AMON AMARTH - das 'Berserker' Gangbang-Review

Ich hatte ja schon etwas Schiss, bevor ich zum ersten Mal den "Berseker" in mein Wiedergabegrät geschmissen habe. Redaktionsintern hörte ich schon erste Stimmen, der Nachfolger zu "Jomsviking" solle total missraten sein. Jetzt zählen AMON AMARTH zwar nicht zu meinen All Time Faves, aber Songs wie "Ruins To My Memory", "Fate Of Norns", "Embrace Of The Endless Ocean" und natürlich auch die geläufigen Hits gefallen mir einfach sehr gut. Zumal die Truppe trotz des enormen Erfolges stets sympathisch und geerdet wirkt. "Jomsviking" war eine sehr gute Scheibe, und die zu übertreffen ist natürlich ein ganzes Stück Arbeit. Als "Raven's Flight" dann als Teaser herauskam, zählte es nach dem ersten Hören schon mal nicht zu meinen Highlights. Gepaart mit den ersten negativen Stimmen hatte ich einen Totalausfall erwartet. Aber wie so oft kommt es anders.

Zugegeben, der gesamte erste Spin von "Berserker" hinterließ einen unterwältigenden Eindruck bei mir. Das war nicht die Epik, die ich nach dem letzten, komplett im Cinemascope-Format gedrehten HD-Blockbusteralbum, erneut erwartet habe. Im Vergleich ist es eher ein grobkörniger Genrebeitrag im 16:9 Format. Aber nach ein paar Spins hat mich die Wucht des Werkes dann um so mehr gepackt.

Es gibt Experimente auf "Berserker". Eine Band, die mit einem Stil und Gimmick verheiratet ist, fällt die Weiterentwicklung meist aufgrund der streng gesetzten Grenzen schwer. AMON AMARTH hingegen öffnen sich noch mehr als auf "Jomsviking" dem klassischen Heavy Metal, neben den bereits bekannten MAIDEN-Leads gesellen sich noch schöne Twin-Gitarren Marke JUDAS PRIEST. Schön zu hören bei der eh schon ein wenig an "Breaking The Law" errinernden Nummer "Mjölner, Hammer Of Thor". "Valkyria" vermittelt den geerdeten Charakter zu Beginn durch ein Studiosnippet, welches so gar nix mit Vikingerthematik mehr zu tun hat. Irgendwie passt dieser kleine Produzentengag aber perfekt zum komplett auf Musikalität getrimmten Gesamtcharakter des Albums. Dass es cleane Vocals zu hören gibt, dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben. "Ironside" zählt damit nicht nur zu den experimentellsten Songs der Bandgeschichte, sondern auch zu den interessantesten. Die Singstimme von Johann Hegg klingt wie zu erwarten nach einem mächtig tiefen, sonoren Bass, aber sehr wohlig und voll. Sollte mal wer eine TYPE O NEGATIVE Tribute Show planen, fragt mal bei Hegg für den Sängerposten an. Das Quasi-Titelstück "The Berserker At Stamford Bridge" bringt den extrem musikalischen Ansatz dann in einem komplett IRON-MAIDEN-artigen Mini-Epos auf den Punkt, quasi ein kleines "Rime Of The Ancient Mariner" im Geiste.

Wer jetzt aber zu Recht Angst hat, dass "Berserker" gar nicht mehr nach AMON AMARTH klänge, keine Sorge. Der experimentelle Teil belegt dramaturgisch perfekt platziert die Mitte des Albums. Los geht es mit einem klassischen Hit-Doppelschlag aus dem schnellen "Fafner's Gold" für Freunde von "Twilight Of The Thundergod", sowie mit "Crack The Sky", einer noch eingängigeren Variante von "Pursuit Of Vikings". Die ganz großen Melodien kommen dann allerdins im letzten Viertel ab "When Once Again We Can Set Our Sails", welches purer, grandios geglückter Fan-Service ist. "Skoll And Hati" gibt dann à la "Deceiver Of The Gods" schön eins auf die Mütze, "Wings Of Eagles" vereint die aus der Vergangenheit bekannte Schnelligkeit und Melodieverliebtheit in einem absoluten Megahit auf den Punkt, während "Into The Dark" den experimentellen Stil mit klassischen Rausschmeißer-Epen wie "Back To Northern Shores" kombiniert und das Album zu einem runden Abschluss bringt.

Es braucht seine Zeit, bis sich das Werk erschließt und die Wucht dann mal zuschlägt. Aber wenn es das macht, dann mit einer vollkommenen Intensität und Direktheit, die ich AMON AMARTH ehrlich gesagt nicht mehr zugetraut habe. Unterm Strich ziehe ich die gleiche Note wie beim "Jomsviking", auch wenn sich die beiden Scheiben völligst unterscheiden. Auf dem "Berserker" gibt es massig viel zu entdecken, und jeder neue Spin ist interessanter als der Letzte.

4,5/5,0 - Christian Wilsberg


Inhaltsverzeichnis:

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Seite 7: Pascal Staub
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