zu lassen. Mit jedem Durchlauf wird der Opener stärker und das gleiche Merkmal lässt sich auf „You’ve Lost Yourself“ übertragen, das spektakuläre Trommelklänge mit wuchtigen Gitarren und Streichern verbindet. Der Härtegrad ist insgesamt nochmal eine Stufe angehoben worden und das Songwriting noch ein stückweit gereifter. Nicht alles lebt für den Aufbau zum großen hymnischen Refrain, sondern es ist ein grandios geformtes Gesamtpaket! Der theatralisch wirkende Chorus wird wunderbar von Zaher intoniert, der aktuell so oder so zu den besten Sängern zählt, die der Metal als gesamtes mitbringt! Und wenn ein solcher Song nach der ersten Hook mal eben ein kurzes, aber umso brillianteres Gitarrensolo einpflegt, dann ist alles hierzu gesagt! Mein persönliches Highlight der Platte ist das sich langsam aufbauende „Lili Twil“, das sich in den Strophen in charismatischem Arabisch präsentiert und nur im Refrain die englische Sprache einbindet. Die fast schon balladesk anmutenden Strophen lassen einen ruhigen Song vermuten, doch weit gefehlt! Ohne Pause mündet der Track in den energetischsten Chorus der Scheibe und offenbart zugleich die beste Gesangsleistung, die der gute Zaher bisher vollbracht hat. Die Intensität sucht seinesgleichen und ich bin schlichtweg verliebt in die ganzen Details, die der Song mitbringt. Sei es der Einbau von kurzen Pianopassagen, Flötenklängen und den sich steigernden Streichern. Ein Meisterwerk und der beste Song, den MYRATH bisher geschrieben haben! Schön ist, dass „Shehili“ bis auf „Stardust“ ohne Balladen auskommt und uns zum Ende mitunter die knackigsten Nummern präsentiert mit dem groovigen „Darkness Arise“ und dem epischen Titeltrack.

An JEDER Stellschraube wurde gefühlt 100 Mal gedreht, denn alles sitzt da, wo es hin gehört. Ein fast schon unscheinbares Werk fügt sich mit wenigen Durchläufen zum besten Album, welches das Jahr 2019 bisher hervorgebracht hat. Viele Fans dachten sicherlich, dass mit „Legacy“ das Optimum erreicht wurde, doch WEIT gefehlt! „Shehili“ ist all das, was ich am Progressive Metal und Power Metal liebe. Es ist hymnisch, durchaus kitschig, aber NIE zu aufgesetzt und stets verspielt, sodass es Durchgang für Durchgang stets was neues zu entdecken gibt. Bitte lasst euch auf diese zauberhafte Reise ein, denn sie wird euch mit jedem Durchlauf fürstlich belohnen!

5 / 5 - Sonata

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: Martin Weckwerth
Seite 3: Lady Cat
Seite 4: Christian Wilsberg
Seite 5: Sonata
Seite 6: Lisi Ruetz
Seite 7: Fazit


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