AMON AMARTH - das 'Berserker' Gangbang-Review

Bei vielen innerhalb unserer geliebten Community dürfte der 3. Mai wohl schon seit einigen Wochen sehr fett unterstrichen im Kalender stehen, schließlich steht mit "Berserker" an jenem Tag endlich wieder ein neues Album unserer Vorzeige-Metal-Wikinger-Bart-und-Axt-Träger-Helden-Typen AMON AMARTH in den Regalen! Bereitet euch also darauf vor, an diesem Tag einen Ansturm auf die lokalen Plattenläden zu erleben, der wohl am ehesten mit der Eroberung des Danelag zu vergleichen wäre, bedenkt man das Cult-Following, das die werten Herren aus Schweden mittlerweile erreicht haben. Demnach groß sollten die Erwartungen sein, die die Fans in das neue Material stecken. Doch anders, als von vielen anfangs sicherlich gedacht (ich bin da keine Ausnahme), handelt es sich hier nicht um ein Konzeptalbum rund um die sagenumwobenen Berserkerkrieger, die mit ihrer übermenschlich erscheinenden Kampfkraft und der blinden Rage, in die sie sich angeblich in der Schlacht versetzen konnten, immer wieder ein beliebtes Thema bei Interessenten der nordgermanischen Kultur sind, nein.

Der allseits beliebte Johan Hegg, seines Zeichens On-Stage-Brüllmaschine und "Schönster Bart des Jahres 793" erläuterte, dass man versuchen wollte, auf dem neuen Longplayer wieder Einiges anders zu machen. So erklärt er: "Das letzte Album war ein Konzeptalbum, aber wir wollten nicht in die Lage kommen, dass das jetzt auf jedes unserer Alben zutreffen muss. Wir wollten etwas Abstand gewinnen und versuchen, etwas Anderes zu machen und vielfältiger zu sein, u. a. auch was die Texte angeht. Meine Ideen stammen aus allen möglichen Bereichen, es sind Themen aus der Geschichte oder der Mythologie. Manchmal hast du aber auch plötzlich einen Gedanken im Kopf, hinter dem es keine größere Bedeutung gibt und oft ist es einfach nur ein großartiger Metal-Text, der zu einem großartigen Metal-Song passt." Großartige Metal-Songs, das mögen wir alle! Bleibt nur noch zu hoffen, dass den großen Worten auch Taten folgen, fielen im Bezug auf das enthaltene Material doch unter Anderem Begriffe wie "explosive Riffs", "bestialische Simplizität" oder "trademarkhafte Bissigkeit". Mit diesen Worten im Hinterkopf: Lasst uns herausfinden, wie wild dieser Berserker nun tatsächlich ist!

Der Opener "Fafner's Gold" lässt zumindest einmal auf Großes hoffen: Nach einem kurzen akustischen Intro, das für die nötige Stimmung sorgt, setzen schnell die für AMON AMARTH typischen, vor Energie strotzenden Riffs sein, die die Massen seit jeher in Bewegung zu setzen wissen. Kommt dann noch das donnergrollende Organ von Hegg dazu, fühlt man sich schon fast zurückversetzt ins Jahr 2008, als das erste Mal zuhause "Twilight Of The Thunder God" aus den Boxen ertönte und automatisch ein Bart im Gesicht eines jeden Hörers, egal welchen Geschlechts, zu sprießen begann. Da kommt doch glatt die erste Euphorie auf, nachdem "Jomsviking" rückblickend doch eher weniger den persönlichen Geschmack traf. Nun, die Annahme, dass hier schnörkellos an alte Erfolge angeknüpft würde, die sollte man denoch nicht zu früh beim Anhören des Albums treffen, denn ganz so rosig wirkt das hier abgelieferte Gesamtwerk trotz gut gelungenem Opening dann doch nicht. Schon mit "Crack The Sky" kommen erste Zweifel: "Was soll das jetzt sein? Eine Übung in mantrischer Rezitierung?" Ich meine, schon klar, dass eine wuchtigen Hymne davon lebt, eingängig, beziehungsweise stampfend zu sein und eine sogenannte "bestialische Simplizität" zu besitzen, doch hier ist man mächtig über das Ziel hinausgeschossen, ein kleines bisschen Variation darf dann schon drinnen sein. Aber gut, ein enttäuschender Song macht ja kein Album. Was allerdings nach einiger Spielzeit ebenfalls auffällt ist, dass es einem großen Teil der neuen Song stark an einer eigenen, man könnte jetzt vorsichtig sagen "Persönlichkeit" mangelt, was eine schöne Umschreibung dafür ist, dass dem meisten Material auf "Berserker" der Wiederekennungswert fehlt. Wo sind diese mitreißenden Melodien, wo sind diese unverwechselbaren Riffs, die Dinge, die AMON AMARTH früher so gut beherrschten? Damit soll nicht gesagt sein, dass man das ganze Material so wie es ist vergessen kann, keiner der hier angesprochenen Songs (beispielsweise "Shield Wall" oder "Wings Of Eagles") ist wirklich "schlecht", aber eben auch nichts, was heute noch Bäume ausreißt oder jemandem längere Zeit in Erinnerung bleiben würde. Man könnte sagen, das Album "plätschert" (oder "knüppelt" in diesem Fall) eben so vor sich hin, tut keinem weh, beeindruckt aber auch niemanden.

Einige nette Überraschungen zwischendurch und sogar den einen oder anderen Hit hat das Album dann aber doch zu bieten! So kam die Band beispielsweise nicht darum herum, zumindest einen Titel auf dem Longplayer zu inkludieren, der sich der Thematik der Berserker annimmt. "The Berserker At Stamford Bridge" erzählt die legendäre Geschichte des Kriegers, der es im Jahre 1066 angeblich schaffte, im Alleingang die englische Armee an genannter "Stamford Bridge" in Schach zu halten und dabei 40 bis 70 Männer mit in den Tod zu reißen, um seinen Schildbrüdern den Rückzug zu ermöglichen. Passend zu so einer unglaublichen Machtdemonstration ist der dazugehörige Song der wohl Gelungenste und auch Beeindruckendste des gesamten Albums, sowohl musikalisch als auch lyrisch. Vor Allem die in todesverachtender Kühnheit vorgetragene Verhöhnung des Berserkers in Richtung der englischen Soldaten wird hier durch Hegg, untermalt von einem tosenden Gitarrenriff, beeindruckend in Szene gesetzt und haucht dem in Bärenfell gekleideten Mann auf dem Albumcover wirklich Leben ein (und das sage ich, obwohl ich das Cover wirklich scheußlich finde). Daneben wären außerdem die Songs "Skoll and Hati" und "Raven's Flight" zu bemerken, die auch die melodischen Stärken der Band wieder zum Vorschein zu bringen vermögen. Eine Überraschung bietet außerdem "Ironside", eine Lobeshymne an den ältesten Sohn Ragnar Lodbroks, hier passiert nämlich etwas extrem Ungewöhnliches...man kriegt klaren Gesang zu hören! Zwar nur kurz und es ist im ersten Moment extrem irritierend, aber dennoch: erfrischend! Als Rausschmeißer gibt es dann noch den etwas emotionaler angehauchten Song "Into The Dark", der musikalisch zwar eher mittelmäßig ausfällt, textlich aber aufgrund seines frei zu interpretierenden Inhalts durchaus interessant ist. Ach ja, wo wir schon bei "textlich" sind...abgesehen von den genannten Ausnahmen, in denen es sich tatsächlich anbietet, bei den Lyrics etwas genauer hinzuhören, kann man sich eben dies bei den restlichen Songs des Albums eigentlich schenken. Wikinger, Krieg, Thor, Hammer, Valhalla, aus. Nichts, was es nicht schon unzählige Male zuvor in besser gab (selbst in der eigenen Diskographie), dazu meist relativ simpel gehalten und zum Mitgröhlen konzipiert. Live dürfte das zwar für viel Stimmung sorgen, aber auch hier wieder: Ein bisschen mehr Komplexität wäre dann doch auch flächendeckend nett gewesen.

Wie sollte man das Werk nun zusammenfassend bewerten? Sagen wir es so: Wo AMON AMARTH draufsteht, da is' AMON AMARTH drin'. Man bekommt auf "Berserker" einen ganzen Haufen Energie und Knüppelei zu hören, jedoch schaffen es nur sehr wenige Songs tatsächlich, aus der grauen Masse herauszustechen und für sich selbst erinnernswert zu sein. Mit ganz wenigen Ausnahmen ist kein Song auf "Berserker" ein echter Reinfall und auch den einen oder anderen ziemlich guten Song gibt es zu hören, aber reicht das tatsächlich, um ein Album aus der Mittelmäßigkeit zu ziehen? Vor Allem: Sollte man von AMON AMARTH nicht etwas mehr erwarten dürfen als "ganz nett"? Diese Entscheidung muss wohl jeder selbst treffen, ein neuer Karrierehöhepunkt sieht jedoch anders aus.

3,0/5,0 - Daniel Csencsics


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