Underground von Unten - österreichische Musik gehört gehört! Vol. 38

Veröffentlicht am 22.08.2019


 

SONNE DER GERECHTIGKEIT (Black Metal, Niederösterreich)
 

Elohims Zorn

  • 1. Ein Platz im Himmel
  • 2. Die Klinge ist schön glatt
  • 3. Mit Gott verbunden
  • 4. Die Feuerengel bitten zum Tanz
  • 5. Keiner ausser du
  • 6. 1000 Jahre Frieden
  • 7. Jesus der Kriegsherr


Psalm 34/19
Der Herr ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und er hilft denen, die zerschlagenen Geistes sind.

Hoffentlich hilft der Herr auch seinem Erzengel Michael aus Niederösterreich der, vom Gewichte der sieben Siegel der Offenbarung (gut, es sind Schlüssel zum Abgrund und nur deren Vier) geistig umnachtet und zu Boden gezogen, unter dem Banner der SONNE DER GERECHTIGKEIT „Elohims Zorn“ in Albumform über die Schar der ungläubigen Metalheads bringen möchte. Dabei bedient er sich des Idioms derer die er bekehren möchte, indem er sich den Black Metal zu Eigen macht und ihn in eine verquere christliche Form verdreht. Ungeachtet dessen, dass es bereits christliche Strömungen in der harten Musik gibt (man nennt sie White Metal, und bekannte Vertreter sind etwa die Kleiderschrank-Metaller von NARNIA oder die Streifenhörnchen von STRYPER), schrammelt das verirrte Schäfchen – pardon, der Erzengel – unbeirrt seit mehr als einem halben Dutzend Veröffentlichungen innerhalb von zwei Jahren durch einen Baukasten des Homestudio-Schwarzwurzelsounds der untersten Produktionsklasse.

Egal wie man es hierbei auch dreht und wendet, schafft man es nicht, in der kredenzten musikalischen Ursuppe auch nur irgend etwas zu finden, das auch nur ansatzweise der Definition „Musik“ zuzurechnen wäre – vielleicht noch am ehesten das Intro von „Keiner ausser du“, das zumindest ein paar Keyboard-Klänge parat hält, bei denen man nicht viel kaputtmachen kann. Ja, da ist eine Gitarre (ob ordnungsgemäß gestimmt oder nicht, ist nicht zu eruieren, gequält wird sie jedenfalls hingebungsvoll), irgendwo fallen kesselförmige Tonerzeuger die Treppen hinab und immerzu schreit jemand (vermutlich schmerzerfüllt) gebetsmühlenartig undefinierbare Botschaften, doch das ist es dann auch schon mit der 'Kunst'. „Elohims Zorn“ entbehrt jeder Struktur und martert den Hörer mit morbider Faszination vom Charakter eines schrecklichen Unfalls, bei dem man einfach nicht weghören kann, während es die vermutlich ehrbaren (wenn auch höchst verqueren) Absichten seines Erschaffers durch seine Dilettantismus ad absurdum führt. Religiöser Fanatismus mag eine Geißel unserer heutigen Zeit sein, doch wenn er sich auf derart plumpe Weise selbst parodiert, dann geht zumindest keine Gefahr davon aus.

Vielmehr ist SONNE DER GERECHTIGKEIT (für all jene die gläubig sein mögen und mir den Kalauer verzeihen) wahrlich die Strafe Gottes – für jeden Hörer zumindest rudimentär anspruchsvoller Klänge, mit gestimmten Instrumenten und einer ungefähren Vorstellung davon, wie man Töne aneinander reiht. Ein Sternchen gibt es für den unfreiwilligen Unterhaltungsfaktor, der die Schmerzen im Gehörgang nur bedingt aufwiegt.
1 / 5 (Anthalerero)
 

Die Mutigen dürfen sich jetzt der SONNE DER GERECHTIGKEIT auf Bandcamp stellen, aber mehr können wir der Öffentlichkeit beim besten Willen nicht zumuten.

 

[Hier Youtube-Link vorstellen]

 


Inhaltsverzeichnis:

Seite 1: Einleitung
Seite 2: RESET THE WORLD
Seite 3: THE NEGATIVE BIAS
Seite 4: KHARNATH
Seite 5: TOM UNTERWEGER
Seite 6: SONNE DER GERECHTIGKEIT


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